Schuhhersteller Baťa beendet Produktion in Tschechien
Es ist eines der traditionsreichsten Unternehmen in Tschechien. Der Schuhhersteller Baťa hat nun aber Pläne veröffentlicht, nach denen die letzte einheimische Produktionsstätte abgewickelt wird. Von der Schließung werden knapp 100 Angestellte betroffen sein.
Františka, heute 70 Jahre alt, erzählt mit dem typischen ostböhmischen Einschlag, dass auch sie vor Jahren mal bei Baťa gearbeitet habe.
„Zuerst war ich in der Nähwerkstatt und habe die Schuhe zusammengeklebt. Danach war ich in der Packabteilung. Dort haben wir per Hand die Kartons gefaltet.“
Nicht wenige Bewohner der Umgebung von Uherské Hradiště dürften, so wie Františka, über kurz oder lang einmal eine Anstellung in der Baťa-Fabrik gehabt haben. Das traditionsreiche Schuhunternehmen betreibt seine Produktionsstätte in der Gemeinde Dolní Němčí seit 1970. Nächstes Jahr soll aber Schluss sein. Anna, die in dem Dorf lebt, bedauert die Nachricht:
„Das wird ein großer Einschnitt. So viele Jahre gibt es die Fabrik, so viele Frauen haben dort gearbeitet und ihre Kinder hier zur Schule geschickt. Manche der Frauen stehen kurz vor der Rente, für sie wird es noch schwieriger.“
Aber nicht nur für den Ort Dolní Němčí wird der Rückzug von Baťa eine Zäsur darstellen. Die Fabrik ist die letzte, die das Unternehmen in Tschechien selbst und sogar in ganz Mitteleuropa betreibt. Die Produktion werde in die Standorte in China und Indien verlegt, so Medienberichte.
František Hajdůch (Bürgermeisterpartei Stan), der Bürgermeister von Dolní Němčí, blickt auf die Entwicklung des Standortes zurück:
„Noch vor der Wende 1989 waren hier circa 500 Menschen beschäftigt. Nach dem Rückkauf der Firma im Jahr 1992 begann sich diese Zahl aber zu verändern. Es gab mehrere Wellen, mit denen der Personalstand immer um 50 oder 80 Leute verringert wurde. Dies führte zu dem heutigen Stand von rund 90 Mitarbeitern.“
Diese Menschen dürften kommendes Jahr nicht der Arbeitslosigkeit überlassen werden, betont Hajdůch. Aber auch er räumt ein, dass es für die Älteren unter ihnen, denen nur noch ein paar Jahre bis zur Rente fehlen, besonders schwer werden könnte.
Zu den Schließungsplänen für das kommende Jahr sagte Baťa-Sprecher Petr Souček in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Die Entscheidung über die Beendigung der Produktion in Dolní Němčí ist dem Unternehmen sehr schwer gefallen. Es handelt sich aber leider um eine Art von Betrieb, der sich unter den aktuellen Marktbedingungen nicht als rentabel aufrechterhalten lässt. Die Einstellung der Tätigkeiten wird schrittweise in mehreren Phasen ablaufen. Die Firma wird schon jetzt mit jedem einzelnen der 92 Mitarbeiter individuell seine künftige Stellung in der Fabrik besprechen.“
Müssten Mitarbeiter gleich entlassen werden, werde die Firma eine maximale Hilfestellung bei der Jobsuche leisten, fügte Souček hinzu. Auch das Arbeitsamt in der Kreisstadt Zlín bereitet sich auf die Baťa-Schließung vor. Laut der Leiterin Miriam Majdyšová sollen die Betroffenen neue Stellenangebote bekommen, noch bevor sie in der Fabrik in Dolní Němčí gekündigt werden.
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