Österreichische Schule Prag präsentiert sich im Rahmen eines internationalen Comenius-Projektes

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Von Jitka Mladkova.

Zeichnungen, Collagen, Texte - das alles gehört zu der Ausstellung, die am Montag unter dem Motto "Farben der Vergangenheit" im Prager Ledebour-Palais eröffnet wurde. Es handelt sich hierbei um die bereits 4. Ausstellung im Rahmen eines internationalen Comenius-Projektes, das von der Österreichischen Schule Prag vorbereitet wurde. Radio Prag war auch diesmal dabei und bat den Projektleiter Manfred Martin um einen kurzen Rückblick auf das erst seit einem Jahr laufende Projekt:

"Es ist gelungen die Öffentlichkeit zu finden für die Schülerarbeiten, für die Zeichnungen, für die Texte, die nicht nur hier sind, sondern in Terezin z.B. verkaufen werden. Wir versuchen im 2.Jahr noch mehr Schüler und deren Schüler einzubinden - da im ersten Jahr die Projekte von 10 Lehrern kamen, die sich hier in Prag getroffen haben. Die Ideen schauen so aus, dass wir ein Theaterprojekt starten wollten, jetzt schon. Beim ersten Versuch hat es nicht geklappt. Gleichzeitig geht es um ein kleines Kunstprojekt, das zustande kommt und ein Projekt für die Fotografie. Diese drei Ideen sind diesmal von den Schülern gekommen und wir schauen, was daraus im zweiten Jahr wird. Ansonsten kann man sagen, dass das erste Jahr erfolgreich gelaufen ist. Es waren hier rumänische Lehrer, englische Lehrer, eine Schülergruppe aus Österreich und vor allem auch zwischen anderen Schulen passiert was, die besuchen sich gegenseitig."

Hier noch eine kurze Information des Projektleiters darüber, was in dem Ausstellungsraum des Palais Lederebour, situiert direkt unterhalb der Prager Burg und deren Terrassengärten, zu sehen ist:

"Wir sehen hier also rumänische Bilder aus Bukarest, auf der anderen Seite Bilder aus unserer britischen Partnerschule, über uns die provokativen österreichischen Bilder aus der Schule, die Hitler zwei Jahre besuchte, gemeinsam mit Ludwig Wittgenstein, das heißt damals zu Beginn des Jahrhunderts. Und hinter uns die Stoffstücke, die zu den Geschichten im Katalog passen, wo es um Firmengeschichten geht, oder Menschenschicksale - z.B. aus dem 1968, aus den 50er Jahren, aus der zeit des 2.Weltkrieges, aus der Zwischenkriegszeit, oder aber auch aus der jüngsten Vergangenheit. Die Hausbesetzung von Ladronka war z.B. auch eines der Themen, das die Schüler interessiert hat."

Eine der präsentierten Lebensgeschichten war auch die der 88-jährigen Eva Outratova, die an der Ausstellungseröffnung teilnahm. Ihr erster Mann wurde am Anfang des 2.Weltkrieges wegen seiner Beteiligung am Widerstandskampf verhaftet, im Prager Gefängnis in Pankrac und später in Alt-Moabit in Berlin festgehalten, dort zu 20 Jahren Freiheitsentzug verurteilt, starb er aber noch vor dem Kriegsende - in einem Gefängnis in Schlesien. Auch Eva Outratova verbrachte während des Krieges mehrere Monate im Gefängnis. Nun kam ihr Enkelsohn, Schüler der Österreichischen Schule, kürzlich zu ihr und fragte nach Dokumenten über ihr früheres Leben. Bis dahin hat ihm die Oma kaum etwas darüber erzählt. Warum nicht, wollten wir wissen:

"Ich muss sagen, dass ich bis dahin nicht gesehen, ja auch nicht das Gefühl hatte, dass diese Kinder daran interessiert wären. Dann habe ich aber natürlich Dokumente ausgekramt, die mir übriggeblieben sind, und dann habe ich ihm dazu auch vieles erzählt".

Die ehemalige Juristin Eva Outratova ist aber überzeugt, dass man - wie sie sagt - Kindern über die Kriegszeiten erzählen muss, und dass sie auch in der Schule mehr darüber erfahren sollten, denn dies sei ein wichtiges und auch sehr schmerzliches Kapitel in unserer Geschichte gewesen.