Ohren spitzen - der Ball kommt

Foto: Archiv BSC Prag
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Feines Gehör und absolute Konzentration - genau das wird gebraucht, um Goalball zu spielen. Falls Sie das Wort Goalball noch nie gehört haben: Es handelt sich um ein weltweit verbreitetes Ballspiel für Blinde und Sehbehinderte.

Foto: Archiv BSC Prag
Goalball wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom Deutschen Sepp Reindle und dem Österreicher Hans Lorenzen entwickelt. Es war ursprünglich für erblindete Soldaten gedacht und sollte als ein Mittel zu ihrer Behandlung dienen. Doch Goalball wurde allgemein immer beliebter, und heute wird es von Blinden und Sehbehinderten in mehr als 100 Ländern auf der ganzen Welt gespielt. Einer davon ist Martin Fejfar vom Blinden-Sport-Club Prag:

„Goalball wird vor allem von blinden und sehbehinderten Menschen gespielt. Das Spielfeld entspricht in seinen Abmessungen einem Volleyballfeld, das heißt 9 auf 18 Meter. Auf jeder der kürzeren Seite steht ein Tor, vor dem sich jeweils drei Spieler befinden. Der mittlere Spieler ist etwas vorgeschoben, damit er mit seinen Mitspielern, die auf den Seiten stehen, nicht zusammenstößt. Beide Mannschaften werfen abwechselnd den Ball auf die gegnerische Seite und versuchen ein Tor zu erzielen. In dem Ball drinnen sind Glöckchen, damit er gut hörbar ist. Ein Spiel dauert zweimal zwölf Minuten, und es gewinnt die Mannschaft, die mehr Tore erzielt. Das Spiel wird jedoch frühzeitig beendet, wenn eine Mannschaft zehn Tore Vorsprung erreicht hat.“

Martin Fejfar (Foto: Archiv von Martin Fejfar)
Damit die Spieler immer genau wissen, wo sie sich gerade auf dem Spielfeld befinden, gibt es auf dem Boden ertastbare Linien. Auf diese Weise wird zum Beispiel die Torlinie oder die Verteidigungszone gekennzeichnet. Noch einmal Martin Fejfar, der seit vier Jahren Goalball spielt:

„Jeder der drei Spieler aus der Mannschaft verteidigt ein etwa drei Meter breites Gebiet. Wenn der Ball auf ihn zukommt, darf er ihn mit jedem Körperteil stoppen. Hat er den Ball, wird er zum angreifenden Spieler. Er muss dann darauf achten, dass er den Ball rollt und nicht durch die Luft wirft.“

Tschechien hat auch eine Nationalmannschaft im Goalball. Ihr gehört der 22-jährige Jan Bošek an, einer der begabtesten Spieler in Europa. Wie Bošek glaubt, liegen die Chancen des tschechischen Teams, Europameister zu werden, mittlerweile sehr hoch.

Foto: Archiv BSC Prag
„In den vergangenen zwei Jahren sind wir von der C-Gruppe der europäischen Mannschaften schrittweise in den A-Pool aufgestiegen. Dadurch haben wir jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, an der Europameisterschaft teilzunehmen. Die EM wird jetzt im November in der Türkei ausgetragen. Wenn wir unter die ersten vier Teams kommen, dann qualifizieren wir uns für die Weltmeisterschaft, die nächsten Juni im finnischen Espoo stattfinden wird.“

Goalball wird traditionell auch in Deutschland gespielt. Das tschechische Nationalteam kann aber nun mithalten mit dem Gegner aus dem Nachbarland:

Foto: Offizielle Facebook-Seite des Tschechischen Goalballs
„Gegen die Deutschen haben wir vor Kurzem bei einem Turnier in Brügge sogar mit 10:3 im Halbfinale gewonnen, und sie gehören sicher zu den Spitzenteams Europas. Es ist ein gefährlicher Gegner, und wir werden sicher auch bei der Europameisterschaft miteinander zu tun haben. In Deutschland konzentriert sich Goalball vor allem um die Stadt Marburg, dort gibt es auch die Nationalmannschaft - das ist ähnlich wie bei uns, nur in Tschechien ist liegt das Zentrum in Prag“, so Jan Bošek.

Auch wenn die Spieler selbst meist nicht sehen können, gibt es im Internet viele Videoaufnahmen von Wettkämpfen im Goalball. Außerdem gehört das Spiel seit 1976 schon zu den paralympischen Sportarten.