Potential und Risiken: Künstliche Intelligenz beschäftigt in Tschechien Politik und auch Buchmarkt

Vergangene Woche wurde ein Prag ein internationales Memorandum zur Künstlichen Intelligenz (KI) unterschrieben. Bei deren Nutzung soll enger zusammengearbeitet werden. Warum auch die Risiken von KI in Tschechien ein immer wichtigeres Thema werden, zeigen jüngste Entwicklungen auf dem hiesigen Buchmarkt.

Manche Artikel auf iRozhlas.cz, dem Nachrichtenportal des Tschechischen Rundfunks, werden per Künstlicher Intelligenz vorgelesen. Lenkt man die Computermaus auf das Feld der entsprechenden Funktion, erscheint der Hinweis, dass das Audio mit Hilfe einer synthetischen Stimme erstellt wurde.

Foto: Khalil Baalbaki,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Dies ist ein Beispiel dafür, wie KI hilfreich eingesetzt werden kann, etwa um blinden Internetnutzern Textinhalte zugänglich zu machen. Und es zeigt, wie alltäglich die Nutzung dieser neuen Technologie in Tschechien bereits ist. Das weiß man auch in der Politik, weswegen es hierzulande einen Regierungsbeauftragten für KI gibt. Und das Kabinett denkt noch größer. So hat sich Tschechien unlängst etwa für die Errichtung einer der sieben geplanten KI-Gigafactorys in der EU beworben. Um das stemmen zu können, sichert man sich nun die Unterstützung der umliegenden Staaten. Karel Havlíček (Partei Ano), Tschechiens Minister für Industrie und Handel, äußerte dazu vergangene Woche:

Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček  (ANO) | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Dies ist ein Schlüsselprojekt. Auf seiner Grundlage wollen wir nicht nur unsere Wirtschaftsleistung und Forschungsaktivitäten stärken, sondern auch die Sicherheit. Weil die nötigen Kapazitäten riesig sein werden, haben wir sie auch anderen Ländern angeboten, die sich nicht für die Gigafactory bewerben.“

Von neun Staaten unterzeichnet

Havlíček sagte dies am vergangenen Donnerstag, als in Prag der KI-Gipfel der mittel- und osteuropäischen Länder stattfand. Neben den zuständigen Ministern Tschechiens und seiner osteuropäischen Nachbarstaaten nahm etwa auch die EU-Kommissarin für Startups, Forschung und Innovation, Ekaterina Sachariewa, teil. Bei dieser Veranstaltung wurde eine Deklaration unterzeichnet zur künftigen Zusammenarbeit bei der Nutzung und gesetzlichen Regulierung der Künstlichen Intelligenz. Das Papier unterschrieben die Vertreter aus Tschechien, Polen, der Slowakei und Ungarn, des Weiteren aus Kroatien, Slowenien und Rumänien sowie aus Litauen und Lettland.

Ekaterina Sachariewa | Foto: European Union,  CC BY 4.0

Zur Frage, ob KI für Tschechien noch eine sichere Angelegenheit sei oder inzwischen schon mehr Risiken berge, nahm dieser Tage etwa Dalibor Kačmář Stellung. Er ist bei der tschechisch-slowakischen Filiale von Microsoft für den Bereich Technologie und Sicherheit zuständig und sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ich denke, KI ist immer noch ein sicheres Projekt. Es ist aber wichtig, sich mit den Risiken zu beschäftigen oder mit solchen Situationen, in denen die Nutzung außer Kontrolle geraten könnte.“

KI-Slops

Und solche Tendenzen gibt es auch in Tschechien bereits. Dies zeigen Entwicklungen auf dem hiesigen Buchmarkt, auf die Karel Piorecký vom Institut für tschechische Literatur hinweist:

Karel Piorecký | Foto: Jonáš Zbořil,  Tschechischer Rundfunk

„Es tauchen immer mehr Produkte auf, die förmlich ins Auge stechen. Eine ganze Reihe von Indizien zeugen davon, dass der Trend sogenannter KI-Slops auch schon ins tschechische Umfeld gelangt ist. Dies sind schnell generierte Texte von schlechter Qualität, die aber gefällig sind. Sie haben nur ein Ziel, nämlich dem unaufmerksamen Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Dabei handle es sich meist um günstige E-Books, so Piorecký. Wie viele rein KI-generierte Publikationen es derzeit auf dem tschechischen Markt gibt, könne nicht genau festgestellt werden. Denn die Verlage würden die Produkte nicht kennzeichnen, fügt der Literaturwissenschaftler hinzu.

Foto: Perfecto_Capucine,  Pixabay,  CC0 1.0 DEED

Auch für ganz Europa fehlen bisher verlässliche Daten. Die britische Autorengesellschaft hat aber eine Studie veröffentlicht, nach der rund 20 Prozent der Schriftsteller, Illustratoren und Übersetzer in Großbritannien bei ihrer Arbeit schon generative KI-Hilfen benutzen. Piorecký beschreibt diesen Aspekt bezogen auf Tschechien:

„Der Anteil der KI beim Verfassen von literarischen Texten ist etwas, worüber hierzulande nicht gesprochen wird. Professionelle Schriftsteller halten sich von dieser Technologie eher fern. Wenn sich aber jemand zu einer teilweisen Nutzung bekennt, dann wird dies in der Community immer noch sehr sensibel aufgenommen.“

Die Nutzung von KI für literarische Werke müsse jedoch nicht in jedem Fall sofort verurteilt werden, ergänzt Piorecký. Wichtig sei nur, dass der Leser darüber auch informiert werde.

Autoren: Daniela Honigmann , Martin Hrnčíř | Quelle: Český rozhlas
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