Präsident Vaclav Havel zu Staatsbesuch in Kroatien

r_2100x1400_radio_praha.png

Seit Sonntag weilt der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Kroatien, wo er traf sich zu Unterredungen mit kroatischen Spitzenpolitikern traf. Auf dem Hintergrund der unruhigen Situation in Montenegro standen hier vor allem die Zukunft und die dafür notwendige Stabilität zur Debatte. Weitere Einzelheiten und Hintergründe zum Besuch von Präsident Havel auf dem Balkan von unserem freien Mitarbeiter Armin Sandmann:

Am Sonntag trat das tschechische Staatsoberhaupt Vaclav Havel einen weiteren Besuch auf den Balkan an. Diesmal besuchte er die Republik Kroatien, die gerade nach den letzten Parlaments - und Präsidentschaftswahlen große Veränderungen sowohl auf dem wirtschaftlichen als auch gesellschaftspolitischen Sektor erfährt. Gesprächspartner von Vaclav Havel in Zagreb waren der kroatische Präsident Stipe Mesic, Premier Ivica Racan und der Aussenminister Tonino Picula. Zentrale Themen waren gerade die Veränderungen in der kroatischen Gesellschaft und die sich damit verändernden Beziehungen Tschechiens zu Kroatien. Unterhielt man zur Amtszeit von Präsident Tudjman nur formale diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten, so steht man heute am Anfang einer neuen Ära. Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung war die neue Situation speziell in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro nach den vor einigen Tagen beschlossenen Verfassungsänderungen Jugoslawiens. In einer direkten Reaktion auf die neusten Entwicklungen in Montenegro Präsident Vaclav Havel:

" Ich betrachte die Beziehungen der internationalen Gemeinschaft zum derzeitigen Geschehen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall Jugoslawiens und muss mir immer wieder eingestehen, dass die internationale Gemeinschaft dazu neigt, eher 5 Minuten nach als 5 Minuten vor 12 einzugreifen."

Des weiteren hoffe Präsident Havel, dass die internationale Gemeinschaft in den vergangenen Jahrzehnten in soweit Erfahrungen gesammelt habe, um Fehler dieser Art, also eine Politik des taktischen Zögerns, nicht zu wiederholen. Auch habe - so der tschechische Präsident abschliessend - die Idee der Demokratie auf dem Balkan noch nicht endgültig gesiegt, aber der Freiraum für eine bürgerliche Gesellschaft sei schon geschaffen.

Autor: Armin Sandmann
abspielen