Prag - ein Ort des Dialogs

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Am vergangenen Samstag lud der tschechische Präsident Vaclav Havel auf die Prager Burg. Vertreter der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, deren Gegner, Experten aus der Finanzwelt und Soziologen aus allen Teilen der Welt kamen zu einem Diskussionsforum zusammen. Im Brennpunkt des weitgefächerten Dialoges standen Armut, Globalisierung und die Rolle der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Für Radio Prag verfolgte diesen Dialog unser freier Mitarbeiter Armin Sandmann:

Am Vorabend der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank rief Tschechiens Präsident Vaclav Havel zu einer Diskussionsrunde zwischen den Vertretern dieser Finanzinstitutionen und ihren Gegnern auf. Dialog statt Gewalt, so das Vorhaben Havels. Ein Schatten auf diese Veranstaltung warfen gleich zu Beginn die leeren Stühle, die eigentlich von Vertretern der Initiative gegen die wirtschaftliche Globalisierung, INPEG, eingenommen werden sollten. Doch von dieser Protestbewegung kam niemand, denn am Tag zuvor hatte man dieser Organisation die angemieteten Räume für ihre Veranstaltungen gekündigt. So begann das Diskussionsform, moderiert von der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, mit der Frage an den Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, ob diese Institution zu inneren Reformen bereit sei:

"Ich denke, ich habe schon oft darauf geantwortet. Der Internationale Währungsfond ist in einem Transformationsprozess, der aus den bisher gesammelten Erfahrungen und auch Fehlern resultiert. Wir können aber nicht einfach Fragen auftischen, sondern wir müssen in einem verantwortungsvollen Dialog konkrete Antworten finden."

Wie jedoch sieht James Wolfensohn, Präsident der Weltbank, die oft vorgebrachten Anschuldigungen, dass gerade Weltbank und Währungsfonds entgegen ihrer Behauptungen, ihren Teil an der steigenden Armut haben:

"Ich sage ihnen, wenn wir von der Weltbank, also 10.000 Angestellte aus 140 Ländern, zur Arbeit gehen, dann sehen wir die ganzen Probleme Tag ein Tag aus. Wie auch immer unser Image bei unseren Gegnern ist, ich denke, wir sind nicht "die Bösen", sondern wir haben eine Menge Gutes erreicht. Dies zeigt sich in den Umwelt- bzw. Aufbauprogrammen und in unserem Kampf gegen die Armut."

Doch trotz dieser Beteuerungen, dass Währungsfonds und Weltbank der Armut erfolgreich die Stirn bieten können, waren die anderen Diskussionsteilnehmer nicht davon zu überzeugen. Eine von ihnen, Ann Pettifor, eine Gründerin der Initiative Jubilee 2000 in Grossbritannien:

"Wir sind nicht für die Auflösung des IWF und der Weltbank, denn wir schätzen sehr wohl die Initiative der reichen westlichen Länder, den Armen auf die Beine zu helfen. Dennoch sind wir dagegen, dass man diese Finanzinstitutionen benutzt, um die armen Drittweltländer zu zwingen, ihre Märkte bedingungslos zu öffnen oder ihnen keine Hilfe zukommen zu lassen."

Die Weltbank als ein "Erpresser"? Der philippinische Wissenschaftler, Walden Bello, geht in seiner Kritik noch einen Schritt weiter:

"Entschuldigen Sie mich, meine Damen und Herren, aber ich muss hier meinen Ärger ausdrücken. Kamen wir doch hierher, um konkret und direkt über Probleme zu sprechen. Aber alles, was ich hörte, ist, dass sich James Wolfensohn bei seiner Arbeit wohlfühlt. Wir reden von einem gerechten Regieren. Wie kommt es dann, dass der Vorsitzende des IWF immer ein Europäer und der Weltbankpräsident ein Amerikaner sein muss?"

Harte Vorwürfe und viel Versprechen einer Verbesserung der derzeitigen Situation, so lässt sich das offene Ende dieses Dialogs am Besten beschreiben, welches durch die abschließenden Worte von Präsident Havel seinen Ausklang fand:

"Wir alle sind dazu verurteilt, zusammen auf diesem Planeten zu leben und es gibt keine Möglichkeit der Auswanderung. Daher bleibt uns nur ein ständiger Dialog, in dem wir uns auf die Regeln eines friedfertigen Zusammenlebens verständigen".

Autor: Armin Sandmann
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