Weltbank stuft Tschechische Republik unter die entwickelten Länder ein

Die Weltbank-Siedlung

Die Weltbank hat auf ihrer diesjährigen Frühjahrssitzung die Tschechische Republik von einer sich entwickelnden Wirtschaft in die Kategorie der entwickelten Staaten umgruppiert. Die Höherstufung bzw. die so genannte Graduierung gilt als eine Wertschätzung des Niveaus und der Stabilität der Ökonomie des jeweiligen Landes. Lothar Martin hat zu den Hintergründen der tschechischen "Beförderung" nachgefragt.

Die Graduierung, d. h. die Aufnahme in die Kategorie der entwickelten Ökonomien, muss vom jeweiligen Staat selbst bei der Weltbank beantragt werden. Tschechien hat dies erstmals zur Amtszeit von Finanzminister Jiri Rusnok getan, um jetzt - auf ein neuerliches Schreiben von Finanzminister Bohuslav Sobotka - zum 15. April den positiven Bescheid zu erhalten. Lenka Loudova vom Prager Finanzministerium strich die Bedeutung der Graduierung wie folgt heraus:

"Es ist vor allem eine Frage des gestiegenen Prestiges der Tschechischen Republik, denn mit diesem Schritt ist unser Land der Gruppe der entwickelten Staaten zugeordnet worden. Es wurde uns zugesichert, dass wir für die Dauer von zwei, drei Jahren weiterhin aus dem Weltbank-Fonds der so genannten technischen Assistenz schöpfen können."

Die technische Assistenz besteht insbesondere in der Unterstützung bei der Erstellung von Gutachten und Analysen auf dem tschechischen Finanzmarkt, die co-finanziert werden und ein wichtiger Indikator für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Tschechien sind. Lenka Loudova hebt jedoch hervor:

Finanzminister Bohuslav Sobotka (Foto: CTK)
"Wir dürfen uns aber nicht vorstellen, dass die Graduierung irgendein dramatischer Umbruch ist. Unsere Arbeit wird sich in keiner gravierenden Art und Weise ändern. Wir werden weiter mit der Weltbank zusammenarbeiten, weiterhin ihre Erfahrungen nutzen, aber andererseits wird die Weltbank nun zweifelsfrei auch auf unsere Experten zurückgreifen."

Tschechien ist also im wirtschaftlich-finanziellen Sektor in der Oberliga angelangt. Nach welchen Kriterien wurde dieser Aufstieg eigentlich vollzogen?

"Für die Graduierung existieren eine Reihe von Kriterien. Die wichtigsten von ihnen sind die Höhe der Einkommen pro Kopf der Bevölkerung, das mehr oder weniger verbreitete Auftreten von Armut, der Zugang zu den Finanzmärkten und die Fähigkeit der staatlichen Verwaltung, die Funktion des Staates effektiv zu gewährleisten. Das sind die grundlegenden Kriterien, die von der Tschechischen Republik entsprechend erfüllt werden."

Knapp ein Jahr nach ihrem EU-Beitritt ist Tschechien also wieder ein gehöriges Stück vorangekommen auf dem Weg zu einer anerkannten Industrienation und zu einem selbstbewussten EU-Mitgliedsland. Die Tschechische Republik ist nach Slowenien erst das zweite Land aus dem Verbund der ehemaligen Ostblock-Staaten, der dieser Sprung gelungen ist. Zu den Ländern, die sich nun auf ihre Graduierung vorbereiten, gehöre Ungarn, erklärt Lenka Loudova zum Abschluss ihres Exklusivinterviews für Radio Prag.