Presseschau

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Einer jüngst veröffentlichten Meinungsumfrage zufolge unterstützen 72% der Tschechen die Beteiligung ihres Landes am bewaffneten Kampf gegen den Terrorismus. Wie wir Ihnen bereits berichteten, hat auch die Regierung in den vergangenen Tagen eindeutig ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sich an einem Militäreinsatz der NATO zu beteiligen. In der tschechischen Presse finden sich am Donnerstag auch kritische Stimmen zu der aktuellen Situation. Silja Schultheis hat für Sie Meinungen und Kommentare aus den maßgeblichen tschechischen Tageszeitungen zusammengestellt.

Mit dem latenten Streit zwischen Präsident Vaclav Havel und dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus, der aufgrund der jüngsten Kritik des Präsidenten an Klaus' Auffassung der Terrorangriffe erneut zum Ausbruch gekommen ist, beschäftigt sich die Tageszeitung "Lidove noviny". Der Publizist Miroslav Schiffert bezeichnet die Unfähigkeit der beiden "großen Tschechen" zum gemeinsamen Kommunizieren als Schande und erkennt darin den Mechanismus einer blinden Ideologisierung von Problemen, die nur zur Verblendung sowie zu Tragödien führen könne.

In der auflagenstärksten Tageszeitung "Mlada fronta dnest" kommentiert Vladimir Kucera die Äußerungen tschechischer Politiker zur Lage nach den Terroranschlägen. Er schreibt: "Es fallen große Worte. Besonders über den Kampf für die Demokratie und deren Werte. Und auch über die Notwendigkeit, auf der richtigen Seite zu stehen. Unsere Politiker überbieten sich gegenseitig." In Zeiten der Furcht um die globale, große Demokratie - so der Autor weiter - übersehe die Bevölkerung jedoch, dass ihre lokale, kleine Demokratie beschnitten werde. Als Beispiel führt er das im Schatten der globalen Ereignisse geänderte Procedere bei der Auswahl des neuen Direktors für das Öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen an und schließt mit der Bemerkung: Bereits Masaryk hat über die "Feinarbeit" geschrieben. In Momenten weltpolitischer Diskussionen um die große Demokratie stellen wir fest, dass unsere kleine Demokratie strauchelt - was unerfreulich ist.

Eindeutig positiv bewertet ein Kommentator der Zeitung "Slovo" die außerordentliche Ansprache von Premier Milos Zeman vom Dienstag. Er sieht daran einen deutlichen Beweis für die veränderte Haltung der tschechischen Regierung zur NATO-Mitgliedschaft. Das Kabinett Zeman, so der Kommentator, sei mittlerweile in der Lage, den Verbündeten eine klare Antwort zu geben.

Petr Pithart, Vorsitzender des Senats, setzt sich in der linksorientierten Tageszeitung Pravo mit dem Vorwurf von Vertretern arabischer Staaten auseinander, dass die Medien eine Kampagne gegen den Islam entfacht hätten. Er könne diesen Vorwurf nicht teilen, so Pithart, denn das, was seit dem 11. September in der tschechischen Presse über den Islam und die arabische Welt veröffentlicht wurde, sei keineswegs einseitig.