Pressestimmen zur neuen Regierung

Spidla,Zeman und Havel, Prager Burg, Foto:CTK

Seit Anfang der Woche, liebe Hörerinnen und Hörer, hat Tschechien eine neue Regierung. Wie ihre Zusammensetzung von den tschechischen Medien kommentiert wurde, erfahren Sie im ersten Teil unseres heutigen Medienspiegels, zu dem wir Sie aus dem Prager Studio recht herzlich begrüßen.

Spidla, Zeman und Havel, Prager Burg, Foto:CTK
"Auf den ersten Blick sieht man, dass dies ein vollkommen anderes sozialdemokratisches Team ist,"

schreibt die Tageszeitung Mlada fronta dnes über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts von Vladimir Spidla und fährt fort:

"Spidlas Leute sind für Politiker schon fast allzu reinlich, pragmatisch, freundlich und anständig erzogen. Man könnte sie als moderne Sozialdemokraten europäischen Zuschnitts bezeichnen. Vladimir Spidla wird sich zu ihnen anders verhalten als Milos Zeman, der seine Minister nur als Verbrauchsmaterial betrachtete und sie über Entlassungen nicht persönlich, sondern über die Medien informierte."

Soweit Mlada fronta dnes in ihrer Mittwochsausgabe.


Die Zeitung Hospodarske noviny geht auf die Zugeständnisse ein, die die Freiheitsunion-Demokratische Union und die Christdemokraten bei der Regierungsbildung gegenüber den Sozialdemokraten machen musste. Besonders groß seien diese Zugeständnisse für die Freiheitsunion-Demokratische Union ausgefallen, schreibt das Blatt und führt aus:

"Kein Ministerium der ersten Liga, keine Unterstützung für die Spitzenpolitiker der Freiheitsunion. Eine traurige Bilanz."

Weiter kommentiert der Autor die noch im Raum stehende Idee der Sozialdemokraten, zusätzlich zum Außenministerium - an dessen Spitze künftig der Christdemokrat Cyril Svoboda steht - ein neues Ministerium für europäische Angelegenheiten einzurichten. Hierzu heißt es:

"Es ist kein Wunder, dass die Christdemokraten wie Teufel aus der Kiste gesprungen sind. Ohne weitere Erläuterungen und Einzelheiten lässt sich diese Initiative nicht anders interpretieren als Versuch, die Christdemokraten zu überwachen, wenn die Sozialdemokraten ihnen schon den Posten des Außenministers anvertraut haben. Cyril Svoboda ist zwar der Chef der den Sozialdemokraten nach Spidlas eigener Auffassung am nächsten stehenden Partei. Aber Freundschaft hat offensichtlich ihre Grenzen."

Soweit Hospodarske noviny vom 9. Juli.


Abschließend zu diesem Thema noch ein Auszug aus der Zeitung Pravo, die folgende Prognose für das Funktionieren des neuen Kabinetts aufstellt:

"Die Probleme in der Regierung, die mit einzelnen Ministern entstehen können, werden unbedeutend sein gegenüber dem, was Spidla im Abgeordnetenhaus erwartet, wo er sich auf eine Wagenburg mit der magischen Stimmenzahl 101 von 200 stützt."