Pyrotechnik-Gesetz: Immer weniger Städte und Gemeinden in Tschechien richten Silvesterfeuerwerk aus
Bis vor einigen Jahren hat ein Großteil der Städte in Tschechien noch zu Silvester oder Neujahr ein eigenes Feuerwerk ausgerichtet – neben dem, was in der Nacht selbst von den Bewohnern so in die Luft geschossen wurde. Doch viele Gemeinden hierzulande halten diese Tradition nicht mehr für zeitgemäß, und das neue Pyrotechnik-Gesetz tut sein Übriges.
Erst mit der politischen Wende von 1989 zog auch der Brauch des Silvesterfeuerwerks hierzulande ein. Zusätzlich entschlossen sich Städte und Gemeinden häufig, eine eigene Pyrotechnik-Show zum Jahreswechsel zu veranstalten. Diese wurde gerne auf eine kinderfreundliche Uhrzeit etwa am Neujahrstag gelegt. So machte das jahrelang auch Prag. Doch in der tschechischen Hauptstadt wurde diese Tradition bereits 2020 aufgegeben – unter anderem zur Lärmvermeidung und aus Kostengründen. Außerdem wurde in der Prager Innenstadt auch das private Abfeuern von Raketen und Böllern verboten.
Seit Anfang Dezember gilt nun tschechienweit ein strengeres Gesetz zur Pyrotechnik. Mit diesem wurden die Verbotszonen für Feuerwerk ausgeweitet, so darf im Umkreis von 250 Metern von bestimmten Institutionen nicht mehr gefeuert werden. Zu diesen Institutionen gehören etwa Krankenhäuser, Altersheime, Tierauffangstationen oder Zoos. Im nordwestböhmischen Sokolov ist dadurch eine etwas unübersichtliche Lage entstanden.
„Zum Beispiel darf auf der einen Hälfte des Platzes ‚Staré náměstí‘ kein Feuerwerk gezündet werden, auf der anderen aber schon. Denn das Gesetz spezifiziert, was genau an Pyrotechnik wo verwendet werden darf“, so der stellvertretende Bürgermeister Jan Picka (Společně pro Sokolov).
In den Verbotszonen dürfen nur Feuerwerksartikel der Kategorie 1 genutzt werden, das sind vor allem Wunderkerzen und Knallerbsen.
Manchen Gemeinden hilft das neue Gesetz aber auch dabei, das Silvesterfeuerwerk zeitlich sehr genau einzuschränken. Es soll also kein Böllern schon Tage oder Stunden vor dem eigentlichen Jahreswechsel mehr geben. So etwa im kleinen Dorf Bublava direkt an der Grenze zu Sachsen. Bürgermeisterin Monika Matasová (parteilos):
„Wegen der Gesetzesänderung waren wir gezwungen, eine neue Verordnung herauszugeben. Mit dieser haben wir in der gesamten Gemeinde das ganze Jahr über das Abfeuern von Pyrotechnik verboten. Die einzige Ausnahme ist Silvester zwischen 22 Uhr abends und ein Uhr morgens.“
Die Ausweitung der Verbotszonen hat allerdings zahlreiche tschechische Städte und Gemeinden in Schwierigkeiten gebracht beim selbst veranstalteten Silvesterfeuerwerk. Die Stadt Jihlava auf der Böhmisch-Mährischen Höhe hält dennoch an der Tradition fest. Allerdings werden die Raketen nicht mehr wie bisher vom Dach des Einkaufszentrums abgeschossen, sondern von der Fläche vor den Zulieferrampen. Dies sei der einzige verbliebene legale Ort dafür, erläutert Rathaussprecher Radovan Daněk. Und so gibt es seinen Worten nach in Jihlava auch am ersten Tag im neuen Jahr 2026 ein Feuerwerk:
„Die Menschen in Jihlava sind an diese Tradition gewöhnt. Auf der anderen Seite hat die Stadt nicht genügend Geld, um stattdessen eine Lasershow zu veranstalten. Das Feuerwerk wird acht Minuten lang sein, das ist die idealste Variante.“
Andernorts wurde das städtische Feuerwerk wegen des neuen Gesetzes erstmals gestrichen. So etwa im ostböhmischen Náchod oder im südmährischen Uherské Hradiště. Im Riesengebirgsstädtchen Vrchlabí hat man sich wiederum schon vor einigen Jahren einen Ersatz ausgedacht. Auf dem Masaryk-Platz werden ab 21 Uhr an Silvester zunächst die Kinder mit einer Vorführung erfreut, danach startet das Programm für die Erwachsenen. Wie im vergangenen Jahr sind eine Lasershow und eine Disco geplant.
„Das Programm haben wir aber etwas abgeändert und neue Elemente hinzugenommen, damit es weiter attraktiv ist. Wichtig ist, dass sich auf dem Platz etwas tut. Dann können sich einige dort auch austoben“, sagt Bürgermeister Alfréd Plašil (parteilos).
Auf diese Weise möchte das Rathaus in Vrchlabí die Einwohner und die Besucher dazu bringen, komplett auf das Böllern zu verzichten.








