Regionjournal

Diesmal zu einer "wettbewerbslosen" Ausgabe, da noch kein erster Samstag im Monat ist. Zu Erinnerung für alle, die unsere Regionalrubrik vielleicht nicht regelmäßig verfolgen: an jedem ersten Samstag stellen wir Ihnen zu dieser Zeit einer der acht schönsten tschechischen Städte vor - so definieren Sie sich selbst und haben sich zur Bestätigung dieser Aussage in einem Verband zusammengeschlossen, in der sog. Tschechischen Inspiration. Diese hat ein ähnliches Ziel wie unsere Sendung - den Menschen im Ausland zu zeigen, dass Tschechien nicht nur das goldene Prag ist. Und wenn Sie auf die Quizfrage am Ende unserer Quizsendungen die richtige Antwort wissen und etwas Glück bei der Auslosung haben, bekommen Sie kleine Geschenke aus den jeweiligen Städten. Nun aber zu dem heutigen Regionalausflug. Diesmal geht es um zwei verschiedene Themen in zwei verschiedenen Regionen der Tschechischen Republik.

Auch das da ist Böhmerwald
Der Wald ist nicht ewig. So einfach diese Aussage klingen mag, so schwierig scheint es, dass man daraus auch Konsequenzen zieht und sich dementsprechend verhält. Wie es aussehen kann, wenn man mit der eigenen Umgebung so umgeht, wie es zur Zeiten des kommunistischen Systems üblich war, können heute alle Wanderer in dem ostböhmischen Bergmassiv Orlicke Hory/Adlergebirge sehen. Eine große ökologische Katastrophe hat dieses Gebirge erfasst. Seit dem letzten Winter sterben dort an die 6000 Tausend Hektar Bäume, die meisten werden es nicht überleben. Erschüttert von der Katastrophe sind nicht nur die Besitzer, unter ihnen Jan Kolowrat, der in Orlicke Hory umfassende Güter besitzt, sondern auch die Verwalter der Wälder. Von der Katastrophe sind Wälder auf über einem Drittel des Gebirgsmassivs betroffen. Die Experten suchen nach der Ursache der Katastrophe, am häufigsten wird die Möglichkeit erwähnt, dass dieses Gebirge im Winter von einer ungewöhnlichen Schadstoffkonzentration betroffen wurde.

Seit dem Ende des Kommunismus, in dem das Wort Naturschutz oder Ökologie so gut wie unbekannt war, handelt es sich bereits um die zweite große Katastrophe. Im Winter des Jahres 1995 und 1996 wurden an die 23 000 Hektar Fichtenwald in Krusne Hory beschädigt, wobei ca. 2500 ganz gestorben sind. Nach Maßnahmen wird gesucht, klar aber ist, dass man sich mehr Gedanken um die Zukunft der tschechischen Wälder machen muss, und nicht nur der tschechischen, denn die schädlichen Emissionen kennen keine Landesgrenzen. Über ein internationales Projekt, dass sich diesem Thema widmet und in einem anderen Gebirge, in den Beskiden durchgeführt wird, wollen wir Ihnen gleich mehr erzählen.

"Atmosphäre 2045" heißt das Projekt, das sich, vereinfacht gesagt, mit der Zukunft der Wälder auseinandersetzt, genauer mit den globalen klimatischen Veränderungen, und hier vor allem mit der erhöhten Konzentration von Kohlendioxid in den Waldökosystemen. Es handelt sich um eine Initiative der Europäischen Union, die im Jahre 1997 ins Leben gerufen wurde, nachdem man in der EU Anfang der 90er Jahre auf den zunehmenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre aufmerksam wurde. In Tschechien wird das Projekt vom Institut für Landschaftsbildung an der tschechischen Akademie der Wissenschaften in Brno/Brünn geleitet. Und nicht nur die Idee, sondern auch das Geld kommt von der Europäischen Union, sagte für Radio Prag einer der wissenschaftlichen Betreuer des Projekts, Michal Marek:

"Das ganze Experiment ist sehr teuer und wenn die Europäische Union es finanziell nicht unterstützen würde, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir es durchführen könnten. Durchschnittlich kostet es 6 bis 8 Millionen tschechische Kronen, also 200 000 Euro pro Jahr. Da wir aber Mitglieder der europäischen Projekte sind, bekommen wir einen Großteil- bis zu 90 Prozent - von Brüssel erstattet."

Herrn Marek zufolge haben sich die Brünner bereits im Rahmen der europäischen Projekte einen guten Namen gemacht und erfolgreich die Zusammenarbeit durchgesetzt. Dieses Experiment soll 15 bis 20 Jahre laufen, hofft Wissenschaftler Marek. Nach Brüssel ist dieses Projekt von der Universität Edinburgh gekommen und derzeit arbeiten Labore aus 12 Ländern daran zusammen, unter ihnen Großbritannien, Italien, Frankreich, Schweden und Finnland. Von den ca. 120 Wissenschaftlern sind 15 in Tschechien in das Projekt involviert, der originelle tschechische Beitrag besteht in folgendem:

"Unser Beitrag zur Lösung dieses Projektes ist die Problematik der großen Anbausphären, in denen die Modellwälder eingeschlossen sind. Wir untersuchen die konkreten Förstermaßnahmen und deren Einflüsse auf den Waldbewuchs."

Alle Wissenschaftler wollen ein repräsentatives Muster von europäischen Wäldern untersuchen. Wie es in den Beskiden aussieht, hierzu noch einmal Michal Marek:

"Es sind zwei Glashäuser, wobei in dem einen normale Atmosphäre herrscht und in dem anderem die doppelte Konzentration von Kohlendioxid. In einem Zeitraum von 20 Jahren wollen wir die Auswirkungen der erhöhten Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre auf die Holzproduktion, auf die Entwicklung des Bewuchses, auf seine Überlebensstrategie etc untersuchen."

Soweit Michal Marek, einer der wissenschaftlichen Betreuer des europäischen Projektes, von dem ein Teil auch in der Tschechischen Republik durchgeführt wird.


Wie Sie auch schon anhand der Musik gemerkt haben, verlassen wir jetzt die Berge und schauen in eine Stadt, über die wir unlängst an dieser Stelle berichtet haben. Policka ist eine der acht Städte, die in der Tschechischen Inspiration vereint sind, diesmal kommen wir aber aus einem ganz anderen Grund hierher. In diesen Tagen hat in Policka das erste multikulturelle Festival stattgefunden, mit dem Ziel, dem Rassismus auch in kleineren Städten vorzubeugen. Obwohl es wegen der stärkeren Präsenz von Vertretern verschiedener Minderheiten eher ein Thema der Großstädte ist, haben sich die Organisatoren gedacht, dass es auch in Policka wichtig ist, den Rassismus nicht außer acht lassen. Und das trotz der Tatsache, dass dort nur eine kleine Minderheit von sehr gut integrierten Roma lebt. Und allmählich beginnen dort auch Chinesen Fuß zu fassen. Warum also, hierzu mehr der Organisator dieses multiethnischen Festivals, Dusan Sviba von der Bürgerinitiative Miret:

"Der erste Grund ist sehr simpel: Jeder macht Dinge dort, wo er wohnt. Der Hauptgrund ist aber der, dass ich die Notwendigkeit spüre, etwas gegen die aktuelle Situation in Tschechien zu unternehmen. Hiermit meine ich die Frage der Minderheiten und Flüchtlinge und die damit verbundenen Stimmungen in der Gesellschaft. Rassismus ist ein latentes Problem der tschechischen Gesellschaft."

Herrn Sviba zufolge wurde hierzulande die Erziehung zu einem multikulturellen Verständnis missachtet und daher seien die Menschen nicht auf Begegnungen mit anderen Kulturen vorbereitet. In Policka und anderen Regionen sind die Ausländer weniger präsent, aber dann kämen junge Menschen von hier in die Großstädte und wüssten nicht, damit etwas anzufangen. Deshalb, so meint Dusan Sviba, mache es Sinn, überall solche Veranstaltungen zu organisieren, denn überall wurde dies vernachlässigt und die Notwendigkeit bestehe, die Menschen auf ein multiethnisches Zusammenleben vorzubereiten. Vorträge, Filmvorführungen und Konzerte haben einen gemeinsamen Nenner - die Minderheiten in Tschechien und die in Minderheiten lebenden Tschechen im Ausland. Das Programm geht noch bis Samstag. Der Erfolg war bisher eher gering, gibt Veranstalter Sviba zu:

"Obwohl wir eine sehr gute Besetzung bei den Vorträgen hatten, war das Interesse niedrig, was aber auch nichts Überraschendes bei einer solchen Art von Veranstaltung ist. Wir haben beim ersten Mal nicht viele Menschen erwartet und so war es auch."

Dazu kommt auch das sehr gute Wetter, das auch alle eher zum See getrieben hätte als zu einem Vortrag. Schade, da aus den Medien erfährt man eher immer die bad news als die good news sagt Herr Sviba, sehr beeindruckend war für ihn die Erzählung von Petr Pospisil, Bürgermeister der Gemeinde Zastavka u Brna, in der das erste Flüchtlingslager in Tschechien errichtet wurde:

"Es war beeindruckend, von ihm als von einem Menschen, der dort lebt, zu hören, dass es dort nicht nur Probleme gibt, von denen wir ab und zu aus der Zeitung erfahren, sondern das es ganz normale Menschen sind, die dankbar sind dafür, dass sie hier leben können und imstande sind, in das Leben in Tschechien zu integrieren."