Rektor der Karlsuniversität ist zum Rücktritt bereit

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Die Proteste tschechischer Hochschulen vermehren sich. Nachdem am Mittwoch dieser Woche an der Universität im mährischen Olomouc/Olmütz der Unterricht unterbrochen wurde, ist am Freitag der akademische Senat der Prager Karlsuniversität zusammengekommen, um über die Krisenlage zu verhandeln. Markéta Maurová berichtet.

Den Universitäten hierzulande wurde vom Schulministerium eine Budgeterhöhung um 2 Milliarden Kronen (über 110 Millionen DM) für das kommende Jahr versprochen worden. Die Hochschulen nahmen dies zum Anlass, mehr Studienanfänger zuzulassen. Kurz vor dem Beginn des Wintersemesters stellte sich jedoch heraus, dass das Versprechen der Budgeterhöhung nicht eingehalten wird. Die Gründe für die Unzufriedenheit seien jedoch tiefer. Es handle sich nicht nur um die konkrete Summe, sondern um das gesamte Finanzierungskonzept im tschechischen Hochschulwesen, sagte der Rektor der Karlsuniversität, Ivan Wilhelm, kurz vor der Sitzung des akademischen Senats dem Tschechischen Rundfunk:

"Die Situation, dass wir über das Budget für öffentliche Hochschulen jede 12 Monate verhandeln und jedes Jahr bei Null anfangen müssen, wiederholt sich in den letzten 10-11 Jahren alljährlich. Wir wissen nie, zu welchem Ergebnis wir kommen, wie der Haushalt für die öffentlichen Hochschulen gestaltet wird. Wir brauchen mindestens einen Anhaltspunkt, und die diesjährige Vereinbarung beinhaltete nicht nur die Summe von 2 Milliarden Kronen, sondern auch das Versprechen, eine neue Methodik der Hochschulfinanzierung auszuarbeiten, damit wir eine gewisse Perspektive haben. Und wenn dieser erste Punkt nicht erfüllt wird, dann ist das ganze Programm in Frage gestellt."

Der Rektor spricht sich dafür aus, die Krise mit Bedacht zu lösen. Wie er jedoch erklärte, könne er niemanden daran hindern, Protestaktionen zu organisieren, weil sachliche Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hätten. Auf die Frage, ob er selbst in dieser Situation einen eventuellen Rücktritt als Rektor erwäge, antwortete Ivan Wilhelm.

"Ja, meiner Meinung nach ist die Lage wirklich sehr ernst. Ich betrachte auch meine Funktion als ernst und will sie gewissenhaft ausüben. Ich bin nicht daran interessiert, dies nur aus Spaß zu machen."

Und wie reagiert Schulminister Eduard Zeman auf die Drohungen der Hochschulen?

"Natürlich beunruhigt es mich, und ich bemühe mich, eine Lösung zu finden. Das Problem liegt darin, dass die einzige Möglichkeit darin besteht, den Staatshaushalt zu ändern," sagte Eduard Zeman dem Tschechischen Rundfunk. Für die Finanzierung der Hochschulen werden nach den Worten des Ministers zwei neue Quellen in Betracht gezogen: Die entblockierten russischen Schulden sowie vom Finanzministerium anvisierte Steuermehreinnahmen.