Renovierte Gärten unter der Prager Burg geöffnet

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Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zum heutigen Spaziergang durch Prag. Am Mikrophon begrüssen Sie Jürgen Webermann und Martina Schneibergova. In den vergangenen Tagen wurde die gesamte Rekonstruktion der Gärten beendet, die sich auf dem steilen südlichen Abhang unterhalb der Prager Burg erstrecken. Unter Teilnahme von Präsident Vaclav Havel, Premier Milos Zeman und weiteren Vertretern des öffentlichen Lebens wurden vorige Woche die letzten zwei renovierten Palastgärten feierlich eröffnet, und zwar der Kolowrat-Garten und der Kleine Fürstenberg-Garten. In den folgenden Minuten laden wir Sie in diese Barockgärten auf der Prager Kleinseite ein.

Der südliche Abhang unterhalb der Prager Burg ist so steil, dass hier einst die Eroberer zumindest zu Pferde keine Chance hatten, die Burg einzunehmen, und auch die Fußsoldaten hatten es immer schwer, bis zu der Burg hinaufzuklettern. Denn die Burggrafen achteten bis zur Zeit Karls IV. streng darauf, dass der Abhang kahl und wüst blieb. Karl IV. fand es jedoch schade, den südlichen Abhang so ungenutzt zu lassen, und befahl daher, dort Weinreben anzupflanzen. Dafür mussten Terrassen geschaffen werden, und damit änderte sich das Aussehen des ganzen Abhangs entscheidend. Später entstand hier ein einzigartiger Komplex von Barockgärten, die leider jedoch jahrelang nicht zugänglich waren.

Nach jahrelanger Verwüstung begann das Kulturministerium 1989 mit der ersten Etappe der Restaurierung dieser Gärten, konkret handelte es sich vorläufig um den Ledebour-Garten und den Kleinen Palffy-Garten. 1991 wurde das ganze Ledebour-Palais dem Staatlichen Amt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellt, und damit übernahm das Amt auch die gesamte Rekonstruktion der anliegenden Parkanlagen.

Im Juni 1995 wurden der Ledebour- und der Kleine Palffy-Garten für die Öffentlichkeit geöffnet. Zwei Jahre später konnte auch der Grosse Palffy-Garten geöffnet werden, der Mitte des 18. Jahrhunderts gegründet wurde. Seit vergangener Woche kann man auch den Kolowrat- und den Kleinen Fürstenberg-Garten besuchen. Die feierliche Eröffnung der Gärten fand im Rahmen des Projektes "Prag - europäische Kulturstadt 2000" statt.

Die Renovierung der Gärten und die damit verbundenen archäologischen Ausgrabungen bestätigten, dass hier einst die romanische Befestigung Prags entlang führte. In dem im Rokokostil errichteten Kleinen Fürstenberg-Garten entdeckten die Archäologen das ursprüngliche Bad der Fürstin Czernin.

Die Kosten für die Renovierung der Palastgärten bezifferte der Vizedirektor des staatlichen Denkmalschutzamtes Karel Kalvoda wie folgt:

"In diesem Jahr - d.h. vom Januar bis zum Juni 2000 wurden hier Renovierungsarbeiten für ca. 26 Mio. Kronen geleistet, wovon die Mehrheit von der Staatskasse bezahlt wurde. 4 Mio. Kronen wurden von dem Prague Heritage Fund - einer von Prinz Charles und Präsident Vaclav Havel eingerichteten Stiftung - zur Verfügung gestellt. Dank diesen finanziellen Mitteln gelang es die Renovierung der Gärten zu Ende zu führen. Die Erneuerung der Gärten hatte insgesamt 297 Mio. Kronen gekostet, wovon 263 vom Kulturministerium gewährt wurden. Der Gesamtbeitrag von dem Prague Heritage Fund betrug 20,5 Mio. Kronen. An der Finanzierung der Erneuerung der Barockgärten beteiligten sich außerdem die EU mit 70.000 ECU und auch die Gesellschaft "Prag-die europäische Kulturstadt 2000 - mit mehr als 12 Mio. Kronen."

Soweit Karel Kalvoda. Für den Betrieb der Palastgärten ist die GmbH Unica verantwortlich. Ihr Direktor Zbynek Hyrsl betonte anlässlich der Eröffnung, dass die Gärten nun einen zusammenhängenden schönen Streifen bilden, weil jeder Garten architektonisch anders gestaltet ist. Wichtig sei - so Hyrsl - dass sich der Raum und auch das Angebot für die Besucher erweitert habe. Denn in den Gärten werden zahlreiche Kulturveranstaltungen organisiert. Herrlich sei der Blick von den einzelnen Gartenterrassen auf Prag, da die Terrassen unterschiedlich hoch gelegen seien. Es sei - so Hyrsl - unglaublich, wie einige wenige Meter Höhenunterschied den Blick auf die Stadt beeinflussen.

Der stellvertretende Kulturminister Zdenek Novak, von Beruf Gartenarchitekt, hob anlässlich der Eröffnung der renovierten Gärten die Einzigartigkeit des ganzen Gartenkomplexes hervor:

"Es handelt sich um eine wirklich bewundernswerte Serie von Gärten, die die Residenzpaläste des Adels in der Landeshauptstat Prag ergänzten. Gärten sind erst in der Renaissance Bestandteil eines Adeligensitzes geworden. Der bedeutendste Garten aus dieser Zeit ist der Königliche Garten auf der Prager Burg. In der Zeit, als die Serie von Palästen unterhalb der Burg erbaut wurde und der Hang seine einstige Fortifikationsaufgabe verlor, entstand da zugleich ein Komplex von Barockgärten italienischer Art, der bei uns einzigartig ist."

Es bleibt nur noch hinzuzufügen, dass die Gärten jeden Tag vom April bis Ende Oktober von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet sind. Für Besuchergruppen mit Reservierungen können die Gärten auch später geöffnet werden. Außerdem ist es möglich, eine Führung durch die Gärten in einer der Weltsprachen mitzumachen. Zbynek Hyrsl betonte, es sei kein Problem, eventuell auch einen hochqualifizierten Experten als Führer durch die Gärten zu bestellen, eben weil die Gärten im Besitz des Staatlichen Amtes für Denkmalpflege sind. Lassen Sie sich, liebe Hörerinnen und Hörer, also bei Ihrem nächsten Prag-Besuch auch eine Führung durch die Prager Palastgärten nicht entgehen.

Autoren: Martina Schneibergová , Jürgen Webermann
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