Saurier im Uni-Keller: Chlupáč-Museum zur Geschichte der Erde

Foto: Archiv der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität

Fast 40 Museen und Galerien waren in diesem Jahr während der Prager Nacht der Museen geöffnet. Neben populären Institutionen, wie das Technik-Museum oder der Nationalgalerie öffnen ihre Tore auch Museen ihre Tore, von deren Existenz selbst gebürtige Prager kaum wissen. Zu den Geheimtipps gehörte in diesem Jahr das Chlupáč-Museum. Das Uni-Museum, das im Gebäude der Naturwissenschaftlichen Fakultät untergebracht ist, ist auf die Geschichte des Planeten Erde spezialisiert.

Ein Museum im Gebäude der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität bietet einen Spaziergang durch längst vergangene Welten. Es sind Welten, die man heutzutage nur noch in Spurenresten und Fossilien erkennen kann. Es sind jedoch hunderte von Fossilien, Knochen und Schädeln prähistorischer Tiere, die bis 2008 in verstaubten Kartons und in Schränken aufbewahrt wurden. Auf die Idee, daraus eine Dauerausstellung zu aufzubauen, kamen die Mitarbeiter der Naturwissenschaftlichen Fakultät schon Mitte der 1990er Jahre. In die Tat wurde die Idee eines Uni-Museums aber erst zehn Jahre später umgesetzt. Martin Mazuch arbeitet am Institut für Geologie und Paläontologie, das zur Naturwissenschaftlichen Fakultät gehört:

Martin Mazuch (Foto: Zdeněk Vališ)
„Wir haben eine große Sammlung, die früher ähnlich wie im Prager Nationalmuseum aufbewahrt wurde – also in Schränken und Vitrinen. Aber diese waren total überfüllt. Da haben wir beschlossen, einen Teil der Sammlung in einem spezialisierten Museum zu zeigen. In den Jahren 2003 und 2004 ist die Idee real geworden, nachdem uns die notwendigen finanziellen Mittel zugesagt wurden. Innerhalb von drei Jahren wurden im Souterrain der Fakultät die Räumlichkeiten ausgestaltet, und danach haben wir an der Zusammenstellung der Dauerausstellung gearbeitet.“

Die Initiatoren haben das Museum nach Ivo Chlupáč benannt, der früher an der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Prag arbeitete.

„Er war ein bedeutender Geologe und Paläontologe, der beim Tschechischen Geologischen Dienst und an unserer Fakultät gearbeitet hat. Er war einer der besten Experten im Bereich Paläontologie, historische Geologie und Stratigraphie – also der Schichtenkunde.“

Ivo Chlupáč
Ivo Chlupáč ist international vor allem als Experte für das Devon bekannt geworden – also für die Zeit der Erdgeschichte vor 416 bis 359 Millionen Jahren. Zwischen 1951 und 2002 schrieb Chlupáč über 300 wissenschaftliche Artikel und Bücher. Er verfasste auch einige Handbücher für Amateurgeologen und Amateurpaläontologen – beispielsweise ein Buch über die geologische Geschichte der Tschechischen Republik.

Die Ausstellung im Chlupáč-Museum zeigt chronologisch die einzelnen Zeitabschnitte in der Entwicklung der Erde. Sie beginnt mit einer Übersicht über die Entstehung der Erde, dann folgt die Beschreibung des Proterozoikums, also der Zeit vor 2500 bis 542 Millionen Jahren. Während des Kambriums, der Zeit vor 542 bis 488 Millionen Jahren, kam es zur Entwicklung der Tierwelt. Martin Mazuch:

„Zu Beginn des Kambriums kam es zu einem großen Boom in der Entwicklung von Tieren und Pflanzen. In den entsprechenden Vitrinen sind die verschiedenen Organismen und ihre Entwicklung praktisch bis in die Gegenwart beschrieben. Zudem werden hier die wichtigsten Ereignisse im Rahmen der ganzen Erdentwicklung dargestellt.“

Nicht alle Originalfossilien können Mazuch zufolge ausgestellt werden. Darum finden sich unter den Exponaten auch Abgüsse, Kopien sowie Bilder. Sehr viele der Originalfossilien stammen aus Böhmen - aus dem so genannten „Barrandium“. Dieses geologische Gebiet erstreckt sich zwischen Brandýs nad Labem im Nordosten von Prag und nach Pilsen im Westen. Martin Mazuch:

„Die Sammlungen von Fossilien aus dem Barrandium sind zum Teil fast 200 Jahre alt. Es sind alles Originalstücke. Die Fakultät besitzt zudem eine verhältnismäßig große Sammlung aus der Zeit vor 1921, als sie noch zur Philosophischen Fakultät gehörte. Aus dieser Sammlung zeigen wir mehrere Funde aus den bekannten Fossil-Lagerstätten Deutschlands – aus Solnhofen und Holzmaden. Dazu gehören beispielsweise Ichthyosaurier, also ausgestorbene Reptilien.“

Foto: Archiv der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität
Wenn ein Laie ein paar Rillen auf einem flachen Stein sieht, kann er sich kaum vorstellen, dass es sich um den Abdruck eines Tieres handeln könnte. Der Paläontologe zeigt Verständnis für die Laien:

„Oft handelt es nur um ein Fragment, das erhalten geblieben ist. Darum haben wir derartige Fragmente in der Ausstellung durch Modelle ergänzt, damit sich die Besucher eine Vorstellung davon machen können, wie das Tier ausgesehen hat.“

Die Ausstellung wird dominiert von einem riesengroßen Abguss: einem etwa acht Meter langen Skelett:

Foto: Archiv der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität
„Es handelt sich um das Skelett eines Dinosauriers. Der Skelettabguss wurde für unser Museum speziell in Argentinien hergestellt. Es handelt sich um einen Carnotaurus, eine Gattung der Theropoda-Saurier. Er ist recht monumental. Wir hätten uns auch einen noch größeren Dinosaurier zugelegt, aber der Ausstellungsraum hat das nicht erlaubt.“

Die Therepoda-Saurier sind zweibeinige, fleischfressende Dinosaurier.

Das Chlupáč-Museum ist nicht nur für Studenten errichtet worden, sondern auch für die Öffentlichkeit. Allerdings ist es für den Publikumsverkehr nicht täglich geöffnet:

Gebäude der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität, Albertov Nr. 6 (Foto: Archiv der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karlsuniversität)
„Das Museum ist direkt im Gebäude der Fakultät untergebracht, und es ist leider nicht möglich, dass dorthin jeden Tag viele Menschen strömen. Das Museum ist jeden Mittwoch von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Es ist besser, wenn sich größere Besuchergruppen im Voraus anmelden. Oft kommen Schulklassen in das Museum. Die Dauerausstellung wurde so gestaltet, dass sie für den Unterricht genutzt werden kann.“

Die Besuchergruppen können sich unter der Telefonnummer 00420/221 951 476 oder an der E-mail-Adresse mazuch@natur.cuni.cz melden.

Das Chlupáč-Museum befindet sich an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität, Albertov Nr. 6, Prag 2. Albertov ist nicht weit vom Karlsplatz entfernt.