Schauspieler verurteilt: Bewährungsstrafe für Aufnahmen mit versteckter Kamera

Foto: Tschechisches Fernsehen

Vor zwei Jahren drehten zwei tschechische Schauspieler einen Videoclip zu einem guten Zweck. Sie wollten für behinderte Menschen Spenden sammeln. Die Aufnahmen mit versteckter Kamera sollten lustig sein, doch ein unfreiwillig beteiligter Autofahrer erlitt eine Herzattacke. Nun wurden die Schauspieler zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Jan Potměšil und Petr Čtvrtníček  (Foto: ČTK)
Die Dreharbeiten fanden 2012 in Prag statt. Daraus entstand ein Videoclip für das sogenannte Konto Bariéry des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens.

Beide Schauspieler gaben sich dabei als körperlich behinderte Polizisten aus, wobei Jan Potměšil nach einem Autounfall tatsächlich querschnittsgelähmt ist. In falschen Uniformen gekleidet spielten sie eine Polizeistreife, zunächst sprach immer Potměšil in seinem Rollstuhl die Fahrer an:

Auf Krücken humpelnd kam nach einigen Augenblicken Petr Čtvrtníček hinzu, erst dann wurde der Trick mit der versteckten Kamera enthüllt. Der Schauspieler ist in Tschechien schließlich so bekannt wie in Deutschland vielleicht Stefan Raab. In der Regel waren die Reaktionen positiv.

Videoclip für das Konto Bariéry  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Im Fall eines Autofahrers nahmen die Aufnahmen aber kein lustiges Ende. Im Gerichtsverfahren beschrieb seine damalige Beifahrerin, eine Arbeitskollegin, die Szene:

„Als Herr Čtvrtníček aus dem Polizeiauto stieg, habe ich ihn gleich erkannt. Er sagte, es sei eine Aufnahme mit versteckter Kamera für die Behindertenstiftung, wir sollten bitte in die Kamera lachen. Das war dann eine Erleichterung, aber meinem Kollegen wurde schlecht.“

Jan Potměšil im Videoklip für das Konto Bariéry  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Der ältere Herr erlitt in dem Moment eine Herzattacke, ein Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens konnte ihn aber wiederbeleben und ihn damit retten. Dieser Vorfall rief jedoch die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Sie erhob Anklage gegen die beiden Schauspieler sowie gegen den Regisseur und den Produzenten des Tschechischen Fernsehens.

Am Dienstag sprach das Amtsgericht für den sechsten Prager Stadtbezirk die Mitarbeiter des Fernsehens frei. Doch gegen Petr Čtvrtníček und Jan Potměšil verhängte sie anderthalb Jahre Gefängnis auf Bewährung. Die Begründung: Sie hätten sich unbefugt als Polizisten ausgegeben und so die Freiheit der Autofahrer eingeschränkt. Beide Schauspieler verteidigten sich damit, dass ihr Drehbuch vom Tschechischen Fernsehen genehmigt worden sei, außerdem Polizei und Behörden dem Dreh zugestimmt hätten. Petr Čtvrtníček fügte bei der Verhandlung ergänzend hinzu:

Tomáš Sokol  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Als ich gefragt wurde, ob ich an der Sache mitarbeiten wolle, habe ich überlegt und diese als hilfreich für andere Menschen befunden, da es ja ein Wohltätigkeitsprojekt war. Mir ist dabei nicht in den Sinn gekommen, dass es solche Folgen haben könnte und jemand die Situation nicht erkennen würde.“

Doch die Richterin sagte, beide Schauspieler seien „erwachsen, zurechnungsfähig und ans Gesetz gebunden“. Sie hätten also selbst die Folgen ihres Handelns einschätzen müssen. Die Verteidigung brachte zudem ein amtsärztliches Gutachten bei. Demnach soll der kollabierte Autofahrer schon vorher einen Herzfehler gehabt haben. Anwalt Tomáš Sokol sagte daher, die fingierte Polizeikontrolle habe geholfen, dieses gesundheitliche Problem aufzudecken:

Illustrationsfoto: Kristýna Maková
„Es ist offensichtlich, dass die Kontrolle dem Mann wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Denn die Herzattacke hätte er auch während der Fahrt bekommen können, nur dass dies wohl schlimmere Auswirkungen gehabt hätte.“

Petr Čtvrtníček ging noch im Gerichtssaal in Berufung.