Schlacht bei Crécy 1346: Die Herrschaft in Böhmen geht von Johann an Karl IV. über
Am heutigen Mittwoch ist es genau 680 Jahre her, dass Johann von Böhmen in der Schlacht bei Crécy zu Tode kam. Die Herrschaft im Königtum ging im Folgenden an seinen Sohn über, den späteren römisch-deutschen Kaiser Karl IV. Beinahe hätte es dessen große Ära aber nicht gegeben.
Es war die erste große Kampfhandlung im Hundertjährigen Krieg. In der Schlacht bei Crécy am 26. August 1346 stand Böhmen an der Seite Frankreichs in dessen Feindschaft mit England. Johann von Luxemburg, König von Böhmen und Markgraf von Mähren, zog bereits voll erblindet ins Gefecht. Diese Beeinträchtigung habe ihm schon in den Jahren zuvor seinen Beinamen eingebracht, sagt Eva Doležalová vom Geschichtsinstitut der tschechischen Akademie der Wissenschaften:
„Historische Quellen in anderen Ländern bezeichnen den Luxemburger als Johann den Blinden. Er faszinierte Europa dadurch, dass er trotz dieses Handicaps bereit war, sich weiter der Politik und den Kämpfen zu widmen.“
Heute könne nur noch schwer beurteilt werden, ob Johann geahnt hat, dass die Schlacht bei Crécy sein letztes Gefecht werden würde, räumt die Mittelalter-Expertin ein. Sie gibt zu bedenken, dass die Kämpfe bei schlechtem Wetter stattgefunden haben:
„Trotz der Überzahl der Armee des französischen Königs, in der eine Einheit eben von Johann von Böhmen angeführt wurde, entwickelte sich die Schlacht zu ihren Ungunsten. Der Luxemburger muss ab einem bestimmten Zeitpunkt geahnt haben, dass der Kampf nicht gut ausgeht. Davon zeugt auch die Tatsache, dass er seinen Sohn vom Schlachtfeld wegführen ließ – den zu dieser Zeit schon gewählten römisch-deutschen König Karl IV.“
Johann von Böhmen habe sich Zeit seiner Herrschaft als geschickter Verhandlungsführer erwiesen, fährt Doležalová fort. Als Höhepunkt seiner diplomatischen Fähigkeiten beschreibt die Historikerin Johanns Einfluss auf den Papst, der einen Bannfluch über den damaligen römisch-deutschen Kaiser Ludwig IV. verhängte und damit die Wahl Karls IV. ermöglichte.
„Dadurch sicherte Johann der Luxemburger-Dynastie den Zugang zum Kaiserthron. Er war ein großer Diplomatenkönig. Seine Politik wird jedoch manchmal überschattet von dem, was wir heute als goldenes Zeitalter der böhmischen Geschichte wahrnehmen, nämlich die Ära Karls IV.“
Der IV. und auch der I.
Einige Ungenauigkeiten gebe es zudem in der heute üblichen Bezeichnung der Regenten. Im Tschechischen wird Johann immer mit seinem Herkunftsnamen Luxemburg genannt – ganz ähnlich wie dann auch wieder sein Enkel, der spätere König und Kaiser Sigismund. Bei Karl IV. wird der Familienname für gewöhnlich weggelassen. Doležalová kommentiert:
„Er war auch nicht der vierte Karl auf dem hiesigen Thron, also müssten wir ihn eigentlich den Böhmischen König Karl I. nennen. Die Bezeichnung Karl IV. gilt streng genommen erst, als er zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde, also 1355. Wirklich richtig wäre es tatsächlich, den Namen Karl IV. von Luxemburg zu benutzen.“
Die große Ära in der böhmischen Geschichte ist nun aber mit dem Namen Karl IV. verbunden. Bevor sie ihren Anfang nahm, kämpfte auch der Sohn Johanns von Böhmen am 26. August 1346 in der Schlacht bei Crécy. Dabei bestand ein reelles Risiko, dass es danach gar nicht zu der vorbestimmten Thronfolge und dem einsetzenden Aufstieg Böhmens kommen würde...
„Johann von Luxemburg hatte zwar noch einen zweiten Sohn. Aber er wusste, dass es seine Hinterlassenschaft und sein politisches Werk gefährden würde, wenn Karl auf dem Schlachtfeld etwas zustößt. Obwohl der Anthropologe Emanuel Vlček es herausgefunden hat, wird wenig darüber gesprochen, dass Karl IV. bei diesem Kampf Verletzungen erlitt, die an seinen Gebeinen noch im 20. Jahrhundert nachzuweisen waren. Das Risiko, dass auch er im Gefecht fallen könnte, war also relativ groß.“
Karl IV., damals 30 Jahre alt, überlebte die Schlacht bei Crécy jedoch. Seine Krönung zum böhmischen König fand dann am 2. September 1347 statt.







