Schluss mit Amalgam in Tschechien: Kassen zahlen jetzt weiße Füllungen
Wer in Tschechien mit Karies zum Zahnarzt geht, bekommt seit Mittwoch keine Zahnfüllung aus Amalgam mehr. Das quecksilberhaltige Material ist nun auch hierzulande verboten und kann nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
In der Europäischen Union gilt das generelle Amalgamverbot bereits seit Jahresbeginn – nun ist auch die Übergangsfrist für Tschechien abgelaufen. Nur wenn ein Arzt die Behandlung mit dem quecksilberhaltigen Stoff für unbedingt erforderlich hält, beispielsweise bei Allergien gegen alternative Werkstoffe, kann er eine Amalgam-Füllung einsetzen. Laut Roman Šmucler, dem Präsidenten der tschechischen Zahnärztekammer, halten sich die meisten Mediziner jedoch ohnehin bereits an diese Praxis.
Die Einschränkung von Amalgam habe in erster Linie gesundheitliche und ökologische Gründe, erklärt Renata Povolná vom tschechischen Gesundheitsministerium:
„Die Gefahr geht nicht primär von der Füllung im Zahn aus. Das Verbot soll vielmehr die schädlichen Auswirkungen von Quecksilber über dessen gesamten Existenzzyklus hinweg minimieren – von der Gewinnung des Rohstoffs bis zur Entsorgung von quecksilberhaltigem Abfall.“
Quecksilber und seine Verbindungen schädigen beim Menschen insbesondere das Nervensystem sowie das Herz und die Blutgefäße.
Bislang haben die Krankenversicherungen in Tschechien die Kosten für Füllungen aus weißem Material nur bei Kindern und in Ausnahmefällen bei Erwachsenen übernommen. Nun sind weiße Materialien Kassenleistungen. Einfachere Füllungen werden komplett von der Versicherung bezahlt, bei teureren trägt die Krankenkasse mit 900 Kronen (37 Euro) bei.
Die tschechische Zahnärztekammer kritisiert die Änderung. Dem Zahnärztekammer-Präsidenten Roman Šmucler zufolge werden die Kosten sowohl für die Patienten als auch für die Versicherungen steigen:
„Patienten bekommen weiße Füllungen von der Versicherung zwar bezahlt, dabei handelt es sich jedoch um verschiedene Materialien unterschiedlicher Qualität. Ich würde kaum von einer Verbesserung für die Patienten sprechen. Es ist lediglich eine Art, wie wir eine politische Vorgabe umgesetzt haben.“
Laut Šmucler ist die Quecksilberbelastung für Patienten und Umwelt minimal, und der Wechsel wird keine wesentlichen ökologischen Auswirkungen haben.
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