Schöpfer der Maulwurfs Zdenek Miler

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Wir begrüßen Sie erneut zu einer Ausgabe des Kulturspiegels und möchten Ihnen heute den Schöpfer des berühmten tschechischen Maulwurfs vorstellen, den Zeichner Zdenek Miler. Er schuf vor 45 Jahren die Zeichentrickfigur, die ganz Europa kennt. Mit rund 50 Filmen verzauberte er Generationen- jung und alt. Zu seinem 80. Geburtstag hat unsere Mitarbeiterin Johanna Steiger-Antos. ihn für Sie besucht; wie alles anfing, erfahren Sie nach der bekannten Titelmelodie, die alle Filmgeschichten des Maulwurfs einleiten...

Zdenek Miler stammt ursprünglich aus Kladno, einer mittelböhmischen Industriestadt in der Nähe von Prag, bis er in Prag an der Universität drei Jahre Grafik studierte, und anschließend von 1941-45 nach Zlín kam, wo ihn Stanislav Schulc in seinem neuen Filmatelier als Zeichner engagierte. Er erlernte dort das handwerkliche Kolorieren und Kontuieren und spezialisierte sich auf den Animationsfilm. Bereits als Kind hat Zdenek Miler schon viel gemalt, und ein Ereignis hat ihn besonders motiviert.

"Ja, ich habe schon in der dritten Klasse angefangen zu malen. Wir sollten nach einer schwarz-weißen Vorlage den Berg Ríp malen und in Farbe überführen. Und da ich gerade neue Farbstifte bekommen hatte, habe ich sie alle benützt. Als ich fertig war, schaute sich der Lehrer sprachlos meine Zeichnung an, und verschwand aus dem Klassenzimmer. Ich dachte, oh je, was hab ich nun schon wieder angestellt. Nach einiger Zeit kam er aber mit acht Lehrern zurück, die er aus den Klassen geholt hatte, um ihnen mein Bild zu zeigen... Sie lobten es sehr. Das hat mich sehr bestärkt und motiviert weiter zu zeichnen..."

Im Jahre 1956 bekam Zdenek Miler von einem tschechischen Dramaturgen den Auftrag, eine Geschichte für Kinder zu verfilmen. Das Drehbuch gefiel ihm aber nicht. Es ging um die Geschichte, wie man aus Leinen einen Stoff herstellt und den Vorgang erklärt. Es fehlte aber eine Leitfigur, die durch die Geschichte führt, um sie für die Kindern interessant zu machen. Zdenek Miler, der als Student bereits stark von Walt Disney - Filmen beeinflusst worden war, überlegte intensiv, welches Tier er dafür erfinden könnte. Er erinnert sich...

"Ich wollte kein Tier, das schon von Walt Disney erfunden worden und bekannt geworden war. Ich wollte eine ganz neue Figur kreiren, die es noch nicht gab. Ich brauchte eine Figur mit zwei Vorder- und zwei Hinterbeinen, damit es sich gut bewegen kann für die Gestik. Mir ist kein geeignetes Tier eingefallen, also machte ich einen Spaziergang durch den Wald, um mich inspirieren zu lassen. Wenn mir hier nichts einfällt, so dachte ich, vergesse ich die ganze Sache. Ich war im Wald und wieder nichts. Als ich jedoch aus dem Wald über eine Wiese ging - es war schon sehr dunkel, stolperte ich, und fiel auf den Boden. Da schaute ich neben mich, und sah einen Maulwurfshaufen - das Schicksal hat entschieden... es sollte ein Maulwurf sein."

Es dauerte Wochen, bis Zdenek Miler mit dem endgültigen Entwurf des Maulwurfs fertig war. "Der Maulwurf ist als Tier an sich sehr hässlich", so Miler. Er hat winzige Augen, ist blind und hat furchterregende Krallen. Dem Zeichner gelang es den Maulwurf zum Leben zu erwecken und ihm ein persönliches Aussehen zu verleihen, indem er ihm große Augen, ein rotes niedliches Stupsnäschen, drei Härchen auf dem Kopf malte und das Schwänzchen wegließ. "Den Bart haben wir nach der ersten Folge weggelassen, weil man ihn schlecht zeichnen konnte, und weil er den Maulwurf älter aussehen ließ," sagt Zdenek Miler heute. Der Maulwurf war somit für die Kinder liebenswert geworden.

Als er 1956 mit jenem ersten Film "Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam" in Venedig den "Goldenen Löwen", den Hauptpreis erhielt, bekam er vom deutschen Fernsehsender WDR in Köln sogleich Aufträge, weitere Reihen mit dem Maulwurf und seinen vier Freunden, der Maus, dem Hasen, dem Igel, und dem Frosch zu drehen. Die Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Fernsehen besteht bis heute.

Zuerst hat Zdenek Miler die zehn- bis zwanzigminütigen Filme wie "Der Maulwurf und die Rakete" und "Der Maulwurf und das Auto" selbst geschrieben und gezeichnet. Das war aber ziemlich anstrengend und zeitaufwenig, später halfen ihm die Dramaturgen Ivan Klima, J.A. Novotny und Frau Hana Doskoèilová.

Hat Herr Zdenek jemals daran gedacht seinen Maulwurf auch sprechen zu lassen?

"Das war so, der erste Maulwurf hat gesprochen. Aber mir wurde dann klar, dass ihn im Ausland niemand verstehen würde. Die Synchronisation war in den fünfziger Jahren in Prag nicht sehr fortgeschritten. Niemand machte das hier, und weil ich wollte, dass alle Kinder auf der Welt meinen Maulwurf verstehen, spricht er nicht. Ich habe ihm nur kleine Gefühlsausdrücke verliehen, verschiedene Ausrufe. Vor dreißig Jahren habe ich die Stimmen meiner zwei Töchter dafür benützt. Wenn sie traurig waren und geweint haben, oder fröhlich waren, habe ich das gleich auf Tonband aufgenommen und für meine Filme verwendet. Meine Kinder waren mir außerdem als Testpersonen behilflich. Wenn Sie an den richtigen Stellen lachten und nachdenklich waren, war mein Ziel erreicht. Ich muss auch sagen, dass mir die Musik sehr gut gefiel, die drei oder vier Musiker dazu komponierten. Dramaturgisch gesehen hat sie die Handlung ergänzt, und dazu war ein Dialog nicht mehr notwendig."

Zdenek Miler schuf auch andere bekannte Geschichten, Bücher und Filme, wie die "Vom eitlen Hund", "Von der Grille", und "Von dem Maschinchen". Die Vermarktung des Maulwurfs ist aber unübertreffbar. In Prag und im Ausland kann man alle möglichen Artikel erwerben. Es gibt Geschirr zu kaufen, Bettwäsche, T-Shirts, Regenschirme, die bekannten Jahreskalender, die nicht nur in Kinderzimmern hängen, und natürlich Bücher in allen Sprachen. Die siebenteiligen Videokassetten, die bereits in der dritten Auflage erschienen sind, begeistern nicht nur Kinder, sondern auch Eltern, die für die belehrenden und moralischen Geschichten dankbar sind. Die Kinder lernen den richtigen Umgang mit der Natur, mit ihren Freunden und Mitmenschen. Der Maulwurf ist zu einem Vorbild geworden. Kann Herr Miler seinen Maulwurf für uns charakterisieren?

"Ich habe mich bemüht, dass er gute Eigenschaften hat und für alle Kinder leicht verständlich für alle Kinder ist. Der Maulwurf soll fröhlich sein und Emotionen hervorrufen. Jedes Kind braucht eine emotionale Anregung - das ist Grundvoraussetzung für das Leben. Er soll Kinder außerdem zum Lachen bringen, und ihnen eine tiefgreifendes Erlebnis vermitteln. Die Kinder können durch ihn lernen, liebevoll zu ihren Freunden und ihrer Umgebung sein. Ich hoffe, dass mir das ein bisschen gelungen ist... "

Liebevollen Humor beweist nicht nur der Maulwurf, aber auch die Grille mit ihrer Geige, die Sie ab dem 25. September im Tschechischen Fernsehen im "Vecernícek" dem tschechischen Sandmännchen gleich, sehen können. Außerdem kann man die Filme des Maulwurfs auch in verschiedenen Prager Kinos auf der Leinwand sehen. Dies ist ein Erlebnis für die ganze Familie und ideal für den ersten Kinobesuch. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei.

Autor: Johanna Steiger-Antos
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