Sensation im Davis Cup: Tschechen besiegen die USA und lösen Ticket für Finalrunde

Tschechische Mannschaft, von links: Petr Brunclík, Tomáš Macháč, Adam Pavlásek, Kapitän Tomáš Berdych, Jiří Lehečka und Jakub Menšík

Die tschechischen Tennisspieler haben für eine Überraschung gesorgt: Im Davis Cup schlugen sie am Wochenende in Delray Beach das starke Team der USA. Nun können sie sich auf die Finalrunde in Bologna freuen.

Die tschechischen Tennisliebhaber haben vielleicht auf einen Sieg gehofft, aber keiner traute sich, das laut zu sagen. Denn in der zweiten Qualifikationsrunde des Davis Cup galt im Duell gegen die Tschechen das US-amerikanische Team als Favorit. Am Sonntagmorgen mitteleuropäischer Zeit konnten am Ende aber die tschechischen Sportfans nach zwei atemberaubenden Spielen feiern.

„Jakub Menšík schlägt auf und es ist ein Aß“, schrie der tschechische Reporter in der Live-Übertragung.

Der 20-jährige Tscheche sorgte für den entscheidenden Punkt. Er bezwang Frances Tiafoe mit 6:1 und 6:4, und Tschechiens Team gewann mit 3:2 gegen die USA. Nach dem Spiel sagte Menšík im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen, er schätze den Sieg sehr, und er fügte hinzu:

„Ich habe zwar als letzter gespielt, aber das ganze Team hat gute Arbeit geleistet. Die beiden letzten Tage waren wir nonstop in Aktion. Ich bin froh, dass ich das physisch geschafft habe, die mentale Verfassung war auch gut. Es freut mich, dass wir uns für die Finalrunde qualifiziert haben.“

Nach dem ersten Spieltag war der Stand ausgeglichen 1:1. Der derzeit beste tschechische Spieler Jiří Lehečka setzte sich am Freitag gegen Frances Tiafoe durch. Menšík unterlag Taylor Fritz. Nach der Niederlage der Tschechen im Doppel am zweiten Spieltag führten die US-Amerikaner mit 2:1. Jiří Lehečka brachte die Tschechen jedoch wieder ins Spiel zurück. Der 23-Jährige schlug den derzeit fünftbesten Spieler der Welt, Taylor Fritz, mit 6:3, 3:6 und 6:4.

Nach dem Sieg dankte Lehečka den tschechischen Fans im Stadion und forderte sie auf, auch seinen Teamkollegen im anschließenden Spiel zu unterstützen. Im Tschechischen Fernsehen räumte Lehečka ein:

„Es hat mich viel mentale sowie physische Kraft gekostet, mich gut vorzubereiten. Ich war froh, als das Spiel vorbei war. Im Inneren war ich überglücklich, aber ich hatte keine Kraft mehr, meine Freude zum Ausdruck zu bringen. Es freut mich, dass ich das geschafft habe.“

An seinen Teamkollegen knüpfte Jakub Menšík mit einem souveränen Sieg über Tiafoe an. Der Kapitän des tschechischen Davis-Cup-Teams, Tomáš Berdych, stellte dabei fest, dass er sich außer dem erfahrenen Lehečka auch auf den 20-jährigen Menšík verlassen kann.

„Nach dem auch wegen Pech verlorenen Doppel fing er gegen Tiafoe glänzend an und hielt sein Niveau während des ganzen Spiels. Nach all dem, was er hinter sich hatte – wirklich Hut ab.“

Der Kapitän der US-Amerikaner, Bob Bryan, meinte, in Delray Beach seien zwei Teams aufeinander getroffen, die den ganzen Davis Cup gewinnen könnten. Berdych ist da zurückhaltender, er weiß jedoch, dass Tschechiens Position stark ist.

„Der Sieg über das US-Team in deren Heimat hat uns viel Selbstbewusstsein verliehen. Ich denke, dass sich die Chancen für Bologna geändert haben und dass das Resultat sehr gut sein könnte.“

Die Davis-Cup-Finalrunde findet vom 18. bis 23. November in Bologna statt. Das tschechische Team hat den Davis Cup in den Jahren 2012 und 2013 gewonnen. Tomáš Berdych war damals als Spieler dabei.

Autoren: Martina Schneibergová , Kryštof Kousal | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen