Sex - mal äußerst unerotisch

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Sex sells - auch in der ehrwürdigen Prager Altstadt. In einer kleinen Gasse in der Nähe des Altstädter Rings leuchtet den Touristenströmen schon von weitem das rote Schild des Sex Machines-Museums entgegen. Als "verlockend, erotisch, träumerisch" wird die Ausstellung der rund 200 Sexspielzeuge auf der Museumshomepage beschrieben. Susanne Hasenstab war auf der Suche nach der erotischen Ausstrahlung des Ortes.

Erotisches Knistern liegt nicht in der Luft - kichernd verfolgen die Besucher im Kino des Sex Machines-Museums einen spanischen Pornostummfilm von 1925, in dem schwergewichtige Frauen sich die Leibchen vom Körper reißen, um die Gelüste eines Geistlichen zu befriedigen. In den übrigen Räumen: Eine Ansammlung skurriler Sexspielzeuge aus mehreren Jahrhunderten - hölzerne mittelalterliche "Liebeswippen" von den Ausmaßen eines Wirtshaustisches, moderne Keuschheitsgürtel, die Hundemaulkörben ähneln, Vibratoren mit Kurbelbetrieb; schlicht in Vitrinen verstaut, von klassischer Chill-Out-Musik berieselt. So mancher Besucher hatte eher Reißerisches erwartet:

"Ich war sehr überrascht, dass es so eine klinische Ausstellung dieser ganzen Sexmaschinen war", findet eine deutsche Touristin: "Man konnte nichts eklig finden."

Weder träumerisch noch verlockend, sondern von obszöner Exaktheit sind die Beschreibungen der "Sexmachines":

"Therapeutisches Gerät zur Entlastung der Sexualfrustration der Frau ohne Sexualpartner", dazu präzise Zeichnungen, Winkelangaben - das alles erinnert eher an ein Maschinenbaulehrbuch als an Erotik.

"Äußerst unerotisch - sehr wissenschaftlich", so auch der Kommentar eines Besuchers: Stimulations- und Antistimulationsgeräte, das alles sei sehr schön präsentiert, allerdings seien die deutschen Übersetzungen meist vollkommen unverständlich.

In der Tat: Meist steht man ratlos vor Erklärungen wie:

"Der Adapter besteht aus elastischem Schamschild mit System monolithisch geformter invertierter konischer Ausläufer."

Das Prager Sexmachines-Museum: Nur ein nettes Kuriosum - und nach Sehenswürdigkeiten wie Kirchen, Klöstern und Karlsbrücke allenfalls ein reizvoller Kontrast.