Skisportzentrum Spindleruv Mlyn expandiert weiter - die Stadt trägt eine Hauptlast der Kosten

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Im Wirtschaftsmagazin nehmen wir wiederholt die Tops und Flops der verschiedensten Branchen in Tschechien unter die Lupe. In unserer heutigen Sendung ist es die Tourismusbranche, wobei Lothar Martin deren Vor- und Nachteile an einem städtischen Beispiel beleuchtet.

Spindleruv Mlyn / Spindlermühle liegt mitten im böhmischen Riesengebirge und ist nicht nur wegen seiner zentralen Lage das Herzstück dieser beliebten Gebirgsregion. Der Ort ist vielmehr gerade in der kalten Jahreszeit ein starker Magnet für Ski- und Snowboard-Touristen aus aller Herren Länder, und dementsprechend muss sich dieses Wintersportzentrum Jahr für Jahr auf gestiegene Besucherzahlen und größer werdende Ansprüche einstellen. Vor dieser Saison, die man am vergangenen Wochenende mit bereits guten Schneeverhältnissen eröffnet hat, hat man zum Beispiel die Rekordsumme von 200 Millionen Kronen (ca. 6,5 Millionen Euro) in die Modernisierung des hiesigen Skiareals investiert. Diese Kosten aber dürften sich für die Betreiber des Areals relativ schnell wieder refinanzieren lassen, ermöglichen doch die viersitzige Seilbahn "Na Hromovce" sowie verbesserte Abfertigungssysteme an den Liften einen noch größeren Besucherandrang. Doch wie wir von Oldrich Simek, dem Bürgermeister von Spindleruv Mlyn erfahren, wird das städtische Budget herzlich wenig von den höheren Einnahmen aus dem Skisportbetrieb profitieren können:

"Was die Beanspruchung des städtischen Haushalts anbelangt, so ist eine Wintersportsaison für unsere Gemeinde, die 1300 Einwohner hat, eher eine Belastung. Wenn ich mir nur die Kosten für die Reparatur und Instandhaltung der Kanalisation und der weiteren Infrastruktur ansehe, dann wird hier ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Ärgerlich ist dagegen, dass auf unserer Habenseite lediglich die Einnahmen aus den Übernachtungen pro Bett stehen. Hier müssen nämlich die Hoteliers dem Gesetz zufolge einen Teil der Einnahmen an uns abführen. Aber leider erhalten wir kein Geld aus den Steuern, die juristische Personen abführen müssen. Die Mehrzahl der Unternehmer in Spindlermühle aber sind juristische Personen, also Aktiengesellschaften und GmbHs. Sie müssen ihre Steuern jedoch direkt an den Staat abführen. Daher bekommen wir nur einige Hundertstel der Einnahmen pro Kopf der Bevölkerung, und das belastet uns."

Oldrich Simek nennt auch gleich ein Beispiel, bei dem die Stadt finanziell in Vorlage treten muss, die indirekten Gewinne aus dieser Investition jedoch nur scheibchenweise und eben nur aus den Übernachtungseinnahmen einstreichen kann:

"Gegenwärtig sind wir dabei, die Rekonstruktion der Kläranlagen durchzuführen. Wir stehen hier erst am Anfang, wissen aber bereits, dass diese Arbeiten uns rund 40 Millionen Kronen kosten werden. Und zwar deshalb, um die Auflagen für die Errichtung von weiteren Übernachtungskapazitäten mit bis zu 5000 Betten zu erfüllen, die im Entstehen sind."

Die Kanalisation ist jedoch nur ein großer Posten, den die Stadt zu tragen hat. Ein weiterer, wenn auch kleinerer Kostenfaktor sind die Ausgaben, die Spindleruv Mlyn Jahr für Jahr gerade im Winter für die Befahrbarkeit seiner Zufahrts- und Verbindungsstraßen aufzubringen hat:

"Wenn ich zum Beispiel den vergangenen Winter zu Rate ziehe, dann muss ich feststellen, dass wir die ca. acht Millionen Kronen, die wir bei den städtischen Gebühren eingenommen haben, komplett in den Winterdienst gesteckt haben. Das sind Einnahmen, die wir viel lieber zu Investitionen für die hier lebenden Bürger nutzen würden, zum Beispiel für die Errichtung von Radwegen oder zur Durchführung von kulturellen Veranstaltungen. Aber sie gehen einzig und allein für den Winterdienst drauf, damit unsere Besucher halt zufrieden sind."

Mit diesem Problem bzw. mit diesen Kosten müssen sich allerdings auch all die weiteren Wintersportzentren des Riesengebirges wie Harrachov / Harrachsdorf, Janske Lazne / Johannisbad oder Pec pod Snezkou / Petzer sowie die Wintersportorte der anderen Gebirge herumschlagen. Und daher suchen die Verantwortlichen in Spindleruv Mlyn auch längst nach neuen Mitteln und Wegen, um die Finanzierung dauerhaft in den Griff zu bekommen.

"Wir suchen immer wieder nach eigenen Mitteln. Wir versuchen außerdem, EU-Gelder zu nutzen, die uns dabei helfen, die finanziellen Löcher bei der Instandhaltung der Infrastruktur zu stopfen. Denn leider sind unsere Straßen durch die langen Winter immer wieder ziemlich beschädigt."

In diesem Zusammenhang bedauerte Simek noch einmal, dass die Stadt nicht stärker an den Einnahmen der hiesigen Unternehmer partizipieren kann.

"Es ist vor allem schade, wie die Steuereinnahmen aufgeteilt werden. Wir sagen: Wenn uns wenigstens 20 Prozent der abgeführten Steuern der juristischen Personen des Skiareals verbleiben würden, dann wären wir völlig zufrieden und könnten einiges fast umsonst anbieten."

Ohne seine Touristen aus dem In- und Ausland aber ist das Leben und Wirken in Spindleruv Mlyn inzwischen schon nicht mehr denkbar. Das weiß auch der Bürgermeister, der uns auch begründete, weshalb die größte Anzahl der ausländischen Gäste gerade aus einem großen Nachbarland kommt:

"Ein beträchtlicher Teil unserer Gäste kommt aus Deutschland. Das ist zum einen historisch gewachsen und zum anderen liegt es an der Erreichbarkeit unseres Gebirges. Für die Einwohner aus den Gebieten um Leipzig und Dresden zum Beispiel sind wir immer noch das am nächsten gelegene Mittelgebirge."

Aber nicht nur aus dieser geografischen Konstellation heraus haben die Besucher aus Deutschland für Spindleruv Mlyn eine fast schon existenzielle Bedeutung erlangt.

"Ich muss die Bedeutung der Besucher aus Deutschland noch einmal herausstreichen, denn es ist so: Wenn ein deutscher Tourist zufrieden ist, dann kehrt er oft und gern an seinen Urlaubsplatz zurück. Ganz im Unterschied zum Beispiel zu einem holländischen Touristen, der immer etwas Neues sucht. Gerade deswegen ist eine Rückkehr der deutschen Touristen für uns so wichtig, die, wenn sie zufrieden sind, nicht selten bis zu 20 Jahre lang immer wieder gern kommen. Und ich denke, gerade diese Klientel sollten wir uns gewogen halten."

Das wollen die Gastgeber in Spindleruv Mlyn u. a. auch damit erreichen, dass sie für nahezu jeden Geldbeutel und den damit verbundenen Ansprüchen die entsprechende Übernachtungsmöglichkeit zu bieten haben.

"Der Preis für eine Übernachtung in den Pensionen und touristischen Bauden beginnt bei ca. 350 Kronen, er beträgt aber bis zu 2500 Kronen, wenn sie sich in einem luxuriösen Hotel-Appartement einquartieren. Und zwar pro Nacht und Person."

Um den Wünschen der Skitouristen noch besser gerecht zu werden, haben die Betreiber des Spindlermühler Skiareals die bereits erwähnten Verbesserungen an den Pisten durchgeführt. Diese haben jedoch zur Folge, dass damit auch die Anzahl der Skifahrer an den Abfahrtshängen noch weiter steigen dürfte. Daher weiß Simek auch, was die Verantwortlichen seiner Stadt in nächster Zukunft erwartet:

"Heute wissen wir bereits, dass die Kapazität der Seilbahnen und Sessellifte größer ist, als es die damit bedienten Pisten hergeben. Daher rechnen wir in Zukunft damit, dass wir die Abfahrtshänge vergrößern müssen."

Die ganz nahe Zukunft aber ist eine zweitägige Topveranstaltung, die am 21. und 22. Dezember in Spindleruv Mlyn zur Austragung kommt. Es ist je ein Weltcuprennen im Riesenslalom und im Slalom der Damen, zu denen an die 150 Wettkämpferinnen und um die 10.000 Zuschauer erwartet werden. Mit dieser Doppelveranstaltung will sich Spindleruv Mlyn nicht zuletzt noch deutlicher als bisher in aller Welt als führendes tschechisches Wintersportzentrum ins Gespräch bringen.