Škoda will Emission in gesamter Fahrzeugpalette weiter senken

Foto: Archiv Škoda Auto

Vor zwei Wochen haben wir Sie darüber informiert, dass das tschechische Top-Unternehmen Škoda Auto im vergangenen Jahr wieder einige Rekordergebnisse erwirtschaftet hat. Heute gehen wir der Frage nach: Wie zukunftsorientiert baut Škoda seine Fahrzeuge? Oder anders gefragt: Liegen die Škoda-Wagen im Trend, was geringe Abgaswerte und ein Sprit sparendes Fahren betrifft? Wir haben darüber mit dem Škoda-Vorstand für Technische Entwicklung, Frank Welsch, gesprochen.

Frank Welsch (Foto: Archiv Škoda Auto)
Herr Welsch, auf der Jahrespressekonferenz von Škoda Auto war viel zu hören von den Rekordzahlen des Unternehmens im Jahr 2012. Was aber tut Ihre Firma für die Umwelt? Wo würden Sie Škoda einreihen, wenn es darum geht, schadstofffreiere, umweltfreundliche Autos zu produzieren?

„Es zählt ganz klar zu unseren Zielen, umweltfreundliche Autos zu bauen, und zwar nicht nur in vorzeigbaren Exoten, sondern quer durch die Palette. Das heißt, in der Frage der Umweltfreundlichkeit ordnen wir uns eher oben ein. Zur Umweltfreundlichkeit gehören auch die Kosten, die auf die Kunden zukommen. Und wenig Verbrauch heißt wenig Kosten – das sind Werte, die uns wichtig sind.“

Könnten Sie das näher erläutern?



Foto: Archiv Škoda Auto
„Wenn ich davon spreche, in die ganze Palette zu gehen, heißt das, wir müssen Angebote machen, vom Citigo angefangen bis hin zum Octavia und Superb. Unsere Baustellen sind in erster Linie fahrzeugbezogen. Im Einzelnen heißt dies, das Fahrzeuggewicht ist zu senken, der Cw-Wert und die Aerodynamik zu verbessern. Das müssen sie den Autos von vornherein mitgeben. Zum Beispiel ist der neue Octavia, den wir jetzt präsentieren, über 100 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Das macht sich im Verbrauch sofort bemerkbar. Das neue Modell hat einen Cw-Wert, der ist so niedrig wie noch bei keinem Octavia. Der Wert liegt bei 0,29, also sehr respektabel. Alle diese Werte sind typisch für unsere Fahrzeuge. Das äußert sich dann im Fahrverhalten: Sie brauchen nicht soviel Motorleistung, um angemessen und schön Auto zu fahren. Sie haben weniger Masse zu beschleunigen, deswegen wird auch der Motor weniger gefordert, und das macht sich sofort bemerkbar. Wir sind dankenswerter Weise Bestandteil eines größeren Konzerns und können damit auch die modernen Technologien des Konzerns nutzen. Und das tun wir auch uneingeschränkt. Sie finden hier die aktuellen und modernsten TSI- und TDI-Aggregate. Die Aggregate sind Bestandteile unserer GreenLine-Varianten, die sie in all unseren Modellreihen finden. Autos mit diesen Aggregaten fahren um 17 Prozent sparsamer als ihre Vorgängermodelle. Zudem haben wir in jeder Modellreihe so genannte Pilotfahrzeuge für die Zukunft. Ich nenne mal einen Beispiel: Unser Kleinster, der Citigo, hat das erste Fahrzeug in seinen Reihen mit CNG-Antrieb. Dieses Auto hat einen CO2-Ausstoß von 79 Gramm pro Kilometer. Dieses Auto bieten wir schon in Serie an. Das werden wir, getreu der Devise, in die Breite zu gehen, auch bis Ende des Jahres im Octavia bringen. Dieser Octavia wird in jedem Fall einen CO2-Ausstoß von unter 100 g/km haben. Das wollen wir erreichen, und zwar nach und nach für das gesamte Spektrum unserer Fahrzeuge. Ein CO2-Ausstoß von 95 g/km ist hierbei schon das nächste Ziel, an dem wir hart arbeiten.“

Foto: Archiv Škoda Auto
Sie sagen, dass die Autos leichter werden. Sind es neue Materialien und verbesserte Technologien, die dabei einfließen?

„Beides. Neue Materialien haben einen großen Anteil, speziell Materialweiterentwicklungen. Beim Stahl sind das höchstfeste Materialien, die sie heutzutage nur noch warm umgeformt herstellen können. Also Sie müssen sie zu Rotglut erhitzen und dann umformen. Dann bekommen Sie ein Material, das bis zu sechs Mal fester ist als der klassische Karosseriebaustahl. Das nutzen wir in vielen Autos, und im Octavia besonders intensiv. Dieses Phänomen gibt es aber beispielsweise auch auf dem Kunststoffsektor. Auch dort schreitet die Materialentwicklung stark voran, und zwar in die Richtung, dass wir eine gute Tragfähigkeit bekommen bei gleichzeitig reduzierter Dichte. Wir setzen auf verbesserte Konstruktionen und nutzen dabei unsere langjährigen Erfahrungen. Wir können heute mit Hilfe besserer Fertigungstechnologien Materialien besser ausnutzen, bessere Profile gestalten, bessere Tragfähigkeit hinkriegen, mit gleichviel oder weniger Gewicht. Und wir können sie mit Hilfe verbesserter Simulationsverfahren besser ausreizen. Wir können also an Stellen Material wegnehmen, wo wir merken, dass wir es in punkto Belastung nicht brauchen. Und alle diese kleinen Puzzlesteine führen dann zu den Ergebnissen, die Sie in jedem Škoda-Geschäft sehen.“

Winfried Vahland (Foto: Archiv Škoda Auto)
Die Sicherheit der Fahrzeuge einschließlich der Crashtests aber wird damit nicht heruntergesetzt, oder?

„Definitiv nicht! Es gibt bei uns kein Heruntersetzen, sondern wir wollen die Qualität in allen Belangen höher setzen. Nehmen wir als Beispiel den neuen Octavia. Er hat erst vor kurzem fünf Sterne bekommen. Und wenn Sie genauer hinschauen, so hat er dieses Gütesiegel nicht gerade eben so erhalten, sondern all seine Werte liegen satt und sauber im Fünf-Sterne-Bereich. Da gibt es nichts zu mäkeln.“

In seinen Ausführungen hat der Vorstandsvorsitzende von Škoda Auto, Winfried Vahland, darüber gesprochen, ein langfristiges Ziel des Unternehmens sei es, eines Tages Autos anzubieten, die emissionsfrei fahren. Also Elektroautos. Wie weit ist Škoda in diesem Bereich in der Entwicklung? Und wo liegen noch die Hauptprobleme?

Foto: ČT24
„Wir haben eine Flotte von E-Fahrzeugen laufen, die dazu dient, um genau diese Fragen zu beantworten, um Erfahrungen zu sammeln. Wir sind mit dieser Flotte bisher schon über 250.000 Kilometer gefahren. Allerdings nicht nur wir, denn wir haben diese Testphase mehr oder weniger in Kundenhände gegeben. Und zwar deshalb, weil unsere Kunden viel neutraler das tägliche Benutzen eines Autos widerspiegeln können als wir, die wir nur mit einem bestimmten technischen Interesse darauf schauen. Wir bemühen uns, das Sammeln der Erfahrungen möglichst breit anzulegen. Dabei wollen wir sowohl die Technik beurteilen in Bezug auf ihre Praxistauglichkeit, als auch einen Abgleich mit den Erwartungen der Kunden vornehmen. Denn zu wissen, was unsere Kunden beim täglichen Nutzen der Fahrzeuge erwarten, ist für uns extrem wichtig. Schließlich gibt es dann auch große Entscheidungen zu treffen, wenn man so eine Modellreihe aufbaut. Die Testphase läuft noch das ganze Jahr über, und darauf basierend werden wir dann klare Entscheidungen treffen können. Also Entscheidungen darüber, ob, wann und in welchem Umfang wir Elektroautos vielleicht herstellen werden.“

Foto: Archiv Škoda Auto
Wie sieht man bei Škoda die generelle Entwicklung? Wird es eines Tages vielleicht einmal Autos ohne Kraftstoffverbrennung geben? Allein schon deswegen, weil sich der Erdölmarkt allmählich erschöpft oder die Preise für Erdöl beziehungsweise Benzin und Diesel einfach zu horrend werden. Gibt es in diese Richtung Überlegungen oder wird sich die nächsten 20, 30 Jahre nichts ändern? Oder wird Škoda bei der Entwicklung der Antriebe mehrspurig fahren?

„Ich bin zwar kein Zukunftsprophet, aber soviel können wir schon klar sagen: Der Verbrennungsmotor hat nach wie vor Zukunft und noch unzählige Jahre des Einsatzes vor sich. Die weltweite Infrastruktur ist schließlich darauf ausgerichtet. Wir müssen den Motor jedoch weiter optimieren. Ganz andere Konzepte aber müssen wir jetzt im Auge behalten und schauen, was eines Tages den Verbrennungsmotor ablösen oder ergänzen könnte. Das ist aber etwas, was wir für die Zeit, die wir mit unseren neuen Modellreihen überblicken können, sicher nicht der Fall sein wird. Dennoch untersuchen wir parallel dazu die rein batterieelektrischen Antriebe auf ihre Funktionsfähigkeit. Wir forschen weiter daran, um herauszufinden, ob dieser Antrieb eine Konkurrenz sein kann, die weltweit tragfähig ist. Als Autohersteller ist es einfach unsere Aufgabe, diese Entwicklung mit anzuschieben. Des Weiteren wollen wir uns mit Hybriden als Mischform auseinandersetzen, aber ebenso mit der Brennstoffzelle. Das wäre auch eine Alternative zum Elektroantrieb, nur mit dem Unterschied, dass man den Strom über eine Brennstoffzelle erhält. Wir wissen alle, dass diese Dinge nicht in den nächsten fünf bis acht Jahren auf den Markt kommen werden, aber wir müssen uns schon heute damit beschäftigen. Und zwar für den Fall der Fälle, wenn es mit dem Verbrennungsmotor dann doch schwierig werden sollte. Vorbereitet werden wir dann sein.“