Spiel mir den Blues! Zum Tod des Gitarristen Radim Hladík

Radim Hladík (Foto: ČTK)

Die Gitarre, das war sein Terrain. Radim Hladík galt hierzulande als ungekrönter Meister der sechs Saiten. Oft ließ er auch sein Instrument für sich sprechen, denn ansonsten war er eher ein stiller Mensch. Am vergangenen Sonntag ist der Musiker im Alter von 69 Jahren gestorben. Hladík hatte auf eine Lungentransplantation gehofft, die aber nicht rechtzeitig zustande kam.

Radim Hladík  (Foto: ČTK)
Radim Hladík hat den Sound von zwei der wichtigsten tschechischen Rockbands geprägt. Bereits 1966 heuert er noch als Teenager bei den Matadors an, einer teils englisch singenden Beatband. Schon dort macht er durch sein Gitarrenspiel auf sich aufmerksam. Bedeutend für die weitere Karriere wird jedoch, dass Hladík zusammen mit dem Rocksänger Vladimír Mišík zwei Jahre später dann Blue Effect gründet. Denn diese Formation bringt den Bluesrock nach Tschechien. Und der Gitarrist kann erstmals so richtig brillieren. Als Erster seiner Fachs soll er zum Beispiel Verzerrungseffekte verwendet haben.

Der Erstling von Blue Effect kommt 1970 heraus. Kurz darauf macht die Band einen weiteren Schritt, und zwar hin zur Jazzfusion. Zusammen mit dem Jazz-Orchester des Tschechischen Rundfunks entsteht unter anderem die LP „Nová syntéza“.

In der Zwischenzeit wird der englische Name der Band zu einem Problem. Aus Blue Effect wird daher tschechisch Modrý efekt. Ab Mitte der 1970er Jahre geht die musikalische Reise von Radim Hladík weiter, er und seine Band lassen sich von den frühen Genesis, King Crimson und Yes inspirieren. Das Stichwort lautet Progressive Rock. Bis die Band sich für längeres auflöst, kommen drei Alben in dieser Stilrichtung heraus.

Radim Hladík  (Foto: ČTK)
Danach fällt Modrý efekt auseinander, und für Radim Hladík beginnt eine lange Zeit der Suche nach immer wieder neuen Mitstreitern. Nach der politischen Wende konzentriert er sich auf andere Projekte.

Erst 2004 kommt es zur Erneuerung der Band unter dem englischen Namen Blue Effect. Der Altmeister sammelt dabei Musiker um sich, die seine Söhne sein könnten. Die generationenübergreifende Besetzung kommt beim Publikum überraschend gut an. Es folgen viele gemeinsame Auftritte. Der letzte Gig findet in diesem September in Prag statt. Da leidet Hladík bereits unter einer chronischen Entzündung des Lungenbindegewebes. Die Hoffnung auf eine neue Spenderlunge erfüllt sich aber nicht. Nun trauern die tschechischen Fans um einen ihrer größten Stars. Was bleibt, ist seine großartige Musik.

Autor: Till Janzer
schlüsselwort:
abspielen