Sportreport

Sparta Prag, Foto: CTK

In unserem letzten Sportreport haben wir über das Play off in der tschechischen Eishockey-Extraliga berichtet. Allerdings stand das Finale zwischen dem HC Sparta Prag und dem HC Vítkovice noch aus. Also die Entscheidung, wer denn nun zum neuen Landesmeister in dieser hierzulande so populären Sportart gekürt wird. Diese Entscheidung ist inzwischen gefallen, und sicher wollen Sie wissen, welcher der beiden Finalisten sich am Ende durchgesetzt hat.

Darüber hinaus werfen wir auch einen Blick auf das aktuelle Geschehen in der höchsten tschechischen Fußball-Liga. Da hatten wir Ihnen ja eine Nachbetrachtung zum traditionsreichsten aller hiesigen Derbys, dem Hauptstadtduell Sparta Prag - Slavia Prag versprochen. Doch nicht nur der Ausgang dieser Begegnung war vorentscheidend für den Meisterschaftsverlauf. Wer nunmehr die besten Karten hat im Titelkampf, auch das erfahren Sie in den nachfolgenden Minuten. Also bleiben Sie dran!


Im diesjährigen Play-off-Finale der Eishockey-Extraliga war Sparta Prag der Favorit. Mit 103 Zählern war das Team um Kapitän Richard Zemlicka als klarer Sieger aus der Punkterunde hervorgegangen. Der 1903 gegründete Traditionsverein ging mit einem Etat von 180 Millionen Kronen (ca. 6 Millionen Euro) in die Saison und gilt somit als der reichste Club unter den 14 Extraligisten. Demzufolge konnten sich die Moldaustädter sowohl einen relativ großen als auch den vermeintlich stärksten Kader leisten. Und nicht zuletzt besaß der Großteil der Mannschaft auch über die größere Endspielerfahrung als der Kontrahent aus Ostrava. Denn Sparta zog seit dem Titelgewinn im Jahr 2000 bereits zum dritten Mal in Folge ins Finale ein, dem HC Vítkovice hingegen war dies zuletzt im Jahr 1997 geglückt.

Fast alles sprach also für die Hauptstädter, die auch blendend in das erste Finalspiel vor heimischer Kulisse starteten. Schon nach knapp drei Minuten bejubelten die über 10.000 Zuschauer in der Prager Paegas Arena das 1:0 ihrer Lieblinge und acht Minuten später erlebten sie dies:

Sparta Prag, Foto: CTK
Doch diese Erfolgsspur verließen die sieggewohnten Sparta-Cracks zunächst. Durch Unkonzentriertheiten in der Abwehr mussten sie innerhalb weniger Sekunden zwei Gegentreffer und im letzten Drittel sogar noch ein drittes Tor hinnehmen. Der Außenseiter hatte erneut seinen Teamgeist und Kampfeswillen demonstriert und fuhr mit einem 3:2-Sieg nach Hause. Zum Gewinn der Meisterschaft aber waren drei Siege in der Best-of-five-Finalserie notwendig.

Diese drei Siege markierten die Prager - und das in eindrucksvoller Art und Weise. Der unnötigen Heimniederlage ließen sie einen taktisch klug herausgespielten 3:2-Erfolg in Ostrava folgen, womit sie die Scharte der Auftaktpartie wieder ausgewetzt hatten. In den Spielen drei und vier stellten sie dann ihre ganze Klasse voll unter Beweis. Die psychisch und physisch nachlassenden Nordmähren aus dem Ostrauer Stadtteil Vítkovice gerieten beim zweiten Duell in der Paegas Arena mit 0:7 unter die Räder und konnten auch zu Hause nichts Gleichwertiges mehr entgegen setzen. Sparta gewann die vierte Partie mit 4:1 und eroberte damit nach 1953, 1954, 1990, 1993 und 2000 zum sechsten Mal die Meistertrophäe.

Zu den Stärken seiner Mannschaft befragt, antwortete uns der Assistenztrainer des neuen Titelträgers, Pavel Hynek: "Ich denke, die größte Stärke dieser Mannschaft liegt in ihrem breiten Kader. Ich denke, dass wir nicht nur drei ausgeglichene Fünfer-Formationen haben, sondern auch unsere vierte Angriffsreihe ist sehr gut, auch wenn sie eine geringere Eiszeit erhielt. In anderen Clubs aber hätte diese Reihe sicher in der zweiten oder dritten Formationen gespielt, was von der Qualität unseres breiten Kaders zeugt. Und nicht zuletzt muss ich wiederholen, was während des Play offs von den meisten Experten und Journalisten immer wieder betont wurde: mit Petr Bríza haben wir den wirklich besten Torwart der Extraliga. Das waren wohl die beiden entscheidenden Faktoren für unseren Erfolg."

Für den so gelobten 37-jährigen Goalie war es bereits der dritte Titelgewinn mit Sparta Prag. Vor seinem achtjährigen Auslandsengagement in Finnland und Deutschland, wo er für Lukko Rauma und den EV Landshut spielte, landete er 1990 seinen ersten Coup. Der zweite gelang ihm vor zwei Jahren, weshalb wir Petr Bríza baten, die beiden Meisterteams der Jahre 2000 und 2002 miteinander zu vergleichen:

Neben Petr Bríza ragte noch die erste Sturmreihe aus der ansonsten sehr homogenen Meistermannschaft heraus. Ondrej Kratena, Michal Bros und Martin Chabada erzielten allein im Play off nicht weniger als 47 Scorerpunkte. Hierbei war Kratena mit 12 Toren und sechs Vorlagen der erfolgreichste Scorer aller Teams überhaupt. Ihn, Bros und Jaroslav Hlinka werden die Eishockeyfreunde voraussichtlich auch bei der Weltmeisterschaft in Schweden zu Gesicht bekommen.


Alles andere als freudige Gesichter gibt es derzeit bei den Fußballern von Sparta Prag zu registrieren. Vier Runden vor Abschluss der Punktspiele in der höchsten Spielklasse des Landes, der so genannten Gambrinus-Liga, liegt der tschechische Rekordmeister nämlich nur noch auf Rang 3 der Tabelle - mit sechs Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Slovan Liberec und zwei Punkten auf den Lokalrivalen Viktoria Zizkov. Vor 14 Tagen, als wir über die Attacke so genannter Sparta-Fans auf den Mannschaftsbus ihres Teams berichteten, lagen die Prager mit nur einem Punkt hinter Liberec auf Platz 2. Dennoch war diese Tatsache für Klubchef Vlastimil Kostál bereits Grund genug, um den im Herbst noch wegen der tollen Vorstellungen Spartas in der Champions League gefeierten Trainer Jaroslav Hrebík kurzfristig zu entlassen. Einen Tag vor dem wichtigen Derby gegen Slavia Prag wurde er durch den bisherigen Assistenzcoach Vítezslav Lavicka ersetzt. Mit ihm versprach sich die Klubführung einen frischen Wind in der von Selbstzweifeln zerfressenen Kabine des Titelverteidigers. Dieser wehte dann auch zumindest eine Halbzeit lang durch die Reihen der Gastgeber im bei nasskaltem Wetter ausgetragenen Stadtduell. Sparta führte zur Pause 1:0, musste jedoch vier Minuten vor Spielende gegen die besser werdenden Slavia-Kicker noch den Ausgleich zum 1:1-Endstand hinnehmen. Also keine gelungene Premiere für Lavicka, der folglich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konstatierte: "Für uns ist der Ausgang des heutigen Spiels eine Enttäuschung. Das bedeutet aber nicht, dass wir den Kampf um den Titel schon aufgegeben haben. Auch wenn wir wissen, dass mit dem heutigen Ergebnis der Weg für uns dorthin noch schwieriger geworden ist."

Das sagte Sparta-Trainer Lavicka am Freitag vor zwei Wochen. Inzwischen aber ereilte den "FC Bayern des tschechischen Fußballs" eine weitere Niederlage. Gegen Banik Ostrava verlor der Noch-Meister mit 0:1. Und ähnlich wie die Bayern muss auch Sparta inzwischen um die Qualifikation zur Champions League fürchten. Dafür muss der Traditionsverein zumindest den 2. Platz zurück erobern. Analog den Münchnern hat auch Sparta hierzulande viele Neider und Anti-Fans. Doch nicht nur die, sondern auch der Großteil der sachlichen Fußballgemeinde in Tschechien wäre erfreut, wenn endlich ein neues Gesicht den Fußballthron besteigen würde. Das könnte in anderthalb Wochen der FC Slovan Liberec sein. Wenn dies der Fall sein sollte, werden wir in 14 Tagen darüber berichten. Dann aber auch wieder über andere Sportarten.