Srámeks und Spálas Sobotka

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Malerische Holzhäuser, das alte Rathaus und das dominierende Schloss Humprecht auf einem Hügel hoch über der Stadt - das ist Sobotka, ein Städtchen im Riesengebirgsvorland und am Tor zum Böhmischen Paradies. Mehrere Dichter wurden dort geboren: einige mehr und einige weniger bekannte. Der berühmteste von ihnen aber ist Frána Srámek, an den bis heute ein Literaturfestival in Sobotka erinnert. Dorthin laden Sie nun Markéta Maurová und Lothar Martin in der nachfolgenden Touristensprechstunde ein.

Der Name Sobotka - was soviel wie "kleiner Samstag" bedeutet - wird davon abgeleitet, dass dort immer samstags Märkte abgehalten werden durften. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen tschechischen Orten - in Westböhmen können wir z.B. eine Gemeinde namens "Úterý", d.h. Dienstag, finden. Die erste schriftliche Erwähnung über Sobotka stammt aus dem Jahre 1322. Im Mittelalter befand sich hier wohl eine Festung. Das Schicksal Sobotkas war Jahrhunderte lang eng mit der Burg Kost verbunden. Das Städtchen hatte sich nämlich zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der hiesigen Herrschaft entwickelt.

1497 wurde die Herrschaft an Johann von Schellenberg, den obersten Kanzler des Königreichs Böhmen, verkauft. Dieser erteilte Sobotka zahlreiche Privilegien und dank seiner Fürsprache sorgte er dafür, dass der Ort durch König Wladislaw Jagello zur Stadt erhoben wurde. In einer Urkunde vom 24. August 1498 wurden der Bau von Stadtmauern erlaubt, ein Stadtwappen erteilt und das Recht bestätigt, zwei achttägige Jahrmärkte pro Jahr zu veranstalten.

Die Blütezeit setzte sich auch unter der Herrschaft der Bibersteins und Lobkowitzer fort. Ein Beleg dafür ist der Dechanatsdom Maria Magdalenas, der Ende des 16. Jahrhunderts geweiht wurde. Ulrich Felix von Lobkowitz schenkte damals der Literatenbruderschaft bei der Kirche ein illuminiertes Gradual, das bis heute erhalten blieb. Aus jener Zeit stammt auch die wertvollste Kostbarkeit der Stadt - eine silberne Monstranz. Damals konnte kaum jemand ahnen, was für ein Schicksal sie erwartet. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie von einem schwedischen Kornett gestohlen. Als er jedoch feststellte, dass er verfolgt wird, machte er auf seiner Flucht wieder kehrt und gab seine Beute zurück. Zur Zeit der Napoleon-Kriege verlor die Stadt zum zweiten Mal ihren Schatz. 1807 wurde Kirchensilber und -gold allgemein rekrutiert und die Monstranz fiel an den Staat. Die Damen von Sobotka brachten aber mittels Schmuck und Juwelen eine Summe von 372 Goldstücken auf und retteten damit die Monstranz für die Stadt.

Im 17. Jahrhundert herrschte auf der Burg Kost der bekannte Barockkavalier Humprecht Johann Czernin von und zu Chudenitz. Er zählte zu den reichsten Herren des böhmischen Adels und ließ u.a. das mächtige Czernin-Palais in Prag errichten. Der Stadt Sobotka widmete er ein neues Rathaus, das später mit einem Turm und mit Dreiecksgiebeln versehen wurde. Zudem ließ er unweit von Sobotka ein neues Schloss bauen - Humprecht, das bis heute eine Dominante der umliegenden Landschaft darstellt. Es handelt sich dabei um einen einzigartigen Bau. Aus der Mitte eines zylinderförmigen Gebäudes ragt ein schmalerer ebenso zylindrischer Turm empor. Innen befinden sich übereinander zwei Säle, um die rundherum einzelne Zimmer angeordnet sind.

In Sobotka finden wir aber auch andere interessante Bauten, wie etwa das dortige Theater, an dessen Ausschmückung im 19. Jahrhundert der Maler Josef Manes beteiligt war. Ein weiterer Maler und zugleich bedeutende Persönlichkeit der modernen europäischen Kunst hat sein Leben und Schaffen sogar eng mit Sobotka verbunden.

Die Rede ist von Václav Spála. Er wurde 1885 im nahen Zlunice geboren. Im Jahre 1904 zog er mit seinen Eltern jedoch nach Sobotka, wohin der Künstler später immer wieder zurückkehrte und wo er ständig Themen und Motive für sein Schaffen schöpfte. Die Stadt Sobotka betrachtet Spála zwar als ihren berühmten Landsmann, hat für die Verbreitung von dessen Vermächtnis jedoch bisher nicht viel getan. Die letzte Spála-Ausstellung fand dort in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Dr. Ivan Kafka von der "Gesellschaft der Freunde der Stadt Sobotka" sagte uns dazu:

"Wir möchten an Spála ein wenig erinnern. Denn die Stadt Sobotka sieht es als einen großen Fehler an, dass wir es während all der Jahre, seit denen wir ihn als eine der größten Persönlichkeiten Sobotkas ehren, nicht geschafft haben, weder ein Denkmal noch eine Gedenktafel zu errichten."

Seit Anfang Mai hat sich das geändert. Da wurde im Stadtpark von Sobotka eine Spála-Büste des Bildhauers Vladimir Preclik enthüllt. Aus diesem Anlass fand auch eine Ausstellung mit etwa 30 Spála-Werken statt, die inzwischen zu Ende ging. Aber auch gegenwärtig können Sie einem Spála in Sobotka begegnen, und zwar bei einem Besuch der dortigen Sparkasse, in deren Halle das Spála-Gemälde "Burg Kost" zu sehen ist.

Dass Václav Spála eng mit Sobotka verwurzelt ist, wissen lediglich die guten Kenner dieses Malers. Dass der Dichter Frána Srámek aber ebenso dort geboren wurde, ist eine allgemein bekannte Sache. 1877 erblickte er hier im Haus Nr. 4 am Hauptring als Sohn des Steuerbeamten Srámek das Licht der Welt. Der Knabe war gerade einmal fünf Jahre alt, als seine Eltern mit ihm nach West- und später nach Südböhmen umzogen, und so hätte man annehmen können, dass Sobotka für ihn keine allzu große Rolle spielen wird. Dennoch zog es auch ihn immer wieder nach Sobotka zurück - zunächst nach dem Abitur zum Besuch seiner Oma und danach erst wieder 1910. In Sobotka fand er neben Studenten ebenso interessante Gesellschafter und Gesprächspartner - den alten Anarchisten Ort, den Maurer Klaban, dessen Frau für Srámek kochte, und das eifrige Sokol-Mitglied Pazout.

Als 1918 Srámeks Vater starb, zog seine Mutter nach Sobotka um und Frána besuchte sie und die Stadt fortan regelmäßig. In Sobotka fühlte er sich wohl. Er hatte sogar eine spezielle Ausstattung für den Aufenthalt auf dem Lande - alte Bekleidung und Schuhe, grüne Hemden, einen schäbigen Hut und einen Stock. Hier hatte er ebenso ein eigenes Arbeitszimmer, im Sommer allerdings schrieb er nur wenig. Desto mehr wanderte er durch die Umgebung. In einem Brief an seine Ehefrau spricht er von der "Besessenheit durch die Landschaft". Er sammelte Pilze, ging öfters baden und spielte mit Studenten Theater. Aus den Erzählungen seiner Freunde wissen wir, dass er in Prag keine Aufführung seiner Theaterstücke besuchte, sondern diese alle nur in Sobotka sah. Gewöhnlich führte er auch die Regie und organisierte Proben in der freien Natur. 1938 trug Frána Srámek seine Mutter zu Grabe und verbrachte den letzten Sommer in Sobotka. Zum allerletzten Mal kehrte er 1952 in die Stadt zurück, dafür aber schon für die Ewigkeit. Er wurde auf dem dortigen Friedhof begraben, ganz in der Nähe des Grabes seiner Eltern und seines Bruders Josef.

Der Dichter wurde in seiner Geburtsstadt nie vergessen. Man kann hier und heute ein Frána-Srámek-Museum und Archiv besuchen. Das ist aber nicht die einzige Erinnerung an ihn. In diesem Jahr findet bereits zum 46. Mal das Festival "Srámeks Sobotka" statt, das der Muttersprache und Poesie gewidmet ist. Jedes Festivaljahr hat sein eigenes Thema. Über das diesjährige spricht Dana Vejnárkova.

"Das diesjährige Festival wird vom 29. Juni bis 6. Juli stattfinden. Dessen Thema ist: "Die Frau macht das Wort, das Wort macht die Frau". Es ist dem 50. Todestag und dem 127. Geburtstag Frána Srámeks sowie dem 140. Todestag Bozena Nemcovas gewidmet. Natürlich befasst es sich mit der Frauenliteratur, der Literatur für Frauen, über Frauen, der durch Frauen inspirierten Literatur und mit Frauenautorinnen."

Alljährlich treffen sich in Sobotka Tschechisch-Lehrer, Bibliothekare und Studenten philosophischer und pädagogischer Fakultäten. Sie lauschen verschiedenen Vorträgen und beteiligen sich am poetischen Programm. Für Studenten ist auch ein Seminar der Vortragskunst bestimmt. Auf dem Festival präsentieren sich Buchverlage, es wird ein Bulletin herausgegeben und vieles andere mehr. Aber die wohl wichtigste Veranstaltung des Festivals stellt uns Dana Vejnarkova vor:

"Ein untrennbarer Bestandteil des Festivals 'Srámeks Sobotka' ist ein Literaturwettbewerb, der bereits seit 1964 veranstaltet wird. In diesem Jahr sind bei uns 162 Beiträge eingegangen - das ist ein souveräner Rekord. Der Wettbewerb wird in drei Kategorien ausgeschrieben: Poesie, Prosa und Landeskunde, d.h. literaturwissenschaftliche Studien über Autoren der ostböhmischen Region sowie naturwissenschaftliche, historische, soziale und kulturelle Studien über Ostböhmen."

Nicht nur den Teilnehmern des Festivals und jungen Literaten, sondern allen Besuchern Sobotkas wird empfohlen, sich auch in die Umgebung der Stadt zu begeben - so wie es einst Frána Srámek zu tun pflegte. Die mächtige Burg Kost, das malerische Tal Plakánek, die Felsen des Böhmischen Paradieses, tiefe Wälder und schöne Aussichtsorte werden Sie dafür belohnen. Und mit diesen Tipps möchten wir uns für heute verabschieden. Am Mikrophon waren Lothar Martin und Markéta Maurová.

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