Stabilität von Tschechiens Banken basiert auf hohem Maß an Konservatismus

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Die Banken in Tschechien sind stabil. Ihnen droht keine Krise wie einigen anderen EU-Banken, besonders in Südeuropa. Deshalb hegt die tschechische Politik auch Befürchtungen, dass die in Brüssel forcierte Bankenunion die Stabilität aufweichen könnte. Zur Stabilität der tschechischen Kreditinstitute trägt das weitgehend konservative Verhalten der hiesigen Bankkunden ein großes Maß bei. Doch gerade sie sind mit dem Service der Geldinstitute zunehmend unzufrieden, ihnen missfallen besonders die vielen Bankgebühren.

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Für den Service seiner Bank zahlt der tschechische Kunde im Durchschnitt mehr als 2000 Kronen (ca. 80 Euro) im Jahr. Das sind ungefähr 170 Kronen beziehungsweise 7 Euro im Monat. Eine gute Einnahmequelle für die Kreditinstitute, denn das daraus resultierende Geschäft gleicht einer Lizenz zum Gelddrucken: Die Gebühren spülen den Banken pro Sekunde über 1700 Kronen (ca. 70 Euro) in die Kassen. Seit Jahresbeginn haben sie daher schon über 31 Milliarden Kronen (mehr als 1,2 Milliarden Euro) für ihre Dienste eingenommen. Für Jan Matoušek, den Sekretär des Tschechischen Banken-Verbandes, ist dieser Betrag durchaus gerechtfertigt:

Patrik Nacher
„Der tschechische Bankensektor erzielt aus den Gebühren einen Ertrag von 23 bis 24 Prozent. Das ist ein prozentualer Anteil, wie er in Europa üblich ist.“

Patrik Nacher vom Internetserver Bankovnipoplatky.com (deutsch: Bankgebühren) hält dem jedoch entgegen:

„Das Problem liegt eher in der Struktur der Bankgebühren. In den westlichen Ländern werden in erster Linie Gebühren auf Dienstleistungen erhoben, die einen komplizierten Prozess durchlaufen. In Tschechien aber sind in der Regel schon die grundlegenden Serviceleistungen gebührenpflichtig.“

Das bestätigt auch eine junge tschechische Bankkundin, die einige Jahre in England gearbeitet und dort auch ein Bankkonto unterhalten hat:

„Es erscheint mir schon etwas merkwürdig, dass ich für das Abheben meines eigenen Geldes von meinem tschechischen Konto eine Gebühr zu zahlen habe. Das ist einfach paradox.“

Die Unterschiede zwischen einer Bank im westlichen Ausland und einer Bank in Tschechien sind schon gravierend. Werden in England in erster Linie säumige Kunden zum Beispiel für das Überziehen ihres Kredits zur Kasse gebeten, so zahlt der tschechische Bankkunde quasi bei jeder Kontobewegung noch zu. Er zahlt eine Gebühr für die Geldeinzahlung ebenso wie für das Auszahlen von Geld am Bankautomaten der eigenen Bank oder monatlich für das Führen seines Girokontos. Michal Mejstřík, anerkannter Ökonom und Mitglied des Nationalen Wirtschaftsrates (NERV), nennt noch ein Beispiel für den Gebührenwahn der heimischen Banken:

Michal Mejstřík (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wenn man sein Konto auflöst, werden auch Gebühren fällig. Das bedeutet, der mögliche Wechsel zu einer anderen Bank wird zunächst einmal sanktioniert.“

Das dürfte sicher auch ein Grund dafür sein, dass der tschechische Bankkunde in der Regel an der Bank seiner Wahl festhält. Diese Nibelungentreue aber macht der Chefredakteur des Internetservers Investujeme.cz, Petr Zámečník, den hiesigen Klienten zum Vorwurf:

„Indem die Bankkunden in Tschechien ziemlich konservativ sind und ihre Bank nicht wechseln wollen, spielen sie den Marktführern de facto in die Karten.“

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Demgegenüber wirft die Zentralbank (ČNB) ein, dass sich die Erträge, die die tschechischen Banken im ersten Halbjahr dieses Jahres aus den Gebühren erzielt haben, im Jahresvergleich um drei Prozent verringert haben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hätten sie folglich umgerechnet 12 Millionen Euro weniger aus den Gebühren erwirtschaftet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dennoch sei der tschechische Bankensektor sehr stabil, da nicht zuletzt die Gebühren eine planbare und sichere Einnahmequelle sind, sagt Mejstřík:

„Die Gebühren, die in Tschechien erhoben werden, hängen mit der relativ konservativen Ausrichtung des tschechischen Bankensektors zusammen. Das heißt, die hiesigen Banken bieten zumeist nur den üblichen kommerziellen Service an. Das Investment ist wenig ausgeprägt, daher fallen daraus auch kaum Gebühren an.“

Gerade dieser Konservatismus, also das sichere und wenig risikoreiche Bankgeschäft ist ein wesentlicher Grund dafür, weshalb die tschechischen Banken weiterhin auf zwei gesunden Füßen stehen. Daran haben jedoch auch die heimischen Bankkunden ihren Anteil, so Mejstřík:

„Wir haben nicht nur konservative Banken, sondern auch gut sparende Klienten. Denn Tatsache ist, die Kreditvergabe der Banken ist durch die Spareinlagen ihrer Kunden mehr als nur gedeckt.“

Zentralbank (ČNB). Foto: Archiv ČRo 7
Die Tschechen sorgen also vor. Für schlechtere Zeiten, eventuell ausgelöst durch eine weitere Krise, die auch Tschechien härter treffen könnte. Den finanziellen Puffer, den man sich zur Abfederung einer Krisensituation geschaffen hat, will man sich nicht nehmen lassen. Deshalb drohte Tschechiens Premierminister Petr Nečas beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel, dass sein Land ein Veto einlegen werde, sollten bei der in der Union forcierten zentralen Bankenaufsicht keine klaren Grenzen gesetzt werden. In Brüssel nannte er dann auch die Befürchtung, die man in Tschechien besonders mit der geplanten Bankenunion verknüpft:

„Wir wollen Garantien dafür, dass es im Rahmen der Bankenunion zum Beispiel nicht möglich ist, dass ausländische Mutterbanken ihre Engpässe damit lösen, indem sie Gelder von den tschechischen Tochterbanken abziehen.“

Václav Klaus (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Für den tschechischen Bankensektor wäre das gewiss ein Problem, zumal 95 Prozent der hiesigen Bankhäuser derzeit im Besitz ausländischer Mutterbanken sind. Einige dieser Mutterbanken hätten momentan tatsächlich größere Probleme, sagt Michal Mejstřík und gibt ebenso zu bedenken:

„In dem Moment, in dem Mutterbanken von ihren tschechischen Filialen einen Teil von deren Geld abziehen, um eigene Verluste zu kompensieren, ist das gewiss keine optimale Lösung.“

Für Präsident Václav Klaus, bekannt für seine EU-skeptische Haltung, ist die Bankenunion ohnehin keine gute Lösung:

„Die Bankenunion ist für den Ökonom ein Widerspruch. Sie ist eine künstliche, indirekte und schlechte Lösung.“



Angela Merkel (Foto: ČTK)
Diese Lösung ist vergangene Woche in Brüssel zwar erörtert, aber noch nicht definitiv beschlossen worden. Dafür gebe es noch zu viele Details zu klären, für die man sich auch die nötige Zeit nehmen müsse, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Dezember will man in den Detailfragen schon einen Schritt weiter sein. Sollten dann aber noch wichtige Fragen offen oder Details der Tschechischen Republik nicht genehm sein, dann droht immer noch das tschechische Veto. Und diese Trumpfkarte wolle er auch einsetzen, wenn es erforderlich sei, so Premier Nečas.