Stalking – in Tschechien ein junger Straftatbestand

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„Eine verhängnisvolle Affäre“, „Der Feind in meinem Bett“ – Kinostreifen, in denen Stalking zum Filmplot wurde. Das penetrante, dauerhafte Belästigen und Verfolgen eines Menschen - die meisten Opfer sind Frauen - wird in Tschechien erst seit einem Jahr strafrechtlich geahndet. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun.

Jagen, hetzen, heranpirschen – der Begriff Stalking stammt aus der englischen Jägersprache und trifft ins Schwarze. Über 50 SMS, eine ruinierte Haustürklingel, unzählige Telefonanrufe auch an nahe stehende Personen – all das musste eine 34-jährige Frau aus Brno / Brünn aushalten. Den Täter kennt sie gut. Es ist ihr Ex-Mann, der sich mit der Trennung nicht abfinden will und kann.

„Er hat sie belästigt, entweder durch Telefonate oder SMS-Mitteilungen. Er hat ihr mit Körperverletzung gedroht und mit Tötung“, erläutert die Brünner Staatsanwältin Jana Čuhelová gegenüber dem Tschechischen Fernsehen.

Verschmähte Liebe, Zurückweisung, eine nicht akzeptierte Trennung – das sind nach Polizeiangaben die häufigsten Ursachen für das Stalking. Die Folgen können von Depressionen, Angstsymptomen bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen, wie sie Soldaten aus Krisengebieten kennen.

„Das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwer wiegend beeinträchtigt wird“, so definiert die deutsche Kripo den Straftatbestand.

Im Nachbarland ist das Stalking seit 2007 strafbar, Tschechien hat 2010 nachgezogen. Denn die Stalking-„Möglichkeiten“ haben allein aufgrund der rasanten Entwicklung in der Kommunikationstechnologie zugenommen.

„Bis Ende November 2010 haben wir in 508 Fällen von gefährlicher Verfolgung und Belästigung ermittelt. 344 Fälle haben wir klären können – das sind über 62 Prozent“, so Pavla Kopecka von der tschechischen Kriminalpolizei. Justizminister Pospíšil sieht diese Bilanz als Bestätigung:

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„Das ist meiner Ansicht nach eine recht hohe Zahl. Das ist auch ein Beleg dafür, dass unsere Gesellschaft ein neues Strafrecht brauchte, das eben auch neue Formen von Straftaten ahndet.“

Beratungszentren empfehlen jedoch, die Einzelfälle noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Zdena Prokopová von der Beratungsstelle ROSA:

„In einigen Fällen wäre es gut, noch mehr die Umstände in Betracht zu ziehen und zu bewerten, zu prüfen, ob das Opfer nicht in außergewöhnlicher Gefahr ist. Denn es gab auch Fälle, in denen die Frau ermordet wurde.“