Steuerparadiese: Auch tschechische Firmen wissen sie zu nutzen

Die Bermudas, die Kaiman-Inseln, die Britischen Jungferninseln: In den letzten Tagen wurden diese Länder häufig genannt – jedoch nicht als Urlaubsziele, sondern als Beispiele für weltweit populäre Steuerparadiese. Auch tschechische Firmen haben gelernt, solche Steueroasen zu nutzen.

Dass Firmen ihren Sitz in ein Steuerparadies übertragen, ist nicht gesetzeswidrig. Der tschechischen Staatskasse entgehen jedoch auf diese Weise eine Menge Steuergelder. Finanzminister Miroslav Kalousek schätzt die Verluste auf einige Milliarden Kronen jährlich:

„Es ist außerordentlich schwer, dies zu schätzen und zu beziffern. Wenn eine Firma ihren Sitz nicht in Tschechien hat, bedeutet es jedoch nicht automatisch, dass sie ihren Steuerpflichten nicht nachkommt. Daher lehne ich die Behauptung ab, dass der Staat um etliche Milliarden Kronen jährlich gebracht werde. Wenn, dann bewegen sich die Verluste nur in Höhe von einigen Milliarden Kronen.“

Petra Štěpánová (Foto: ČT24)
Die Agentur Čekia ist der führende Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Unternehmensdatenbanken in Tschechien. Von insgesamt 360.000 Firmen, die in Tschechien registriert sind, werden etwa 3,5 Prozent aus verschiedenen Steuerparadiesen kontrolliert, so Petra Štěpánová, Mitarbeiterin der Čekia:

„Aus unseren Statistiken geht hervor, dass 12.556 tschechische Gesellschaften Ende vergangenen Jahres einen Eigentümer mit Sitz in einem Steuerparadies hatten. Unsere Agentur schöpft die Informationen aber nur aus Quellen, die öffentlich zugänglich sind. Das bedeutet, dass die Zahl von 12.556 nur die Spitze des Eisbergs darstellt.“

Seychellen (Foto: Hansueli Krapf, Wikimedia CC BY-SA 2.5)
Die Expertin ergänzt, dass die Zahl von Firmen, die ihren Sitz in Länder mit einer niedrigen Besteuerung verschieben, ständig steige.

„In den letzten drei Jahren haben wir festgestellt, dass die Firmen vor allem an einem Umzug nach Zypern sowie auf die Seychellen Interesse zeigten.“

Eine Möglichkeit, die Firmeneigentümer zurück nach Tschechien zu locken, wäre eine Herabsetzung der Einkommenssteuer. Dies kann sich der Staat aber nicht erlauben. Es gehe eher darum, den Abfluss von Steuern zu verhindern. Laut Finanzminister Kalousek können darum Verträge mit Ländern geschlossen werden, die als Steuerparadiese gelten.

Miroslav Kalousek (Foto: ČTK)
„Wir sind die erste tschechische Regierung, die in diesem Bereich diplomatische Erfolge vorzuweisen kann und mit den einzelnen Steuerparadiesen Abkommen über den Austausch von Informationen im Steuerbereich schließt. Diese Abkommen ermöglichen uns den Zugang zu Informationen darüber, ob die Firmenbesitzer ihrer Steuerpflicht in der Tschechischen Republik nachkommen oder nicht. Dies ist der einzige Weg, den man gehen kann. Natürlich gibt es verhältnismäßig viele Steueroasen auf der Welt, und somit ist es eine langfristige Angelegenheit.“

Foto: Kristýna Maková
Seit dem Jahresbeginn gelten derartige Abkommen beispielsweise mit den Bermudas, San Marino sowie den Britischen Jungferninseln. Die Britischen Jungferninseln waren im Dezember 2011 in den tschechischen Medien ein großes Thema. Damals kam heraus, dass viel von dem Geld, das die Prager Verkehrsbetriebe für die Fahrkartenherstellung bezahlen, auf dem Konto einer Gesellschaft landet, die ihren Sitz eben in diesem Steuerparadies hat.