Streit um die Elbe

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Wie wir bereits informiert haben, ist hierzulande ein heftiger Streit zwischen dem Verkehrsministerium einerseits und Umweltschützern sowie dem Umweltministerium andererseits entbrannt. Streitgegenstand: Die Elbe, genauer gesagt geplante Wehre, die den Fluss auch für Wasserfahrzeuge mit einem größeren Tiefgang schiffbar machen sollen, so die Vorstellungen des Verkehrsministeriums. Olaf Barth berichtet.

Umweltschützer vor dem Gebäude des Verkehrsministeriums, Foto:CTK
Wirtschaftliche contra umweltpolitische Interessen - ein immer junger Widerspruch. So sieht es auch diesmal aus. Das Verkehrsministerium möchte die Wassertiefe eines bisher beinahe unberührten Elbeabschnitts zwischen Usti/Aussig und Decin/ Tetschen erhöhen, um die Binnenschifffahrt in diesem Bereich effektiver zu gestalten. Die Umweltschützer befürchten durch einen solchen Eingriff allerdings erhebliche Schäden des ohnehin labilen Ökosystems entlang der Elbe. Jan Dostal von der Umweltbewegung "Arnika" und Leiter der Kampagne gegen das Elbeprojekt erklärt:

"Mit dem Wehrbau am Unterlauf der Elbe würde sich das natürliche Pegelniveau grundsätzlich verändern, was wiederum negative Folgen für das gesamte Ökosystem an diesem Flussabschnitt hätte. Man müsste dann faktisch mit einem Umkippen und damit auch mit einem Absterben von Tier- bzw. Pflanzenarten rechnen."

Es wurde eine Dokumentation über den Einfluss eines Wehrbaus auf die Umwelt erstellt, die u.a. auch mehrere Studien zum Ökosystem des besagten Elbe-Abschnitts beinhaltet. Dazu Dostal:

" Es sind zwar keine langfristigen, dafür aber ziemlich umfassende Studien aufgrund biologischer und hydrologischer Forschungen der Gegend erarbeitet worden, die uns angesichts der erworbenen Erkenntnisse zu dem Schluss kommen lassen, dass hier die Gefährdung der Pflanzen- und Tierwelt groß ist."

Zur Unterstützung des organisierten Protestes wurde eine internationale Allianz gegründet, in der etwa 40 Nichtregierungsorganisationen vereint sind, darunter neun aus Deutschland. Am Mittwoch hat die Umweltinitiative Arnika dem tschechischen Verkehrsministerium eine mit 3000 Unterschriften versehene Petition und rund 1700 Protestbriefe aus Deutschland übergeben. Und wie sehen die Reaktionen des Ministeriums aus?:

"Das Verkehrsministerium beharrt leider weiterhin auf den Bau der Staustufen an der Elbe. Man ist nicht bereit der Stimme der Öffentlichkeit zu lauschen - weder aus der tschechischen noch der deutschen, und auch nicht andere Alternativen zu erwägen."

Unterstützung finden die Umweltschützer beim tschechischen Umweltminister Milos Kuzvart, der sich mehrmals entschieden gegen das Staustufenprojekt ausgesprochen hat. Aktivist Jan Dostal befürchtet jedoch, dass das Bauvorhaben durch einen entsprechenden Regierungsentscheid, also politisch, durchgedrückt werden könnte. Wenn es um die Wirtschaft geht, muss der Umweltschutz eben zurückstehen - wie so oft in diesem schon beinahe traditionellen Konflikt.

Autor: Olaf Barth
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