Streitpunkt Braunkohle: Industrieminister will Förderung in Nordböhmen ausweiten

Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Horní Jiřetín ist rund 90 Kilometer von Prag entfernt und wäre mit seinen 2500 Einwohnern eigentlich kaum der Rede wert. Doch der Ort liegt mitten im größten Braunkohlefördergebiet Tschechiens. Seit Jahren wird hierzulande diskutiert, ob der Tagebau entgegen früherer Beschlüsse doch wieder ausgebaut werden soll. Für die Einwohner von Horní Jiřetín hätte das im schlimmsten Fall sogar die Umsiedlung zur Folge. Nun hat sich Industrieminister Jan Mládek mit neuen Plänen zu Wort gemeldet.

Grube ‚Tschechoslowakische Armee‘  (Foto: Tomáš Adamec,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Im nordböhmischen Becken wird seit dem 15. Jahrhundert Braunkohle abgebaut. Nach einem Beschluss von 1991 sollte die Förderung der fossilen Brennstoffe bis 2022 auslaufen. Seit mehr als zehn Jahren wollen verschiedene Tagebaubetreiber aber durchsetzen, dass die Förderobergrenzen aufgehoben und weitere Gebiete erschlossen werden. Nun muss so bald wie möglich eine Entscheidung her, sagt Industrieminister Jan Mládek:

„Der Abbau dort gestaltet sich so, dass er sehr schnell an die festgelegten Grenzen stoßen wird. Daher ist es notwendig zu wissen, wie es weitergeht, ob beispielsweise in der Grube ‚Tschechoslowakische Armee‘ weiter abgebaut wird oder wann der Abbau endet.“

Jan Mládek  (Foto: ČT24)
Ins Gespräch gebracht hat der Industrieminister nun zwei Varianten. Erweitert werden sollen die Limits entweder für die Grube Bílina, die dem größten tschechischen Energiekonzern ČEZ gehört, oder aber für die besagte Grube namens „Tschechoslowakische Armee“.

„Eigentlich gibt es derzeit schon einen Konsens darüber, dass nichts gegen einen Ausbau der Förderlimits in der Bílina-Grube spricht. Eine schwierigere Debatte gibt es allerdings über die Grube ´Tschechoslowakische Armee´.“

Vladimír Buřt  (Foto: Jirka Dl,  CC BY-SA 2.0)
Diese Grube grenzt nämlich direkt an das Städtchen Horní Jiřetín und dessen Ortsteil Černice. Bürgermeister der Gemeinde ist seit vergangenem Oktober Vladimír Buřt. Seine Reaktion auf Mládeks Vorschlag kam prompt:

„Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würde diese neue, sehr große Abbaufläche bis auf wenige Meter an die bebauten Areale und die nächsten Häuser heranreichen. Dies halte ich aber im Interesse unserer Ortschaft für nahezu unmöglich an. Diese Variante erscheint uns keine gute zu sein.“

Nach früheren Planungen hätten die Einwohner von Horní Jiřetín und Černice ihre Heimat sogar verlassen müssen. Buřt erkennt daher in Mládeks Vorstoß wenigstens einen kleinen Fortschritt. Der Umweltaktivist kämpft seit Jahren für das Ende des Braunkohleabbaus in der Region. Geboren wurde er in Albrechtice, einem Ort, der einst dem Abbau der Kohle weichen müsste. Ein zweites Mal will er das auf jeden Fall verhindern und setzt sich weiterhin für den Stopp des Tagebaus ein, der 1991 beschlossen wurde:

Horní Jiřetín  (Foto: Hadonos,  CC BY-SA 3.0)
„Das ist eigentlich die einzige Variante, die hier tatsächlich ein normales Leben garantiert. Sie garantiert eine Entfaltung von Horní Jiřetín, den Bau von Häusern und Wohnungen. Wir werden daher natürlich weiterhin versuchen, die Einhaltung der Abbaugrenzen in ihrem bisherigen Umfang durchzusetzen“.

Bei einer Umfrage in Horní Jiřetín haben sich im vergangenen Jahr 57 Prozent der Einwohner gegen den Abbau von Kohle in ihrer Gemeine ausgesprochen. Angesichts der jüngsten Äußerungen von Mládek scheint ein genereller Abbaustopp aber unwahrscheinlich. Wie es weitergeht für Horní Jiřetín und den Tagebau rundherum entscheidet sich im März. Bis dahin will sich Mládek vor Ort ein Bild machen und dann einen der Vorschläge ins Kabinett einbringen.

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