Sudetendeutscher Tag und Winton-Kinder: Das Festival Meeting Brno lädt ein

Am 21. Mai beginnt das Festival Meeting Brno. Seine Veranstalter wollen wichtige gesellschaftliche Themen ansprechen und zur Verständigung beitragen. Eines der Ziele ist vor allem die Versöhnung sowie der Abbau von Vorurteilen zwischen den Tschechen und den Nachkommen von deutschen Bewohnern, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden. Die Veranstalter haben diesmal auch die Landsmannschaft nach Brünn eingeladen, um dort beim Sudetendeutschen Tag zusammenzutreffen. Die tschechische Regierungspartei „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD) organisierte diese Woche in Brünn jedoch eine Demonstration gegen die Sudetendeutschen. Und die Festivalinitiatoren bekommen seit letzter Woche Drohbriefe. Martina Schneibergová traf auf der Konferenz „Vergangenheit verbindet“, die Mitte April in der Deutschen Botschaft in Prag stattfand, den Festivaldirektor Petr Kalousek und führte das folgende Interview.

Petr Kalousek | Foto: Festival Meeting Brno

Herr Kalousek, wie ist das Festival Meeting Brno entstanden?

„Das Festival entstand 2015. Der Brünner Stadtrat verabschiedete damals eine Erklärung über Versöhnung und eine gemeinsame Zukunft. Damals kam David Macek auf die Idee, das Festival zu gründen.“

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Festival und seinen Teilnehmen aus den letzten Jahren?

„Wir finden die Entwicklung des Festivals positiv. In diesem Jahr gibt es eine Sonderveranstaltung – zum ersten Mal wird der Sudetendeutsche Tag in Tschechien stattfinden.“

Vor kurzem hat eine Gruppe von Menschen direkt im Sitzungssaal des Rathauses gegen den Tag protestiert. Dabei wurden die Stadtverordneten teilweise recht vulgär beschimpft. Haben Sie mit diesen Reaktionen gerechnet?

„Um ehrlich zu sein, mussten wir schon einige Proteste erwarten. Es ist ein Paradox, dass Politiker, die protestieren, dasselbe Vokabular nutzen wie die NSDAP in den 1930er Jahren in Deutschland.“

Kann man von Extremisten sprechen?

„Es sind Extremisten von den beiden Seiten – extrem rechts und extrem links.“

Die Oberbürgermeisterin von Brünn hat inzwischen das Festival unterstützt, das Stadtparlament hat sich für die Erfüllung der Deklaration über die Versöhnung von 2015 ausgesprochen. Was sind die Highlights des diesjährigen Festivals?

„Dazu gehören zwei Gedenkakte. Die Gedenkveranstaltung für die Holocaust-Opfer wird auf dem Brünner Hauptbahnhof veranstaltet. Und danach gibt es einen Gedenkakt im Kaunic-Studentenheim. Was ich persönlich für besonders spannend halte, ist die Teilnahme einiger sogenannter ,Winton-Kinder‘ am Festival. Es sind zwei Frauen aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die von Sir Nicholas Winton 1939 mit den Hunderten anderer Kinder vor den Nationalsozialisten gerettet worden sind. Auch der Sohn Nick Winton wird zum Festival kommen. Sie werden alle während des Sudetendeutschen Tags an einer Diskussion teilnehmen.“

Der Hauptteil des Festivals Meeting Brno dauert vom 21. bis 31. Mai. Einige Veranstaltungen finden schon vorher statt. Mehr über das Programm erfahren Sie unter www.meetingbrno.cz/de/festival-program.

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