Teynorgel

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Willkommen zum heutigen Spaziergang durch Prag. Am vergangenen Sonntag erklang die Orgel in der Kirche Muttergottes vor dem Teyn in Prag nach einer zweijährigen Rekonstruktion wieder. Während eines feierlichen Gottesdienstes wurde die Orgel vom Prager Bischof Jaroslav Skarvada geweiht. In die Teynkirche mit der soeben renovierten wertvollen Orgel laden Sie Martina Schneibergova und Ladislav Kylar ein.

Schon mehr als dreihundert Jahre erklingen die Pfeifen der Orgel in der Teynkirche. Das Schicksal der ältesten erhaltenen Prager Orgel ist mit der Geschichte der Stadt an der Moldau eng verbunden. Begeben wir uns jetzt in die Vergangenheit, zurück zum Anfang des Barock in Böhmen am Ende des 17. Jahrhunderts, in die Zeit, die wegen der politischen Lage in Böhmen nach der Schlacht am Weißen Berg von späteren Literaten als "die dunkle Periode im Leben der böhmischen Nation" bezeichnet wurde. Es ist aber nicht alles wahr, was in den Büchern geschrieben steht; und deshalb können Sie in den nächsten Minuten ein Stück des geistigen Reichtums alter Handwerker und Musiker und der künstlerischen Kraft des Barock genießen.

Aufgrund der erhaltenen Dokumentation wissen wir heute vieles sowohl über den Baumeister der Orgel in der Teynkirche, als auch über das Schicksal der Orgel selbst. Die Gegenreformation brachte viele ausländische Künstler und Handwerker nach Böhmen. Unter ihnen war auch ein gewisser Hans Heinrich Mundt, geboren 1632 in Köln am Rhein. Vermutlich kam Mundt in den Jahren seiner Wanderschaft nach Böhmen und wurde dann auch hier ansässig. Orgelbau hatte er in Prag bei Hieronymus Artmann gelernt. Vor der Teynorgel baute er bereits verschiedene Orgeln - im Zisterzienserkloster Osseg in Nordböhmen und zum Beispiel auch in der St. Thomaskirche auf der Kleinseite. Von diesen ist heute leider nichts mehr erhalten.

Ende September des Jahres 1670 erhielt Mundt ein Angebot vom Magistrat der Prager Altstadt. Der Vertrag wurde sofort unterschrieben und noch im November hat man angefangen zu bauen. Innerhalb von drei Jahren wurde die neue Orgel in der Teynkirche fertig.

Bis vor kurzem ist die alte Mundt-Orgel in der Teynkirche fast so erhalten geblieben, wie sie gebaut worden war - ein Wunder, wenn man es mit dem Schicksal anderer Orgeln nicht nur im Lande, sondern auch im europäischen Maßstab vergleicht. Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass man an der Orgel kaum etwas gemacht hat - und dem entsprach auch ihr Zustand. Dr. Hans Wolfgang Theobald, Leiter der Restaurierungsabteilung der Bonner Orgelbau-Firma Klais: Die Rekonstruktion dauerte im Prinzip genauso lange wie der Bau der Orgel selbst und kostete fast genauso viel. Das Projekt, das insgesamt ca. 1,3 Mio. DM kostete, wurde von der Bundesregierung mit einer Million DM unterstützt. Der bereits erwähnte Betrag entspricht etwa der Summe von 3000 Gulden, die Mundt im Jahre 1670 für die neue Orgel bekommen hat - eine Summe, für die man nicht nur damals, sondern auch heute in Prag 3 Häuser kaufen könnte. Die ganze Orgel musste bis auf kleinste Teile auseinandergenommen werden, die dann in mehr als 20 großen Kisten nach Bonn transportiert wurden.

Hier aber begann erst die wirkliche Arbeit. Jedes Teil musste dokumentiert, gesäubert beziehungsweise repariert werden, bevor man sagen konnte, dass es für das Einsetzten in die neue Orgel vorbereitet ist. Die Holzwurmlöcher mussten abgedichtet und die feine mechanische Traktur ausgewogen und gestimmt werden. Dabei lief alles nach folgendem Prinzip: was noch funktioniert und erhalten werden kann, das muss auch so bleiben. Natürlich - der moderne Orgelbau ist in technischer Hinsicht viel weiter entwickelt als die Methoden am Ende 17. Jahrhunderts, man könnte - und das ist auch bei vielen Rekonstruktionen passiert - beschädigte Teile einfach ersetzen. Das wäre aber ein großer Fehler. Nicht vieles wurde an der Orgel während der Jahrhunderte verändert. Natürlich wurde sie auch ab und zu repariert - vor allem nach den vielen Bränden, die die Teynkirche im Laufe der Geschichte beschädigt haben. Größere Reparaturen mussten erst am Anfang des 19. Jahrhunderts durchgeführt werden. Der kaiserlich-königliche Orgelbauer Josef Gartner veränderte damals die Stimmung, ersetzte aber auch einige Teile, unter anderem die Klaviatur und teilweise auch die mechanische Traktur.

Weiterhin hat das Instrument seitdem auch manche neuere Pfeife. Dennoch: im Prinzip ist die Teyn-Orgel in dem Zustand, in dem sie von Mundt gebaut wurde, erhalten geblieben. Bemerkenswert ist, dass man bei der derzeitigen Rekonstruktion feststellte, dass dank der guten Materialauswahl die ursprüngliche Gestaltung von Mundt in besserem Zustand erhalten geblieben ist, als die reparierten Teile von Gartner. Aber auch andere interessante Dinge sind entdeckt worden, z.B. die Bauinschriften von Hans Heinrich Mundt. Man wusste zwar, dass sie existieren, aber nicht mehr, wo sie sich in der Orgel befinden.

Anlässlich der festlichen Weihe der Orgel wurde ein Prag die Internationale Woche der Teyn-Orgel veranstaltet.

Autoren: Martina Schneibergová , Ladislav Kylar
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