Theaterfestival „Ein Stück Tschechien“ führt drei szenische Lesungen auf

Lesung Die perverse Margaret, 2024

Das Theaterfestival „Ein Stück Tschechien“ gibt es nun schon seit 2014. Es präsentiert neues tschechisches Drama in Berlin. An diesem Sonntag finden drei szenische Lesungen statt. Mehr über das Festival und die Arbeit der Kulturschaffenden erfahren Sie im folgenden Interview mit der Dramaturgin und Produktionsleiterin des Festivals, Barbora Schnelle.

Wie kam es zu dem Festival „Ein Stück Tschechien“?

Dramaturgin und Produktionsleiterin des Festivals Barbora Schnelle | Foto: Jan Handrejch,  Drama Panorama

„Das Festival gibt es seit 2014 in Berlin. Es wird vom Verein Drama Panorama veranstaltet. Dieser Verein bringt Theaterübersetzer*innen zusammen. Wir veranstalten verschiedene Workshops und szenische Lesungen von neuen Theaterstücken. Ich bin eine tschechische Theaterwissenschaftlerin, und als ich nach Berlin umgezogen bin, habe ich mich in der Stadt umgesehen und festgestellt, dass tschechische Stücke hier kaum bekannt sind und nur selten gespielt werden. Umgekehrt sieht es ganz anders aus. Wir haben in Prag das „Prager Theaterfestival deutscher Sprache“, das viele Inszenierungen zeigt. Und es werden generell viele deutschsprachige Theaterstücke auf den tschechischen Bühnen gespielt. Deswegen habe ich gedacht, es wäre spannend hier tschechisches Theater vorzustellen und tschechische Dramen ins Deutsche zu übersetzen. Also haben wir das Festival 2014 ins Leben gerufen. Wir haben damals festgestellt, dass Berlin eine Drehscheibe für das europäische Theater ist. Es ist wichtig, gerade im mitteleuropäischen Raum eine deutsche Übersetzung von einem Stück zu haben, weil das deutschsprachige Theater eine große Ausstrahlungskraft innerhalb Europas hat.“

Und was sind die Themen dieses Jahr bei den Lesungen, die noch am 29. Juni kommen werden?

„Am 29. Juni präsentieren wir drei neue Stücke von tschechischen Dramatikerinnen. Zuerst führen wir das Stück von Hana D. Lehečková auf. Sie ist eine angesehene junge Prosaautorin, die auch fürs Theater schreibt. Mit ihrem Stück ‚Trollmama‘ liefert sie eine bittere Groteske aus dem Leben einer alleinerziehenden Mutter, die sich als Troll etwas dazuverdient und sich als Desinformatorin unter verschiedenen Profilen in der Online-Community bewegt. Der zweite Dramatiker ist Tomáš Rališ – ein ‚Shooting-Star‘ der tschechischen Theaterszene, der für seine Stücke mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Nach seinem Regie-Abschluss ist er Regisseur an den Prager Stadttheatern geworden. Auf dem Festival wird sein Stück ‚Ausgewohnt‘ präsentiert, in der es um eine aussichtslose Suche eines jungen Paares nach einer bezahlbaren Wohnung geht. Es ist wieder eine Groteske. Diese Ausbeutung, der sich die junge Familie aussetzen muss, ist sehr überspitzt dargestellt. Das dritte Stück, ist von David Košťák. Er ist auch Autor und künstlerischer Leiter des Kleinen Theaters in České Budějovice. Er hat ein Zwei-Personen-Stück geschrieben – ‚Die vergossene Milchstraße‘ – eine sehr intime Sonde in eine Vater-Tochter-Beziehung. Es ist die Geschichte eines ewig-jungen Vaters, der nach Jahren aus dem Weltall zurückkehrt und die fehlende Zeit mit seiner Tochter nachholen will.“

Wie ging die Festivaleröffnung vonstatten?

„Der diesjährige Auftakt des Festivals am 10. Juni im Theater unterm Dach fiel mit dem Jahrestag des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Prag zusammen. Also haben wir auch einen kleinen Empfang veranstaltet und diese Städtepartnerschaft mit tschechischem Bier und Sekt und natürlich mit kleinen Häppchen gefeiert. Es war eine sehr feierliche Festivaleröffnung. Und ich war sehr glücklich, dass auch die Vertreter*innen unserer Förderer dabei waren. Für den Berliner Senat hat Georg Klußmann, der Protokollchef des Landes Berlin, eine Rede gehalten. Und von der Stadt Prag reiste die Leiterin der Abteilung ‚Internationale Beziehungen‘, Zuzana Hocková, an. Beide hielten eine Rede und haben unsere Arbeit somit auch gewürdigt.“

Wer finanziert das Festival?

„Wir sind sehr froh, dass wir seit Jahren kontinuierlich durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds finanziert werden – und seit den letzten Jahren auch durch den Berliner Senat, also durch den regierenden Bürgermeister von Berlin. Das sind zwei sehr wichtige Förderer unseres Festivals. Wir haben natürlich – wie alle solche Festivals – eine absolute Mischfinanzierung, die von Jahr zu Jahr variiert. Die Agentur Dilia, die die Autor*innen vertritt, beteiligt sich auch an den Übersetzungen. In der Vergangenheit wurden wir auch durch das tschechische Kulturministerium unterstützt. Wir sind froh, dass wir diese zwei großen Förderer, die ich zuerst genannt habe, verlässlich dabei haben. Denn ansonsten ist es sehr schwierig. Gerade die freie Kulturszene kämpft jetzt mit den Kürzungen und das spüren wir natürlich auch.“

Für die szenischen Lesungen diesen Sonntag gibt es noch Restkarten. Diese sind erhältlich auf der Webseite www.theateruntermdach-berlin.de. Derzeit bereitet der Verein Drama Panorama zudem eine Anthologie mit mehreren Texten tschechischer Dramenautoren vor. Die Publikation soll 2026 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden, bei der Tschechien Gastland ist.

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