Thomas Klestil in Prag

Vaclav Klaus und Thomas Klestil, Foto: CTK

Tschechien und Österreich sollten enger zusammenarbeiten. Wenn die EU-Osterweiterung abgeschlossen ist, werden die kleinen Mitgliedsstaaten ihre nationalen Interessen gemeinsam verteidigen müssen. Das sagten gestern der tschechische Präsident Václav Klaus und sein österreichischer Amtskollege Thomas Klestil. Bei ihrem Treffen auf der Prager Burg war unser Mitarbeiter Martin Jezek dabei.

Vaclav Klaus und Thomas Klestil, Footo: CTK
Thomas Klestil ist gleich mit einem Angebot nach Prag gekommen. Er schlägt vor, dass Oesterreich die Erfahrungen aus seiner Mitgliedschaft in der EU dem weniger erfahrenen tschechischen Nachbarn zur Verfuegung stellen wird, insbesondere wenn es darum geht, wie man sich als kleinerer Staat in der EU durchsetzen kann. Die beiden Praesidenten sind sich einig geworden, dass Tschechien und Oesterreich viele gemeinsame Probleme haben werden und diese dann gemeinsam angehen koennen.

"Ich will hier unser Angebot und Wunsch vermitteln. Österreich kenn seinem Freund die Erfahrungen zur Verfügung stellen, die wir seit unserem EU-Beitritt gesammelt haben. Wir sollten mehr zusammenarbeiten. Nur so können kleinere Staaten besser gemeinsame Interessen gegen die großen EU-Mitglieder behaupten."

Thomas Klestil zeigte sich erfreut darüber, dass die Tschechen in ihrem Referendum so eindeutig für den EU-Beitritt gestimmt haben. Václav Klaus reagierte darauf mit der Bemerkung, er hoffe, dass Österreich den Beitritt genauso eindeutig ratifizieren werde. Die beiden Präsidenten sehen in der Hinsicht keine Probleme, was die gemeinsame Nachkriegsgeschichte angeht, vor allem die Vertreibung der Sudetendeutschen. Thomas Klestil schätzte die Gesten von Ministerpräsident Vladimir Spidla und von Präsident Vaclav Klaus. Klaus hatte nämlich bei seinem letzten Besuch in Österreich die Vertreibung zu einem Thema erklärt, das für die heutige Gesellschaft nicht akzeptabel ist. Klaus stellt sich aber entschieden zu der gemeinsamen Geschichte.

"Ich muss hier gegen ein Wort ein bisschen protestieren. Ich denke, dass das Wort Versöhnung übertrieben, hochgestochen und unnötig ist. Ich bin zehnmal pro Jahr in Österreich und bin bis jetzt keinem Bürger begegnet, mit dem ich mich versöhnen müsste oder der sich mit mir versöhnen müsste."

Die vorherige Idee, dass eine Art tschechisch-österreichische Erklärung über die gemeinsame Geschichte unterschrieben wird, hat sich mittlerweile verloren. Thomas Klestil sagte, dass in allen Fragen ein bilateraler Dialog geführt werde, aber man nichts schriftlich festhalten werde. Václav Klaus ist ähnlicher Meinung, er wird in dieser Hinsicht keine Initiative ergreifen.

Präsident Klestil blieb nur kurz in Prag. Er flog vormittags an und nachmittags saß er schon wieder im Flugzeug nach Wien. Zum Schluss lud er Vaclav Klaus zu einem Besuch nach Wien ein. Klaus nahm die Einladung an.