Titelverteidiger Tschechien trifft im Viertelfinale auf Russland

Katerina Neumannova (Foto: CTK)

Von Lothar Martin.

Katerina Neumannova (Foto: CTK)
Die XIX. Olympischen Winterspiele in Salt Lake City neigen sich langsam aber sicher ihrem Ende zu. Nach einer Bronzemedaille zum Auftakt - sie wurde durch Skilangläuferin Katerina Neumannová im 15-km-Rennen in der freien Technik gewonnen - wartet die tschechische Mannschaft bisher vergeblich auf weiteren Medaillenzuwachs. Mit Neumannová über die 1,5-km-Sprintstrecke und mit Ales Valenta in der Trickski-Entscheidung der Männer hat man dabei noch zwei heiße Eisen im Feuer. Doch all diese Aussichten stehen letzten Endes im Schatten der Sportart, die hierzulande über alles geliebt und allerorten diskutiert wird - das Eishockey. Und da haben die Lieblinge der Nation - Jaromír Jágr, Dominik Hasek & Co. - mit ihren Leistungen bisher nicht enttäuscht, auch wenn sie schon einmal, gegen Schweden, den Kürzeren zogen.

Spätestens seit den Spielen 1998 in Nagano ist das Eishockeyturnier eine der ganz großen Attraktionen der Winterolympiade der Neuzeit geworden. Vor vier Jahren nämlich fiel eine weitere Barriere und erstmals nahmen auch die Cracks der nordamerikanischen NHL, also die besten Eishockeyprofis der Welt, bei Olympia teil. Daher genoss das Turnier von Nagano auch einen sehr hohen Stellenwert und wurde gar als "Jahrhundertturnier" bezeichnet. Entsprechend riesig und überschäumend war die Freude unter den tschechischen Spielern, Trainer und Anhängern vor vier Jahren, dieses Superturnier gewonnen zu haben. Und dabei die selbsternannten "Erfinder des Puckspiels", die USA und Kanada, auf dem Weg zum Olympiagold eliminiert zu haben. Kein Wunder, dass gerade diese beiden Nationen bei den Spielen in Salt Lake City, vor ihrer Haustüre also, auf die Revanche brennen und Tschechien, den Titelverteidiger und dreifachen Weltmeister der letzten drei Jahre, endlich vom Thron stoßen wollen.

Jiri Dopita (links) bejubelt sein Tor zur 3:2 Führung bei der Partie Tschechien-Kanada (Foto: CTK)
In der Vorrunde hat Tschechien jedoch einen starken Eindruck hinterlassen. Gegen die Überraschungsmannschaft der Qualifikation, Team Deutschland, wurde Eishockey zelebriert und 8:2 gewonnen. Bundestrainer Hans Zach sprach danach von "Eishockey von einem anderen Planeten" und die deutsche Presse von einer "Lehrstunde für die Deutschen". Doch schon in ihrer zweiten Begegnung mussten auch die Super-Tschechen erkennen, dass die Bäume noch nicht gleich in den Himmel wachsen. Trotz einer erneut starken spielerischen Vorstellung erwiesen sich die Schweden als einen Tick robuster, zielstrebigerer und cleverer und gewannen mit 2:1. Das hatte zur Folge, dass die Tschechen in ihrem abschließenden Gruppenspiel gegen den Dauerrivalen Kanada nur noch um den zweiten Gruppenplatz spielen konnten, der für das Viertelfinale einen weitaus stärkeren Kontrahenten bereit hält, als für den Gruppensieger. Es war jedoch auch eine Menge Prestige im Spiel. Denn die Kanadier, die in den letzten Jahren bei großen Turnieren nie an den Tschechen vorbeikamen, wollten es den schlitzohrigen Europäern endlich zeigen. Aber es gelang wieder nicht, die Partie endete 3:3-unentschieden, ein Ergebnis, was dem tschechischen Team den 2. Gruppenplatz einbrachte. Spiel und Ergebnis wurden vom tschechischen Verteidiger Pavel Kubina wie folgt bewertet: "Ich denke, wir konnten dieses Spiel ohne weiteres gewinnen. Ich denke nur an das zweite Tor der Kanadier, das keines war, weil die Kanadier nur versucht haben, unseren Torwart, der den Puck unter sich begraben hatte, mitsamt der Scheibe über die Linie zu drücken, was der Schiedsrichter auch noch als Erfolg wertete. Schade war nur das erste Drittel, wo es für uns noch nicht so gut lief. Danach aber hatten wir jede Menge Chancen, trafen den Pfosten oder aber das leere Tor nicht, was zeigt, dass wir hätten gewinnen müssen. Aber der Schiedsrichter hat den Kanadiern erneut geholfen."

Im Viertelfinale allerdings müssen sich die Tschechen selbst helfen. Und endlich ihre Chancenverwertung verbessern. Denn man trifft auf den wohl stärksten Gegner der anderen Gruppe, nämlich Russland. Und da zählt nur der Sieg. Ansonsten ist der Traum vom erneuten Gold bereits am späten Mittwochabend unserer Zeit ausgeträumt. Daran wollen die hiesigen Eishockeyfans jedoch gar nicht erst denken. Aber selbst im Falle eines Misserfolgs sind die Jágr, Hasek & Co. für sie immer noch die Allerbesten.