Tschechien bringt Verkaufsverbot von Nikotinsäckchen an Minderjährige auf den Weg

Nikotinsäckchen

Sie enthalten mehr Nikotin als gewöhnliche Zigaretten, dürfen in Tschechien aber trotzdem an Unter-18-Jährige verkauft werden: Sogenannte Nikotinsäckchen sind hierzulande vor allem bei Jugendlichen beliebt. Das Abgeordnetenhaus verhandelt nun eine strengere Regulierung.

Klára Kocmanová | Foto: Tschechische Piratenpartei,  Flickr

Das Thema tauchte im vergangenen Jahr hierzulande öfter auf: Nikotinsäckchen waren plötzlich der Hit und wurden in Tschechien von immer mehr Minderjährigen konsumiert. Seit dem Sommer wird eine Regulierung diskutiert, am Donnerstag beschäftigt sich nun die untere Parlamentskammer damit. Das Problem schildert die Abgeordnete der Piratenpartei Klára Kocmanová:

„Der Verkauf von Nikotinsäckchen ist im Unterschied zu Tabakprodukten derzeit nicht reguliert. Sie enthalten zwar keinen Tabak, dafür aber Nikotin, und dies oft in höherer Menge als in klassischen Zigaretten. Nikotin ist ein starker Suchtstoff und gehört deshalb nicht in die Hände von Kindern.“

Kocmanová ist eine der Autorinnen einer Gesetzesnovelle, nach der Nikotinsäckchen in Tschechien künftig nur noch an Personen ab 18 Jahre verkauft werden sollen. Die Gruppe der Antragsteller setzt sich sowohl aus Abgeordneten der fünf Regierungsparteien als auch der Oppositionspartei Ano zusammen.

Alkohol und klassische Zigaretten | Foto: Pixabay,  CC0

Mit dem vorgesehenen Verkaufsverbot an Minderjährige würden für die Tütchen die gleichen Regeln gelten wie für Alkohol und klassische Zigaretten. Dies bezieht sich auf Geschäfte, Online-Shops und Automaten. Damit wären Nikotinsäckchen auch nicht mehr in Schulen käuflich zu erwerben. Gerade dort wurde in den vergangenen Monaten ein zunehmender Konsum beobachtet. Etwa in einer Grundschule in Adamov, nördlich von Brno / Brünn. Ilona Martochová ist die dortige Präventionsbeauftragte und beschrieb in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„In einer Klasse traten Probleme auf, weil den Schülern unwohl war. Im Gespräch gaben einige von ihnen zu, Nikotinsäckchen ausprobiert zu haben, woraufhin ihnen sehr schlecht geworden sei. Es ist also eine gefährliche Sache. Die Produkte zielen auf junge Leute ab – sie sind frei verfügbar, relativ billig und in hübschen Schachteln verpackt.“

Nikotinsäckchen werden zudem in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten, so etwa Kaugummi, Fruchtlolli oder Champagner. Darum hinterlassen sie auch kaum Geruchsspuren.

Nikotinsäckchen mit verschiedenen Geschmacksrichtungen | Foto: Jakubdrastich2,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Weil sie frei zugänglich sind, sei der Konsum von Nikotinsäckchen schon für elfjährige Schüler eine normale Sache, warnt auch Tomáš Jandáč. Er betreut junge Patienten an der Suchtklinik der Ersten medizinischen Fakultät der Karlsuniversität und der Allgemeinen Uniklinik in Prag:

„Sogar während der Konsultation holen die Kinder die Nikotinsäckchen hervor und stecken sie sich unter die Lippe. Sie denken gar nicht darüber nach.“

Ursprünglich waren die weißen Beutelchen für Menschen gedacht, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Ohne Tabak konsumieren zu müssen, kommt es über die Mundschleimhäute zu einer schnellen Nikotinzufuhr. Während die Wirkstoffmenge bei einer Zigarette anderthalb bis zwei Milligramm beträgt, sind es bei einem Nikotinsäckchen zumeist zwei bis sieben Milligramm. Auf dem Markt sind aber auch Produkte mit 50 Milligramm Nikotin. Darum will das tschechische Gesundheitsministerium durch eine Verordnung den Nikotingehalt auf maximal zwölf Milligramm begrenzen. Das Dokument wird derzeit vom Legislativrat sowie der Europäischen Kommission geprüft und soll im Juli in Kraft treten.

Věra Adámková | Foto: ČT24

Angesichts des bisher freien Verkaufs mahnt Věra Adámková von der oppositionellen Ano-Fraktion im Abgeordnetenhaus:

„Man muss sich klarmachen, dass Nikotin eine sehr gefährliche Droge ist. Und dies vor allem für junge Menschen, bei denen sich die Abhängigkeit sehr schnell einstellt. Eine Behandlung ist überhaupt nicht so einfach, wie viele es glauben. Darum ist es nicht angebracht, dass Nikotinsäckchen für Jugendliche frei zugänglich sind.“

Mit dieser Begründung soll die Gesetzesnovelle zum Verkaufsverbot an Minderjährige im Schnellverfahren schon nach der ersten Lesung vom Abgeordnetenhaus verabschiedet werden. Die Chancen stehen gut, denn der Entwurf wurde bereits von 70 der insgesamt 200 Parlamentarier unterschrieben.