Tschechien geht nach Weihnachten zur Corona-Risikostufe fünf über

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Die Corona-Lage in Tschechien hat sich erneut verschlechtert. In den letzten sechs Tagen wurde anhand der Indikatoren im anti-epidemischen System (PES) des Gesundheitsministeriums stets ein Wert registriert, der der fünften und damit höchsten Risikostufe entspricht. Diesem Fakt will die Regierung die landesweiten Restriktionen anpassen.

Foto: Martin Pařízek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Am Dienstag sind in Tschechien 10.821 neue Corona-Fälle registriert worden, so viele wie zuletzt am 6. November. Der Anteil der positiven Befunde aller Tests stieg auf 34 Prozent, und der Wert im Corona-Risikosystem auf 81 von 100 Punkten. Für die Regierung war klar, dass sie den Lockdown weiter verschärfen muss. Als Gesundheitsminister Jan Blatný (parteilos) nach einer längeren Kabinettssitzung am Mittwoch vor die Medien trat, verwies er zunächst auf die Vorbedingung, die für die Umsetzung der Restriktionen notwendig ist:

„Die Regierung ist sehr froh über die Entscheidung des Abgeordnetenhauses, den Notstand zu verlängern. Ohne diesen Schritt wären die Einschränkungen, die in der vierten und fünften Stufe des Risikosystems einzuhalten sind, nicht möglich. Der Verlängerung um 30 Tage bis zum 22. Januar 2021 hat die Regierung zugestimmt.“

Jan Blatný  (Foto: ČTK / Vít Šimánek)

Danach erklärte Blatný, dass die Maßnahmen der Risikostufe vier noch über das gesamte Weihnachtsfest andauern werden, also bis zum 26. Dezember um Mitternacht. Zudem gab er eine kleine Änderung bekannt:

„Es wurde eine Ausnahme für den 24. Dezember gebilligt. Auch wenn dies ein Feiertag ist, können der Einzelhandel und die Dienstleister ihre Läden bis um 12 Uhr geöffnet haben.“

Darüber hinaus bestätigte Blatný, dass die Menschen an Heiligabend die Mitternachtsmesse besuchen können, die in einer Kirche ihres Umfelds stattfindet – allerdings nur in der Personenstärke, wie es die Stufe vier vorschreibt. Nach dem zweiten Weihnachtstag aber müssen sich alle Bürger und Gäste des Landes auf neue Bedingungen einstellen:

Foto: Martin2035,  Wikimedia Commons,  CC BY 4.0

„Ab dem 27. Dezember gehen wir zur Risikostufe fünf über. Dadurch werden alle Geschäfte des Handels und alle Dienstleistungsbetriebe geschlossen. Des Weiteren wird die Ausgangssperre verlängert, sie tritt bereits ab 21 Uhr in Kraft und endet um fünf Uhr morgens des Folgetags. Und explizit möchte ich betonen, dass für diese Sperrstunde keine Ausnahmen erteilt wurden.“

Blatnýs letzte Bemerkung war ein eindeutiger Hinweis auf die Silvesternacht, in der sich am Ende des Jahres also keine Menschen nach 21 Uhr im Freien aufhalten dürfen – es sei denn, sie sind beruflich tätig oder sie gehen mit ihrem Hund kurz Gassi. Der Minister bat alle Bürger ausdrücklich, diese Anordnung zu befolgen und die Silvesternacht nur im engsten Familien- oder Freundeskreis in den eigenen vier Wänden zu begehen. Dies könnte sogar den positiven Nebeneffekt haben, dass häufige und vor allem schwere Verletzungen beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern diesmal weitestgehend ausbleiben, so Blatný.

Geschlossenes Restaurant  (Foto: ŠJů,  Wikimedia Commons,  CC BY 4.0)

Der Minister betonte, dass ab Sonntag nur noch Geschäfte mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Artikeln des täglichen Bedarfs geöffnet haben werden. Dabei werde es auch keine Unterschiede zwischen großen Supermärkten und kleinen Läden der Einzelhändler geben. Gaststätten, die wie Hotels und Pensionen nach wie vor geschlossen bleiben, dürfen ihre Gerichte und nichtalkoholischen Getränke weiter über ein Ausgabefenster verkaufen, allerdings nur in der Zeit außerhalb der Ausgangssperre. In einen sauren Apfel müssen auch die Betreiber der Wintersportzentren beißen:

„Ab dem 27. Dezember wird ebenso der Betrieb der Lifte und Seilbahnen an den Skipisten eingestellt. Das ist eine Maßnahme, die der Risikostufe fünf entspricht.“

Foto: Jan Markup,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Und diese Stufe hält auch Veränderungen im Schulwesen bereit:

„Nach dem Ende der Weihnachtsferien werden am 4. Januar nur die Kinder der ersten und zweiten Klasse zum Unterricht an ihre Schulen zurückkehren. Ebenso nehmen die Kindergärten und die Schul-Vorbereitungsklassen ihren Betrieb wieder auf. Alle anderen Schülerinnen und Schüler werden in den Distanzunterricht übergehen. Diese Maßnahme gilt vorerst bis zum 10. Januar nächsten Jahres.“

In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks am Mittwochmorgen bekräftigte der Leiter des Instituts für Gesundheitsinformationen und Statistik, Ladislav Dušek, dass sich die epidemiologische Lage in ganz Europa verschlechtert habe. Von daher sei Tschechien keine Ausnahme darin, dass Weihnachten und Silvester dieses Jahr nur unter strengen Restriktionen gefeiert werden dürfen.