Tschechien schickt Soldaten in den Anti-Terror-Kampf

Tschechoslowakische Antichemische Einheit aus Liberec in der Saudi Arabien im J. 1991 (Photo: CTK)

Der Kampf gegen den internationalen Terrorismus weitet sich aus. Da den Vereinigten Staaten inzwischen ziemlich wahrscheinliche Erkenntnisse über weitere geplante Anschläge der Al-Kaida und deren Helfershelfer vorliegen, hat die Weltmacht nun auch einige ihrer NATO-Verbündeten um konkrete Hilfe gebeten. Darunter die Tschechische Republik, der am Donnerstag über den Prager US-Botschafter Craig Stapleton das Ersuchen Washingtons herangetragen wurde, die 9. Kompanie der Antichemischen Einheit aus Liberec/Reichenberg für die militärischen Anti-Terror-Einsätze bereitzustellen. Näheres von Lothar Martin.

Tschechoslowakische Antichemische Einheit aus Liberec in der Saudi Arabien im Jahre 1991 (Photo: CTK)
Zu Beginn dieser Woche, am Montag und Dienstag, haben sich die ersten tschechischen Soldaten aktiv in die Anti-Terror-Front eingereiht. Es handelte sich dabei um die Besatzungen des Verkehrsflugzeuges TU-154, was die Tschechische Republik zum Personen- und Materialtransport unter den NATO-Verbündeten abgestellt hat. Doch nun wartet eine noch größere und qualitativ höhere Aufgabe auf die Berufssoldaten einer tschechischen Spezialeinheit - der unmittelbare Einsatz in Krisengebieten. Nicht von ungefähr haben die USA die tschechische Regierung um die wahrscheinliche Nutzung der Dienste der Antichemischen Einheit aus Liberec gebeten, hatte diese sich doch bereits hervorragend im Golfkrieg bewährt. Sie konnte damals - im Gegensatz zu anderen ähnlichen Einheiten einschließlich der amerikanischen - das Vorkommen von Giftstoffen aller Art einwandfrei enthüllen.

1996 zeigte sich auch der damalige stellvertretende US-Verteidigungsminister Theodor Prociv von dem Können der Spezialisten sehr beeindruckt, wobei er darauf verwies, dass die Reichenberger Soldaten nebst ihrer Technik und Ausrüstung ein solch hohes Niveau aufweisen, wie es in der Welt nur noch selten anzutreffen ist. Den Grund für die hohe Leistungsfähigkeit der Spezialeinheit nennt der Pressesprecher des 1. Ausbildungsstützpunktes der Antichemischen Truppe in Liberec, Major Hampl: "Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass diese Einheit aus lauter Vollprofis besteht und sie bereits eingegliedert ist unter die Streitkräfte der schnellen Eingreiftruppe der NATO. Das bedeutet, sie ist ständig darauf vorbereitet, augenblicklich und überall in der Welt eingesetzt zu werden, und das auch in direkte Kampfhandlungen. Die Soldaten dieser Kompanie trainieren tagtäglich und sie sind so ausgebildet, dass sie stets auf dem neuesten Stand der Technik und Entwicklung und ihre Fähigkeiten darauf abgestimmt sind."

Der Antichemischen Kompanie aus Liberec gehören derzeit 158 Soldaten an. Für ihren bevorstehenden Einsatz wird sie auf 300 Mann aufgestockt, da ihr sowohl Wach- als auch Funksoldaten zur Seite gestellt werden. Wohin aber die Reise geht, sprich: wo der voraussichtliche Einsatz erfolgen wird, wird streng geheimgehalten. Doch vieles deutet darauf hin, dass die tschechischen Spezialisten zur antichemischen, antibakteriologischen oder auch antiradioaktiven Präsenz in den Vereinigten Staaten gebraucht werden. Wie die Soldaten auf eine solche Aufgabe in der Anti-Terror-Allianz eingestellt sind, dazu sagte Major Hampl: "Nun, als ich die Möglichkeit hatte, mit einigen von ihnen zu sprechen, war selbstverständlich zu sehen, dass sie durch und durch Profis sind, die ein gewisser Stolz verbindet, Angehöriger der 9. Kompanie zu sein. Andererseits ist eine gewisse menschliche Furcht darüber, nicht zu wissen, in welch unbekannter Gegend der Einsatz erfolgen könnte, nicht von der Hand zu weisen."