Tschechien schützt sich gegen Maul- und Klauenseuche

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Herzlich willkommen liebe Hörerinnen und Hörer, am Mikrophon begrüßt Sie Olaf Barth.

Über 600 Fälle in Groß-Britannien und täglich neue Seuchenfälle - mal in Belgien, dann in den Niederlanden, gestern in Frankreich, heute in Irland und morgen? Wer weiß das schon. Die Maul- und Klauenseuche, die vor 5 Wochen in der englischen Region Essex ausbrach, ist längst über den Ärmelkanal geschwappt und droht nun langsam aber sicher einen europäischen Staat nach dem anderen zu überschwemmen. Obwohl die EU- Staaten diesmal frühzeitig Vorkehrungen trafen, um eine Ausbreitung der Seuche wie im Falle von BSE zu verhindern, zeigt sich einmal mehr, wie schwierig es ist, ein grassierendes Virus an seiner weiteren Verbreitung zu hindern.

Um sich vor einem Überspringen der Epidemie zu schützen, hatte die Tschechische Republik bereits am 15.03. massive Maßnahmen getroffen: Seit diesem Tag nämlich werden alle aus den EU- Staaten in die Tschechische Republik einreisenden Personen und alle Kraftfahrzeuge an den Grenzen desinfiziert, d.h. die Reifen der Fahrzeuge sowie die Schuhsohlen der Reisenden werden mit einer speziellen Chlormischung gereinigt. Des Weiteren dürfen Reisende keine Lebensmittel tierischer Herkunft einführen, müssen diese also noch an den Grenzübergängen entsorgen. Diese Regelungen galten zunächst auch für Polen, wurden dann aber von der Zentralen Seuchenkommission zum 28. März ausgesetzt.

Seit dem 16. März 0:00 Uhr sind außerdem 70 sogenannte touristische Grenzübergänge - also solche für Fußgänger und Radfahrer - geschlossen. Es erging außerdem ein Einfuhrverbot für Paarhufer sowie für die meisten aus ihnen hergestellten Milch- und Fleischprodukte.

Doch wie geht man in Tschechien mit diesen Maßnahmen um, welche Probleme entstanden an den Grenzen, sind die Regelungen überhaupt effektiv und was, wenn doch ein Fall der "Slintavka a Kulhavka", wie die Maul- und Klauenseuche hierzulande heißt, auftritt? All diese Fragen werden wir in diesem Schauplatz aufgreifen und versuchen, Antworten darauf zu geben.

Warum die Maßnahmen gegen die EU, die zunächst nur bis zum 27. März gelten sollten, noch einmal verlängert wurden, fragten wir den Leiter des Staatlichen Veterinäramtes, Josef Holejsovsky:

Wie geht man an den Grenzen selbst mit diesen Regelungen um und wie reagieren die Reisenden, die damit konfrontiert werden? Antworten auf diese Fragen bekamen wir am tschechisch-deutschen Grenzübergang Rozvadov/Waidhaus.

Der stellvertretende Leiter der deutschen Grenzpolizeistation, Hans Klug, berichtete:

Dies können wir nach unseren dortigen Umfragen unter den Grenzpassanten nur bestätigen:

Ob aber die getroffenen Maßnahmen überhaupt entsprechend wirksam sind, wollten wir vom Veterinär Josef Holejsovsky wissen:

Wie bereits erwähnt, wurden über 70 touristische Grenzübergänge geschlossen. Dies sei laut Herrn Holejsovsky notwendig gewesen, weil man nach Rücksprache mit den Sicherheitskräften keine Möglichkeit gesehen hätte, alle auch noch so kleinen Grenzübergänge entsprechend zu kontrollieren und mit Desinfizierungseinrichtungen auszurüsten.

In Holland und in Großbritannien wird man nun die von der EU erlaubten Notimpfungen in der Umgebung der erkrankten Tiere durchführen, in Deutschland wird vereinzelt bereits eine Präventivimpfung gefordert. Wie denkt man bei der tschechischen Zentralen Seuchenkommission über Impfungen der gefährdeten Tiere?

Dies werde aber vor allem wegen der hohen Konzentration von Tieren, insbesondere Schweinen, in Tschechien kein leichtes Unterfangen sein, führte Holejsovsky weiter aus.

Notschlachtungen auch auf den umliegenden Höfen, wie das laut Ankündigung des englischen Landwirtschaftministeriums dort jetzt gehandhabt werden soll, seien aber hierzulande nicht geplant. Man werde im Falle eines Seuchenausbruchs in Tschechien nur jene Tiere töten, die mit den infizierten in Kontakt gekommen sind. Um den Seuchenherd herum müsse man dann Notimpfungen durchführen, damit ein Ausbreiten der Epidemie verhindert werden könne.

Und damit, liebe Hörerinnen und Hörer, sind wir wieder am Ende unseres heutigen Schauplatzes angelangt. Wollen wir hoffen, dass man die Seuche in den EU-Staaten möglichst schnell in den Griff bekommt und sie hierzulande erst gar nicht auftritt. Ich denke, das wäre in unser aller Interesse und nicht zuletzt geht es vor allem um das Leben von Hunderttausenden von Tieren.

Zum Abschluss möchte ich auf die entsetzten Worte eines Rinderzüchters des kenianischen Massai-Stammes verweisen, der gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Monde" äußerte, mit den Massentötungen der Tiere verstoße man gegen die Ordnung des Kosmos. Ein an der MKS erkranktes Tier werde, seinen Worten zufolge, bei den Massais einfach isoliert und mit Baumrinden behandelt und sei so nach drei Wochen wieder gesund.

Autor: Olaf Barth
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