Tschechien von Grippeepidemie erfasst: Vier Tote und falscher Impfstoff

'Besuche verboten' (Foto: ČTK)

Die Tschechische Republik wird gegenwärtig von einer starken Grippewelle heimgesucht, die sich in einigen Regionen bereits zu einer Epidemie ausgeweitet hat. Nach Aussage von Tschechiens Chefhygieniker Vladimír Valenta gibt es rund 30 Fälle mit einer schweren Grippe, vier Personen sind bereits an der Erkrankung gestorben. Aus dem nordmährischen Krnov / Jägerndorf wurde zudem gemeldet, dass zwei Personen an einer Grippe des Typs H1N1 erkrankt seien, die allgemein als Schweinegrippe bezeichnet wird. Erschwerend kommt hinzu, dass der in diesem Winter eingesetzte Impfstoff nicht auf den Virus ausgerichtet war, der nun kursiert.

'Besuche verboten' (Foto: ČTK)
In Tschechien spricht man von einer Epidemie, wenn sich binnen eines kurzen Zeitraums in einem Gebiet eine Krankheit derart häuft, dass 1800 Menschen von 100.000 Einwohnern erkrankt sind. Schon am Montag musste die Stellvertreterin des nationalen Chefhygienikers, Jarmila Rážova, vermelden:

„In der vergangenen Woche ist die Anzahl der Fälle mit einer akuten Erkrankung der Atemwege um 23 Prozent gestiegen. Republikweit gibt es damit im Schnitt 1850 Erkrankte auf 100.000 Einwohner. Das heißt, alle Kreise stehen an der Schwelle zur Epidemie, und einige schon darüber.“

Zu den Regionen, die von der Grippe besonders stark heimgesucht wurden, gehören Südmähren und der ostmährische Kreis Zlín. Hier waren zu Wochenbeginn fast 2300 von 100.000 Einwohnern an Grippe erkrankt. Mit noch größerer Besorgnis wird indes das Auftreten der schweren Krankheitsfälle beobachtet. Die Mehrzahl von ihnen hat sich mit dem A-Grippevirus H3N2 infiziert. Zur Gefährlichkeit des Virus sagte die Mitarbeiterin des Nationalen Referenzlabors für Grippe, Helena Jiřincová:

Illustratives Foto: somkku9 / Free Digital Photos
„Es handelt sich um einen typischen aggressiven Virus. Bis zum heutigen Tag registrierten wir 27 Fälle, die mit dieser Ansteckung auf der Intensivstation liegen. Vier Personen sind leider daran gestorben. Das zeigt, es handelt sich um eine ernsthafte Erkrankung, die man nicht unterschätzen darf.“

Sehr ernst nimmt man im Kreiskrankenhaus der nordmährischen Stadt Krnov auch die Fälle der dort eingelieferten Personen, bei denen der A-Grippevirus H1N1 festgestellt wurde. Zum aktuellen Gesundheitszustand der Patienten sagte der leitende Angestellte der Klinik, Ivan Pavlák, am Freitag:

„Momentan ist der Gesundheitszustand von drei der vier Patienten stabil. Diese drei Personen werden weiter intensiv beobachtet, obwohl ihre Gesundung einen positiven Verlauf nimmt. Eine Patientin liegt indes weiter auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Ihre Lunge wird künstlich beatmet.“

Kurze Zeit später gab die Sprecherin des Krankenhauses bekannt, dass nur zwei der vier Patienten mit dem Virus H1N1 infiziert sind, also die Erkrankung haben, die geläufig als Schweinegrippe bezeichnet wird. Die anderen zwei Patienten sind vom Grippevirus H3N2 geschwächt, so die Sprecherin.

Illustratives Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Ein Mittel zur Vorbeugung gegen Grippe ist die Schutzimpfung. Da die Grippeviren aber ständig mutieren, sei es nicht einfach, stets den richtigen Impfstoff vor einer zu erwartenden Grippewelle zu finden, sagt die Stellvertreterin des Chefhygienikers, Jarmila Rážova:

„Auf der ganzen Welt befassen sich Labors mit der Beobachtung und Diagnostik zur Bestimmung von Virus-Typen und Untertypen. Daher wissen die Hersteller des Impfstoffs rechtzeitig im Voraus, auf welche Virustypen sie den Impfstoff vor einer Grippe-Saison für die jeweilige Population vorbereiten müssen.“

Bei den Grippeschutzimpfungen im vergangenen Herbst in Tschechien sei beim Impfstoff allerdings nicht die beste Wahl getroffen worden, heißt es. Deshalb könnten diesmal auch Personen eine Grippe bekommen, die sich dagegen eigentlich gefeit glaubten. Nach Aussage von Jarmila Rážova aber gehört Tschechien weiterhin zu den Ländern, in denen vergleichsweise wenig Menschen von der Schutzimpfung Gebrauch machen. Hierzulande seien es fünf Prozent der Bürger, der europäische Durchschnitt liegt aber bei etwa 15 Prozent.