Grippe auf dem Vormarsch – Erste Maßnahmen in Krankenhäusern

Foto: Archiv ČRo 7

Nach den Weihnachtstagen tauchten in den tschechischen Medien wieder vermehrt Warnungen vor einer möglichen Grippe-Epidemie auf. Grund war ein Pärchen, das über die Feiertage mit ernsten Symptomen in eine Prager Uni-Klinik eingeliefert worden war. Seitdem steigt die Zahl schwerwiegender Grippeerkrankungen an und einige Krankenhäuser haben bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Foto: Kateřina Křenová, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Die Grippe kennt viele Varianten, und jede hat so genannte Subtypen. Die medizinischen Bezeichnungen dafür sind so unverständlich, dass sich vereinfachende Begriffe einbürgern. So bekam jene Grippewelle, die 1918 bis 1920 mehrere Millionen Menschen das Leben kostete, den Namen „Spanische Grippe“. Heute weiß man, dass sie aus Amerika nach Europa kam. In Spanien wurden lediglich die ersten Fälle bekannt. Im Jahr 2009 ging erneut eine Grippewelle um den Globus, damals unter dem Namen Schweinegrippe. Es handelte sich in beiden Fällen um den Virus H1N1, allerdings um verschiedene Subtypen. Der H1N1-Virus bricht aber regelmäßig aus, wie der oberste Hygeniker Tschechiens, Vladimír Valenta, betont:

Modell des Influenza-Virus (Foto: Jan Sklenář, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Es gibt hier keine Schweine- oder Vogelgrippe. Wir haben es mit einem saisonalen Ausbruch von Subtypen der Grippevariante H1N1 zu tun. Gemeinsam mit anderen Varianten wie zum Beispiel H3N2 und B dominieren sie die derzeitige Grippewelle. Das möchte ich hier einmal auf das richtige Maß bringen, weil die Medien gerne diese Namen durcheinander werfen – das sind fachlich keine richtigen Begriffe.“

Die Bezeichnung Schweinegrippe hatte sich 2009 eingebürgert. Eine Beteiligung von Schweinen bei der Ansteckung konnte jedoch nie nachgewiesen werden. Eigentlich können Schweine-Grippeviren nicht auf Menschen übertragen werden. Menschliche Grippeviren können aber von Schweinen aufgenommen werden und mutieren. Das Hausschwein wirkt also bei der Entstehung von neuen Subtypen der Grippe als eine Art Katalysator.

Vladimír Valenta (Foto: ČT 24)
In Tschechien gab es bis Ende vergangener Woche bereits elf Todesfälle wegen Grippe. Am Wochenende haben einige Krankenhäuser erste Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet und Besuche von Infizierten durch Angehörige verboten. Vladimír Valenta:

„Mit Ausnahme von zwei Kreisen ist ganz Tschechien von komplizierten und schweren Grippe-Fällen betroffen, besonders Südböhmischen und Mittelböhmischen sowie der Kreis Hradec Králové. Dort sind die eingelieferten Fälle ernster als in den anderen Kreisen.“

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Eine Sprecherin des Gesundheitsamtes für den Kreis Hradec Králové präzisierte am Montagmorgen die Angaben:

„Umgerechnet haben wir auf 100.000 Einwohner 1582 Fälle von akuter Atemwegserkrankung und Grippe registriert. In einem Fall haben die Grippesymptome bereits zum Tode geführt.“

Die Menschen werden nun aufgefordert, sich mehrmals am Tag die Hände mit Seife zu waschen, nur Einwegtaschentücher zu nutzen und Umarmungen sowie andere Herzlichkeiten einzuschränken. Die Situation sei in einigen Gegenden ernst, allerdings könne man, so Hygeniker Valenta, nicht von einer Pandemie wie im Jahr 2009 sprechen:

Foto: Archiv ČRo 7
„Nein, eine Pandemie beobachten wir derzeit nicht und sie droht auch nicht. Wir haben einen saisonalen, gängigen Ausbruch von Grippeerkrankungen, der sich der Grenze einer Epidemie nähert beziehungsweise sie örtlich leicht überschreitet.“

Bei den bisherigen Todesfällen habe es sich um ungeimpfte Personen gehandelt, die zumeist einer Risikogruppe angehört haben. Dazu gehören Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen, beeinträchtigtem Immunsystem und anderen Atemwegserkrankungen.