Tschechien wählt den neuen Präsidenten: Es wird enges Ergebnis erwartet

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Spannung steigt, denn jetzt wollen es die Bürger Tschechiens wissen: Wer wird ihr neuer Präsident? Diese Frage wird am Samstagnachmittag beantwortet, wenn die Stimmen zum zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl ausgezählt sind. Zur zweiten und alles entscheidenden Runde treten nur noch zwei Kandidaten an: der ehemalige Premier Miloš Zeman sowie der Außenminister und Top-09-Parteichef Karel Schwarzenberg.

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Die Stichwahl der beiden verbliebenen Kandidaten beginnt am Freitag um 14 Uhr und endet – nach einer nächtlichen Pause von zehn Stunden – am Samstag um 14 Uhr. Doch außerhalb Tschechiens wird schon ab Donnerstagnachmittag gewählt – in den Botschaften der Republik. Und das Wahlinteresse der im Ausland lebenden Tschechen sei groß, noch größer als beim ersten Wahlgang, wurde vorab von Medien gemeldet. Die Wahlbeteiligung könnte diesmal auch von ausschlaggebender Bedeutung sein, meint der Soziologe des Meinungsforschungsinstituts Median, Daniel Prokop:



Daniel Prokop (Foto: ČT 24)
„Ein größerer Prozentsatz der Wähler wird sich entscheiden müssen, ob er überhaupt zur Wahl gehen wird, oder ob er – wenn er zur Wahl geht – das seiner Meinung nach kleinere Übel unter den beiden Kandidaten wählen wird. Die Wahlbeteiligung wird womöglich entscheidenden Einfluss auf die Wahl haben.“

Und dabei kann in der Tat jede abgegebene Stimme entscheidend sein. Nach der Auszählung der Stimmzettel nach der ersten Runde lag Zeman mit nur etwas über 41.000 Stimmen vor Schwarzenberg. Das ist ein Mehrstimmenanteil von knapp einem Prozent unter den 8,4 Millionen wahlberechtigten Tschechen, von denen in der ersten Runde rund drei Fünftel ihre Stimme abgaben. Sämtliche Wahlprognostiker, Analysten und Medienvertreter sind sich daher einig: Auch bei der zweiten Runde wird es sehr eng zugehen!

Miloš Zeman (Foto: ČTK)
Deshalb wurde der Wahlkampf, den beide Kandidaten zwischen den Runden führten, in Tschechien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Besonders die Rededuelle via TV und Radio gaben den Wählern immer wieder die Möglichkeit, sich ein Bild von beiden Präsidentschaftsanwärtern zu machen. Bei diesen öffentlichen Wahlkampfschlachten wurde zudem deutlich: Beide Kandidaten haben ihre feste Anhängerschaft und spalten die Nation de facto in zwei relativ gleichstarke Lager. Daher wurden auch die Fragen, die an beide Kandidaten gestellt wurden, von der Öffentlichkeit besonders beäugt. Im letzten Rededuell des Tschechischen Rundfunks wurde Zeman angesprochen, wie er sein Versprechen einlösen wolle, die gegenwärtige Regierung als möglicher Präsident zu verändern, angesichts seiner dann nur begrenzten Kompetenzen. Zeman verwies darauf, dass die Beliebtheit der Regierung in der Bevölkerung nur noch bei acht Prozent liege, er aber – mit einem starken öffentlichen Mandat im Rücken – diese Regierung schonungslos kritisieren würde:

Karel Schwarzenberg (Foto: ČTK)
„Natürlich wird ein linksorientierter Präsident gegenüber einer konservativen Regierung Kritik üben. Sonst stünde er nicht links. Ein konservativ ausgerichteter Präsident aber würde eine solche Regierung natürlich nicht kritisieren.“

Auf die gleiche Frage antwortete Schwarzenberg:

„Ich hoffe, dass der neue Präsident weder ein linksorientierter noch ein konservativer Präsident sein wird, sondern dass er seinen Eid gegenüber dem gesamten Volk ablegen wird.“

Foto: ČT 24
Tschechischer Präsident aber kann nur einer der beiden werden. Daher wurden die Kandidaten auch gefragt, was sie machen würden, wenn sie nicht erfolgreich seien. Zeman antwortete, er würde sich wieder auf seine Datscha auf der Böhmisch-Mährischen Höhe zurückziehen, seinen Lebensabend genießen und vor allem Bücher lesen. Und Schwarzenberg?

„Ich würde meine Arbeit als Außenminister fortsetzen und mein Mandat als Abgeordneter weiter ausüben. Das wäre mein Leben in den nächsten zwei Jahren.“

Mit ihrer Wahl werden die tschechischen Bürger also am Freitag und Samstag auch entscheiden, wohin der Weg der beiden Kandidaten demnächst führen wird.