Tschechiens erster Sportlerhain wächst in Jablonec

Foto: Helena Rudolfová, Archiv der Stadt Jablonec nad Nisou

Zu Ehren der tschechischen Olympioniken wurden am Dienstag voriger Woche im nordböhmischen Jablonec nad Nisou / Gablonz mehrere Bäume gepflanzt. Es sind zehn Kirschbäume, die in einem Park im Gablonzer Stadtteil Vrkoslavice wachsen werden, gleich neben dem Aussichtsturm Petřín. Die Bäume sollen das Andenken an ältere oder bereits verstorbene Sportler wahren, auf die Erfolge der gegenwärtig aktiven Sportler aufmerksam machen und die junge Generation zu guten Leistungen motivieren.

Zdeněk Ciller (Foto: M. Bergman, Archiv des Kreises Liberec)
Zur feierlichen Einweihung des Sportlerhains war auch eine Gruppe ehemaliger Olympioniken erschienen. Zu ihr gehörte der legendäre Trainer Zdeněk Ciller, der in den 1980er Jahren die erfolgreichen Skilangläuferinnen der Tschechoslowakei betreute:

„Ich bin sehr angenehm überrascht von dieser Idee, denn das ist keine alltägliche Sache, und auch nicht jeder will uns eine Freude machen. Deshalb freut es mich umso mehr, dass man uns noch nicht ganz vergessen hat.“

Cillers Worten stimmten nicht nur die anderen Olympiaveteranen zu, sondern auch die Vertreter der aktuellen Sportlergeneration. Einer von ihnen ist der Biathlet Roman Dostál, der beim Pflanzen der Bäume auch mithalf:

Roman Dostál (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Natürlich stimme ich dem zu, denn das ist ein guter Einfall. Noch bei den Winterspielen in Sotschi habe ich überhaupt nicht geahnt, dass so etwas vorbereitet wird. Und dass dieser Hain in Jablonec nad Nisou errichtet wurde, spricht für die sportliche Kraft, die in dieser Stadt steckt. Der Hain ist nicht nur eine Belohnung für die Sportler meiner Generation, sondern auch für die Generation der früher Geborenen.“

Die Idee für die Errichtung des Sportlerhains sei in der Tat vor neun Monaten während der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi aufgekommen, erklärt Pavel Benc. Der Chef des Skisportklubs Dukla Liberec war früher selbst ein guter Skilangläufer, bei den Winterspielen 1988 in Calgary gewann er mit der Männerstaffel die Bronzemedaille:

Pavel Benc (Foto: Archiv des Kreises Ústí)
„Der erste Gedanke kam bei den Spielen in Sotschi auf, wo eine ganze Allee von Bäumen gepflanzt wurde. Danach war die Idee geboren, stets einige Abtriebe dieser Bäume in der ganzen Welt auszusetzen.“

Die Abtriebe der Bäume des Olympiaparks von Sotschi, die für die Tschechische Republik bestimmt waren, sind im Botanischen Garten in Prag gelandet. Aus Russland wurden indes auch ganze Kirschbäumchen importiert – sie wurden auf dem Friedensplatz (náměstí Míru) in Prag und eben in Jablonec nad Nisou verpflanzt. Die Wahl des Parks im Gablonzer Stadtteil Vrkoslavice war dabei alles andere als ein Zufall, erklärt Gärtner Michal Trojan:

Erster Sportlerhain (Foto: Helena Rudolfová, Archiv der Stadt Jablonec nad Nisou)
„Diese Bäume gehören hierher, denn hier war ursprünglich ein Obstgarten mit Kirschbäumen. Am Rande des Parks stehen auch noch zwei alte Kirschbäume, daher entstand die Idee, diesen Park wieder so erblühen zu lassen, wie er es vor 100 Jahren schon getan hat.“

Und dass der Kirschbaumhain zu Ehren der Sportler ausgerechnet in der nordböhmischen Neißestadt angelegt wurde, ist auch nicht zufällig. Jablonec nad Nisou und der Sport, das gehört einfach zusammen, sagt Oberbürgermeister Petr Beitl:

Petr Beitl (Foto: Archiv ODS)
„Aus Sicht der Tschechischen Republik ist Jablonec bestimmt der Rekordhalter, was die Anzahl der Olympioniken im Verhältnis zur Einwohnerzahl betrifft. Ich bin froh, dass es gelungen ist, diesen Hain hier in unserer Stadt anzulegen. Dafür danke ich sowohl dem Klub der Olympioniken als auch den Organisatoren, die diese Bäume in der ganzen Welt verpflanzen. Von daher hoffe ich, dass in Jablonec die Zahl der Olympioniken wie auch der Bäume weiter zunehmen wird.“

In Jablonec nad Nisou geboren wurde die zweifache Olympiasiegerin im Speerwerfen, Barbora Špotáková. Aus der Neißestadt stammen ebenso die erfolgreichen Wintersportler Gabriela Soukalová, Nikola Sudová und Jaroslav Soukup.


Dominik Hašek als erster Tscheche in Hall of Fame der NHL aufgenommen

Foto: YouTube
Wenn in Tschechien über erfolgreiche Olympioniken gesprochen wird, dann fallen gewiss auch die Namen einiger Eishockeyspieler, die 1998 den bisher größten Triumph des Landes in der hierzulande sehr populären Sportart perfekt gemacht haben – den Olympiasieg in Nagano. Mit Sicherheit genannt werden dürfte aber der damalige Stammtorwart der tschechischen Nationalmannschaft, sein Name ist Dominik Hašek. Aus gutem Grund, denn Hašek war der überragende Spieler des Turniers von Nagano und damit der Garant für den außerordentlichen Erfolg der tschechischen Puckjäger.

Zu jener Zeit aber hatte sich Dominik Hašek einen ebenso guten Ruf in Nordamerika erworben. Dort spielte er bereits seine achte Saison in der ruhmreichen National Hockey League (NHL), in der er 1997 und 1998 zum wertvollsten Spieler der Saison gekürt wurde. Als Goalie der Buffalo Sabres erhielt Hašek insgesamt sechs Mal die Vezina Trophy als bester Torhüter der Liga, mit den Detroit Red Wings gewann er später auch zweimal den begehrten Stanley Cup. Seine NHL-Karriere währte 16 Jahre und in dieser Zeit eroberte Hašek mit seinem unorthodoxen Torwartstil die Herzen vieler Amerikaner und Kanadier. Für all diese Leistungen wurde ihm nun auch eine ganz große Ehre zuteil: Am 17. November wurde er als erster Tscheche überhaupt in die Hall of Fame der NHL aufgenommen. Für den inzwischen 49-Jährigen war dies mehr als nur eine Ehrung:

Dominik Hašek (Foto: YouTube)
„Mir wurden sehr viele Gratulationen entgegengebracht, doch was mich am meisten gefreut hat, war der Umstand, dass ich bei all den Ehrungen mit einer ganzen Reihe von wirklich tollen Menschen zusammengekommen bin. Und besonders angenehm war es für mich, dass ich einer Vielzahl von Spielern begegnet bin, die ich etliche Jahre lang nicht gesehen habe.“

Neben den vielen Ehrungen, die mit dem Erhalt des NHL-Legenden-Rings und der eigenen Dankesrede ihren Höhepunkt fanden, musste Hašek indes auch einigen Verpflichtungen nachkommen:

Gary Bettman (Foto: captcanuk, Wikimedia CC BY 3.0)
„Die unzähligen Autogramme, die ich geben musste, ist eine der Pflichten, die mit diesen Ehrungen untrennbar verbunden sind. Man genießt dies aber während und nach seiner Karriere und ein solches Wochenende, wie ich es jetzt in Toronto erlebt habe, wird es wohl nicht mehr geben. Es war wirklich einzigartig. Irgendwann aber werde ich bestimmt noch einmal hierher kommen, denn es lohnt sich.“

In Nordamerika ist Hašek stets gern gesehen. Mit großer Bewunderung spricht auch NHL-Commissioner Gary Bettman über ihn:

„Hašek war ein unglaublicher Torwart und er ist ein feiner Mensch. In den Eishockeysport hat er eine ganze Menge neuer Sachen eingebracht, viele Spieler können von ihm lernen. Er hatte einen unorthodoxen Stil, das ist Fakt, aber er war ein wirklich großer Sportsmann.“

Dominik Hašek wird ebenso in seiner tschechischen Heimat sehr verehrt. Neben dem legendären Olympiasieg konnte er hier auch einige nationale Titel feiern. Mit dem Eishockeyverein seiner Geburtsstadt Pardubice gewann er drei Meisterschaften, in der Umfrage „Zlatá hokejka“ nach dem besten tschechischen Spieler der jeweiligen Saison ging er fünfmal als Sieger hervor.

Autor: Lothar Martin
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