Tschechiens Politik stimmt Afghanistan-Einsatz eigner Soldaten zu

r_2100x1400_radio_praha.png

Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Besinnung. Und eigentlich auch des Friedens. Doch den Frieden weltweit kann man sich nicht herbeizaubern. Oft wird der Weg zu ihm gerade erst wieder zaghaft beschritten, nach einem langanhaltenden, die Menschen traumatisierenden Krieg. So wie derzeit in Afghanistan. Um das zarte Pflänzchen friedliche Koexistenz vor weiteren Rückschlägen zu schützen, soll nun eine UNO-Schutztruppe in dem geschundenen asiatischen Land zum Einsatz kommen. Darunter auch Soldaten aus der Tschechischen Republik. Näheres dazu von Lothar Martin.

Am Donnerstag, früh am Morgen (MEZ), wurde es zur Gewissheit: die UNO wird eine 5000 Mann starke Internationale Sicherheitsunterstützungs-Truppe (ISAF) nach Afghanistan entsenden, um die afghanische Übergangsregierung, die am Samstag ihre Arbeit aufnehmen wird, vor Übergriffen zu schützen und den noch brüchigen Frieden im Land festigen zu helfen. Sie wird unter das Kommando Großbritanniens gestellt und in ihrer Befehlsgewalt getrennt operieren von der "Operation Enduring Freedom" genannten Anti-Terror-Allianz unter Führung der USA.

In der UNO-Schutztruppe werden auch tschechische Aufklärer zum Einsatz kommen. Laut Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdík werden es rund 200 Soldaten sein, die für zunächst vier Monate abgestellt wurden. Von Seiten der tschechischen Politik ist ihnen, ebenso wie einem Feldlazarett und einer C-Waffen-Einheit, die innerhalb der Anti-Terror-Allianz in Kuwait stationiert werden, bereits grünes Licht zum Aufbruch gegeben worden. Denn am Mittwoch bzw. Donnerstag stimmten das Abgeordnetenhaus und der Senat mit überwältigender Mehrheit für den Einsatz dieser Truppenverbände. Premier Milos Zeman nannte unter anderem folgenden Grund für dieses Votum: "Wir tun das um unserer eigenen Selbstachtung willen, weil wir keine Feiglinge sind."

Während die Soldaten des Aufklärertrupps noch in diesem Jahr mit ihrem Marschbefehl rechnen können, wird es für die Chemiewaffen-Spezialisten sowie die Ärzte und Schwestern des Feldlazaretts vermutlich erst zu Beginn des neuen Jahres ernst. Wohin die Letzteren abkommandiert werden, wird von den verantwortlichen Repräsentanten noch geheim gehalten, ebenso wie das genaue Datum ihres Abfluges. Auch die Finanzierung dieser Missionen ist noch nicht abgesichert. Die tschechische Regierung hat vorgeschlagen, sie durch Schuldscheine zu lösen, falls die UNO nicht selbst in Vorlage tritt. ODS- und Abgeordnetenchef Václav Klaus wiederum erklärte, dass man darüber auf einer Sondersitzung im Januar 2002 befinden werde. Immerhin würde der Einsatz einer Einheit jährlich um die anderthalb Milliarden Kronen verschlingen, schätzt man.