Tschechiens Tennisdamen waren und sind als Team weiter Weltspitze

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Die tschechischen Tennisspielerinnen haben es wieder einmal geschafft: Durch einen 3:1-Finalsieg über Deutschland am vergangenen Wochenende in Prag haben sie den Fed Cup zum insgesamt achten Mal gewonnen. Und diese Erfolgsgeschichte hat viele Namen.

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Der Fed Cup ist das weibliche Pendant zum berühmteren Bruder aus dem Herrentennis, dem Davis Cup. Oder anders gesagt: Der Fed Cup ist der einzige international bedeutende Mannschaftswettbewerb im Damentennis. In der 52-jährigen Geschichte des Wettbewerbs haben nur elf Länder diesen Pokal gewonnen. Mehr als die Hälfte aller Siege gehen dabei auf das Konto der besten drei Nationen: die Vereinigten Staaten holten den Pott 17 Mal, die Tschechoslowakei und die spätere Tschechische Republik insgesamt acht Mal und Australien sieben Mal. Für ihre acht Triumphe benötigten die tschechischen Spielerinnen lediglich neun Versuche, denn nur das legendäre Prager Finale 1986 gegen die USA ging 0:3 verloren.

Helena Suková (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Das ist eine erfreuliche Statistik. Ich denke aber auch, dass unser Team in den Finals stets besser war als die Gegnerinnen“, sagt Helena Suková.

Sie ist mit 57 Siegen in Einzel- und Doppelmatches immer noch die erfolgreichste tschechische Fed-Cup-Spielerin. Die Glanzzeit der mittlerweile 49-jährigen Pragerin waren die 1980er Jahre, in denen sie die Trophäe gleich viermal gewann.

Den ersten Mannschaftspokal für die Tschechoslowakei errangen 1975 Martina Navrátilová und Renáta Tomanová. Die legendäre Navrátilová, die seit 33 Jahren auch US-Staatsbürgerin ist, hat für ihre Erfolge und die ihrer tschechischen Landsmänninnen eine ganz eigene Erklärung:

Martina Navrátilová (Foto: ČTK)
„Etwas müssen wir im Blut haben. Wir sind Linkshänderinnen, und wir können es einfach.“

Wie auf die 58-jährige Tennis-Legende trifft das auch auf die heutigen tschechischen Top-Spielerinnen Petra Kvitová und Lucie Šafářová zu. Sie waren an allen drei Pokalgewinnen der jüngeren Vergangenheit beteiligt und haben mehrfach bewiesen, dass sie mit der linken Hand den Bällen besonders auf harten Belägen eine für die Gegnerinnen unangenehme Rotation geben können. Teamchef Petr Pála führt die großartige Erfolgsbilanz indes auf den breiten Kader im tschechischen Damentennis zurück:

Petr Pála (Foto: ČTK)
„Ich bin froh, dass unsere Finalbilanz so gut ist, wie sie eben ist. Wir sind eine Tennisnation und haben viele tolle Spielerinnen. Das macht die Auswahl schwer, die Erfolge aber leichter.“

Wichtig ist allerdings nicht nur die Leistung, sondern auch die große Lust der Spielerinnen, trotz einer langen Saison für ihr Land auch noch im Fed Cup zu spielen. Das bestätigt die Weltranglisten-Vierte Petra Kvitová:

Petra Kvitová (Foto: ČTK)
„Es ist die Sache wert. Im Tennis ist der Fed Cup der einzige Teamwettbewerb und gemeinsam mit beiden Lucies, Andrea und den anderen Mädels spiele ich ihn gern. Wir sind eine starke Truppe, und es ist schön, dass wir so erfolgreich sind.“

Das wollen die Tschechinnen in der nächsten Fed-Cup-Saison ein weiteres Mal beweisen. Dabei spielen sie im Februar zunächst auswärts gegen das Team Kanada.


Fußball – U21-EM: Horst Hrubesch zufrieden mit Glücksfee Pavel Nedvěd

In Prag gibt es im kommenden Jahr viele weitere sportliche Highlights. Nach der Hallen-Leichtathletik-EM im März und der Eishockey-WM im Mai steht ab dem 17. Juni mit der U21-EM im Fußball der dritte große Event auf dem Programm.

An der U21-EM nehmen acht Mannschaften teil, die zunächst in zwei Vierer-Gruppen gegeneinander antreten. Die Spielorte sind Prag für die Gruppe A sowie Olomouc / Olmütz und Uherské Hradiště für die Gruppe B. Am vergangenen Donnerstag fand in Prag die Auslosung der beiden Gruppen statt.

Pavel Nedvěd (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Die Tschechen waren als Gastgeber für die Gruppe A gesetzt und hofften auf ein gutes Los. Das sollte ihnen ein großer Star vergangener Tage, Europas Fußballer des Jahres 2003 Pavel Nedvěd, bescheren. Der 42-Jährige, der im Prager Hotel Clarion Glücksfee spielte, zog indes neben Dänemark und Serbien auch den großen Turnierfavoriten Deutschland aus dem Lostopf. Viele seiner Landsleute hatten sich stattdessen jedoch Italien als Gruppengegner erhofft, weshalb sich Nedvěd nach seinem „Fehlgriff“ gleich förmlich bei den Gastgebern entschuldigte:

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„Ich habe mich in dem Sinne entschuldigt, dass die Deutschen eine phantastische Mannschaft haben, und ich denke, dass sie auch der Top-Kandidat für den EM-Titel sind. Wichtig ist für uns Tschechen, dass wir gleich in der Gruppe mit ihnen die Kräfte messen, und danach wird man sehen.“

In die Gruppe B wurden übrigens den gesetzten Engländern durch Nedvěd die Mannschaften aus Italien, Portugal und Schweden zugelost. Zur Auslosung äußerte sich anschließend auch der Trainer des favorisierten deutschen Teams, Horst Hrubesch:

Horst Hrubesch (Foto: Archiv RBB)
Deutschland wurde in die Gruppe A gelost. Sind Sie mit dem Los zufrieden?

„Ich bin sehr zufrieden mit der Auslosung, denn ich habe darauf gehofft, dass wir in die Prager Gruppe kommen. Das ist nun auch eingetreten. Dadurch ersparen wir uns einige Reisen, und die Gruppe selbst ist interessant. Wir wissen schon, dass keiner unserer Gegner leicht zu schlagen ist. Die Tschechen spielen vor eigenem Haus und sind sicher ein harter Brocken. Dazu kommen die Dänen, die auch ziemlich gut und leicht durch die Qualifikation gegangen sind, und schließlich die unberechenbaren Serben, auf die wir als erste treffen. Das ist also keine leichte Gruppe, aber eine machbare Gruppe, in der wir uns gute Chancen ausrechnen.“

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Und wie steht es um die allgemeinen Chancen? Was will die deutsche Mannschaft bei der EM erreichen?

„Was wir erreichen wollen, liegt klar auf der Hand: Wir wollen nicht an dem Turnier teilnehmen, um nur dabei zu sein. Wir werden schon versuchen, auf den Titel zu spielen, das ist klar. Wir haben dazu die Qualität, und wir werden die Sache auch Schritt für Schritt angehen. Es ist eine interessante Gruppe, doch unser Ziel kann es nur sein, dass wir wirklich auf den Titel spielen.“

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Bereits am 18. November kommt die deutsche Mannschaft zu einem Testspiel mit Gastgeber Tschechien nach Prag. Werden Sie da mit Ihrer stärksten Mannschaft antreten, oder werden Sie ein bisschen auf Kalkül spielen und andere Spieler aufbieten, um nicht schon alle Karten aufzudecken?

„Wir spielen immer mit offenen Karten. Klar werde ich auch zwei, drei neue Spieler aufbieten, aber das hat einen einfachen Grund: Gegen die Niederlande am 13. November und fünf Tage später in Prag gegen Tschechien, das sind meine ersten zwei Freundschaftsspiele seit einem Jahr. Zwei, drei neue Spieler habe ich schon lange im Auge, und denen will ich nun auch eine Chance geben. Aber wir fahren nicht nach Prag, um einfach nur mitzuspielen, sondern wir werden gegen die Tschechen den Sieg anstreben und das spielen, was wir letztendlich auch wollen.“

Mario Götze (Foto: Steindy, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Wie wir in Erfahrung bringen konnten, wäre ein Top-Spieler wie Mario Götze vom Alter her noch spielberechtigt für diese EM. Werden Sie ihn deshalb vom FC Bayern anfordern oder werden Sie ausschließlich mit den Akteuren zum Turnier antreten, mit denen Sie auch die erfolgreiche Qualifikation gespielt haben?

„Ach, mir stehen so viele Kicker zur Verfügung, die bei der EM normalerweise noch spielen könnten. Aber ich denke, dass ich mit den Jungs, die jetzt die Playoffs und zuvor die Qualifikation gespielt haben, den Weg weitergehen werde. Wir haben eine starke Mannschaft, aus der wir mittlerweile auch schon vier Spieler nach oben an die Nationalmannschaft abgegeben haben, davon sind drei Verteidiger. Trotzdem haben wir unsere letzten Begegnungen alle zu Null gespielt. Also wird sind schon in der Lage einiges zu kompensieren, denn wir haben einen ziemlich breiten Kader. Ich habe jetzt schon die Qual der Wahl, wen ich aufstellen soll, von daher sage ich klar: Nein, wir werden nicht auf Mario Götze zurückgreifen.“

Autor: Lothar Martin
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