Tschechisch-Deutsche Erklärung

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Willkommen zu Begegnungen sagt Ihnen, liebe Freunde, Jitka Mladkova. Diese Sendereihe - das dürften unsere Stammhörer wohl bereits erkannt haben - gilt nicht vorrangig als eine Plattform, von der aus wir über Begegnungen von sogenannten hochkarätigen Persönlichkeiten mit klangvollen Namen berichten. Vielmehr geht es uns darum - wie es übrigens auch in unserem Programmheft deklariert ist - recht aufregende Momente in den Beziehungen der Tschechen zu ihren Nachbarn bzw. zu anderen Ländern zu präsentieren, die sich nicht unbedingt, oder offen gesagt, meistens nicht in den obersten Etagen der sog. großen Politik abspielen. Diesmal wollen wir aber doch an ein Ereignis erinnern, das in der Geschichte der tschechisch-deutschen Beziehungen zweifelsohne zu den bedeutendsten gehört und gehören wird.

Wir blicken fünf Jahre zurück: am 21. Januar 1997 wurde ein historisches tschechisch-deutsches Vertragswerk in Prag unterzeichnet. Am 24. April 1997 sprach der damals tschechoslowakische Staatspräsident Vaclav Havel eine Rede vor den Mitgliedern des Deutschen Bundestages und des Bundesrates in Bonn. Unter anderem sagte er:

"Dies ist ein Augenblick, in dem nach einer langen Zeit von Verhandlungen, welche nicht leicht waren, die jetzt bereits allgemein bekannte und allgemein geschätzte Tschechisch-Deutsche Erklärung unterzeichnet und von unseren beiden Parlamenten angenommen worden ist."

Nun, seit dem Augenblick sind also fünf Jahre vergangen. Zu denjenigen, die den Verlauf der Verhandlungen aus unmittelbarer Nähe verfolgt haben, gehörte der damalige tschechoslowakisch und später auch tschechische Botschafter in Bonn und Berlin, Frantisek Cerny. Ihm galt also kürzlich unsere Frage, wie er das tschechisch-deutsche Verhältnis fünf Jahre danach sieht:

Nach Frantisek Cerny bekleidet nun das Amt des tschechischen Botschafters in Berlin Boris Lazar. Aus Anlass des 5.Jubiläums der tschechisch-deutschen Deklaration befragte ihn Silja Schulheis:

Auch wenn die gegenseitigen Beziehungen die besten sind, die wir bisher hatten, heißt es keineswegs, dass es nichts mehr zu verbessern gibt - nicht zuletzt auch im Hintergrund des Negativen, das man sich gegenseitig angetan hat:

"Niemand von uns ist natürlich so naiv, zu glauben, die Erklärung sei ein Zauberstab, der all die bitteren Erfahrungen, die im 20.Jahrhundert unser Zusammenleben beeinträchtigten, und all den traditionellen und traditionsgemäß genährten Irrglauben, der über dieses Zusammenleben und diese Erfahrungen auf beiden Seiten besteht, auf einmal verschwinden lassen wird."

... sagte Vaclav Havel am 24. April 1997 in Bonn. Die tschechisch-deutsche Versöhnungsdeklaration gilt natürlich nicht als Allheilmittel, oder - wie Vaclav Havel sagte - als ein Zauberstab. Sie ist aber eine gute Ausgangsbasis für die Zukunft und die junge bzw. kommende Generation. Das ist wohl auch der Tenor des folgenden Kurzgesprächs mit Peter Becher, Geschäftsführer des Adalbert-Stifter-Vereins: