Tschechisch-Deutsche Kulturtage 2008 – Brücken statt Mauern bauen

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Lachen Tschechen und Deutsche über dieselben Dinge? Und wie klingt eigentlich tschechischer Rap? Sollten Sie auf diese Fragen jetzt keine Antwort wissen – keine Panik! Die zehnten Tschechisch-Deutschen Kulturtage in Dresden und Ústí nad Labem wollen genau dies ändern. Das diesjährige Angebot ist groß: 165 Veranstaltungen laden die Besucher zum Hören, Sehen und Staunen ein.

Jaromír Konečný (Foto: Vilém Faltýnek)
Bei einer Lesung, die im Vorfeld der Kulturtage stattfand, präsentierte der in Prag geborene Bühnenliterat Jaromír Konečný vor einer Gruppe aus Dresden lustige Kurzgeschichten im Rahmen eines Abendessens in einem Prager Wirtshaus:

„Und so war Mančinka bis zu mir gekommen, fuhr an mir vorbei und ich sah, wie an einem ihrer beiden Ski, direkt hinter ihrem Stiefel, ein riesiger Kothaufen klebte. Ein Haufen, so groß wie ein Gewicht, wie es Jaroslav Verchlicky in einem seiner Gedichte schreibt.“

Derb und abstoßend. Diese Erfahrungen mit dem tschechischen Humor machte letzte Woche die Damen und Herrn aus Dresden. Im Vorprogramm der Tschechisch-Deutschen Kulturtage war die Gruppe nach Prag zu einer literarischen Stadtführung gekommen. Dort ging sie auf Spurensuche von Autoren, die Tschechen wie Deutsche mit ihren Werken bis heute bewegen. Das Festival möchte aber noch mehr bewirken. Oda Sommermeier von der Brücke/Most-Stiftung, dem Hauptveranstalter der Kulturtage:

„Unser Festival der Tschechisch-Deutschen Kulturtage möchte nicht nur an die Jahrhunderte alten und vielfältigen kulturellen Verbindungen zwischen Sachsen und Böhmen anknüpfen, sondern auch eine aktive grenzüberschreitende Kulturarbeit in beiden Regionen vertiefen.“

Zu den Früchten dieser Kulturarbeit gehört Musik aller Genres, Theater- und Filmprojekte sowie Ausstellungen in den Bereichen Malerei, Architektur und Literatur. Und auch der Dialog zwischen den Menschen beider Länder soll gefördert werden. Möglichkeiten dazu bieten Diskussionen und Workshops. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf geschichtlichen Themen, wie Oda Sommermeier hervorhebt:

„Im Jahr 2008 haben wir das Jahr der Jubiläen mit der Acht. Wir haben verschiedene Veranstaltungen die sich den Ereignissen aus den Jahren 1918, ’38, ’48 und ’68 widmen.“

Und nicht nur die Acht hat Jubiläum, auch das Festival selbst. Es feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. Sogar der tschechische Staatspräsident Václav Klaus wird daher zu den Kulturtagen kommen und diese am Donnerstag in der Dreikönigskirche in Dresden feierlich eröffnen. Dies zeigt, welchen Stellenwert das Festival mittlerweile erlangt hat. Bühnenliterat Jaromír Konečný, der selbst schon öfters bei den Kulturtagen in Dresden sowie in Freiburg aufgetreten ist, bringt dies auf den Punkt:

„Ich sehe in Freiburg und Dresden diese wahnsinnige Begeisterung für die tschechische Kultur, die Veranstaltungen sind immer voll und ich denke, es muss etwas bringen. Die Leute sehen, wir sind irgendwie gleich, wir mögen dieselben Sachen und wir lachen bei den selben Sachen. Das ist immer besser, als wenn wir zwischeneinander eine Mauer stehen haben.“

Das Festival dauert vom 24. Oktober bis zum 16. November. Weitere Informationen und Hinweise zum Programm finden Sie auf der Homepage der Tschechisch-Deutschen Kulturtage unter www.tschechische-kulturtage.de.

Autor: Martin Jarde
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