Prag im Blick: Tschechisch-Deutsche Kulturtage Dresden gehen in die 14. Runde

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Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage in Dresden machen jedes Jahr den Herbst ein wenig bunter. Bereits zum 14. Mal bringen sie zahlreiche Musiker und Künstler in die sächsische Hauptstadt. Diesjähriger Themenschwerpunkt: die Goldene Stadt Prag. Auch ein Jubiläum innerhalb der Kulturtage steht an: Die Shuttle-Lesung „Prager Nacht“ wird zehn Jahre alt. Darüber und über andere Höhepunkte des aktuellen Programms ein Interview mit Reinhard Heßlöhl, dem Projektleiter der Brücke/Most-Stiftung.

Herr Heßlöhl, dieses Jahr beginnen die 14. Tschechisch-Deutschen Kulturtage. Letztes Jahr stand Ostrava im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – dieses Jahr ist es Prag. Warum haben Sie diesen Schwerpunkt ausgewählt?

„Der Schwerpunkt Ostrau im vergangenen Jahr war dem Jubiläum ‚Zwanzig Jahre Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Ostrau’ gewidmet. In diesem Jahr gab es intensive Kontakte zwischen den Veranstaltern der Kulturtage, der Prager Stadtverwaltung, Künstlern und diversen Agenturen. Darum haben wir beschlossen, den Schwerpunkt Prag zu wählen. Übrigens werden auch in den nächsten Jahren immer wieder Städte und Regionen die Schwerpunkte der Kulturtage bilden. Das haben wir in den letzten Jahren so vereinbart. 2013 wird es der Südmährische Kreis mit der Stadt Brünn sein.“

Reinhard Heßlöhl
Prag dieses Jahr im Mittelpunk – gibt es auch Veranstaltungen die direkt in Prag stattfinden oder einen Bezug zu Prag haben?

„Wir haben insgesamt 20 Veranstaltungen mit direktem Bezug zu Prag. Die Vorschläge kamen von den Künstlern und der Stadtverwaltung. Daraus haben wir etwas ausgewählt: vor allem Musikveranstaltungen der Genres Klassik, Jazz oder Rock und Pop sowie Ausstellungen mit aus Prag stammenden Künstlern. In Prag selbst werden drei Veranstaltungen durchgeführt. Ein Beispiel ist die Kurzfilmnacht ‚Fein.KOšt‘ mit deutschen und tschechischen Beiträgen, die im Prager Kino Bio Oko am 21. November um 20 Uhr stattfindet. Das Dresdner Äquivalent am Freitag vergangener Woche war übrigens ausverkauft. Erwähnenswert ist, dass zu den Vorführungen auch die Filmemacher eingeladen sind, um sich den Fragen des Publikums zu stellen.“

Collegium 1704 (Foto: Hasan El-Dunia, Archiv Collegium 1704)
Sie haben drei Veranstaltungen in Prag erwähnt, aber nur eine kurz beschrieben. Können Sie zu den anderen beiden noch etwas sagen?

„Dabei handelt es sich um die Konzerte der Musikbrücke Prag-Dresden, die schon seit längerer Zeit unter anderem auch bei den Kulturtagen zu hören sind. Dieses Mal spielt das Collegium 1704. Die Musiker werden noch zwei Veranstaltungen durchführen, eine in Dresden und eine in Prag. In Prag hat das erste Konzert bereits stattgefunden, aber wir haben noch eines am 17. November. Dann wird der Dresdner Kammerchor zusammen mit dem Collegium 1704 auftreten.“

Am Donnerstagabend werden die Kulturtage offiziell eröffnet. Mit welcher Veranstaltung geht es denn los?

„Auf deutscher Seite beginnen die Kulturtage offiziell mit der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag: einem Konzert des Prager Geigenvirtuosen Jaroslav Svěcený in der Dresdner Dreikönigskirche. Dorthin sind auch Gäste aus der Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft geladen. Die Veranstaltung gehört zu dem Empfang des tschechischen Generalkonsulats in Dresden, anlässlich des tschechischen Nationalfeiertags der Staatsgründung am 28. Oktober. Inoffiziell werden die Kulturtage mit einem Konzert von Jaromír Nohavica und Frank Viehweg eröffnet. Dieses Konzert findet ebenfalls am 25. Oktober in Ústí nad Labem / Aussig statt und einen Tag später, am Freitag den 26. Oktober. in der Dresdner Scheune. Interessant ist, dass für das Konzert in Dresden Kartennachfragen aus ganz Tschechien und Deutschland eingegangen sind, zum Beispiel aus Berlin oder Köln.“

Frank Viehweg und Jaromír Nohavica (Foto: ČTK)
Jaromír Nohavica, der auch bei der Eröffnung dabei sein wird, ist einer der größten tschechischen Folkmusiker. War es schwer, ihn für die Kulturtage zu gewinnen?

„Eigentlich nicht. Wir haben ihn im vergangenen Jahr bereits angefragt, damals trat aber nur Frank Viehweg auf. Wir haben es dieses Jahr wieder versucht, und Nohavica hat sofort zugesagt. Es war eigentlich recht einfach.“

Dieses Jahr gibt es auch ein Jubiläum: die „Prager Nacht“. Das ist eine Shuttle-Lesung, sie findet am Samstag, 27. Oktober, in Dresden zum zehnten Mal statt. Was ist diese „Prager Nacht“?

„Bei der ‚Prager Nacht’ werden zwölf stadttypische Örtlichkeiten aufgesucht und zu einem Rundkurs verbunden. Mit Bussen können sich die Besucher im Halbstundentakt von Ort zu Ort fahren lassen. An jedem dieser Orte wird ein Text von einem oder zwei Schauspielern vorgetragen. Den Text muss man sich wie eine Filmszene in der passenden Kulisse vorstellen. So erkundet man in sechs Stunden Teile seiner Stadt, die einem sonst nicht zugänglich sind, und erfährt dabei etwas über Literatur sowie die Tätigkeiten an dem Ort.“

Sie haben angedeutet, es wird an ungewöhnlichen Orten gelesen. Wo sind Sie dieses Mal unterwegs?

Jaromir Konecny (Foto: Archiv ČRo 7)
„Ein Ort ist das Fußballstadion von Dynamo Dresden – dort sind wir in der Umkleidekabine. Dann sind wir in einem Tonstudio und in diversen Gaststätten, die zu den Texten passen. Wir lesen auch in der Pathologie des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt oder in einer Kunstschmiede.“

Wird auch jemand Bekanntes bei der „Prager Nacht“ auftreten?

„Unter anderem liest der Slampoet und Buchautor Jaromir Konecny aus München. Aus Dresden haben wir Schauspieler wie Helga Werner und Hans Jörn Weber, die hier sehr bekannt sind. Weitere Schauspieler kommen aus Berlin, Aachen, Augsburg und Potsdam.“

Neben solchen regelmäßigen Veranstaltungen wie der Prager Nacht gibt es auch immer Neuentdeckungen. Welche neuen Gesichter haben Sie diesmal eingeladen?

Nordböhmische Philharmonie Teplice (Foto: Offizielle Webseite der Nordböhmischen Philharmonie)
„In diesem Jahr haben wir vor allem auf junge Künstler gesetzt. Wir wollen sie entsprechend präsentieren. Als Beispiel kann ich die junge Pianist Veronika Böhmová nennen. Sie kommt aus Prag und studiert an der Hochschule für Musik in Dresden sowie an der Akademie der Künste in Prag. Böhmová hat in diesem Oktober unter 130 Mitbewerbern den zweiten Preis beim internationalen Klavierwettbewerb ‚Anton G. Rubinstein’ gewonnen. Sie wird nochmals im Rahmen der Stipendiatenkonzerte der Brücke/Most-Stiftung zusammen mit der Nordböhmischen Philharmonie Teplice am 28. November in Teplice und am 29. November in der Musikhochschule Dresden zu sehen sein.“

Ein Ziel der Deutsch-Tschechischen-Kulturtage ist es, den Nachbarn die Kultur näherzubringen. Könnten Sie erklären, wie das funktioniert und was Sie beim Publikum in den vergangenen Jahren festgestellt haben?

„Bei unseren Veranstaltungen haben die Besucher oft die Möglichkeit, nach den Auftritten direkt mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Diese interkulturelle Kommunikation, nicht nur zwischen den Künstlern, sondern auch zwischen Künstler und Publikum, ist erklärtes Ziel der Veranstalter. Es ist festzustellen, dass die Besucher dieses Angebot zunehmend und sehr gerne annehmen.“

Wie viele Besucher erwarten Sie dann dieses Jahr?

„Wir hoffen, dass wir den Schnitt von 10.000 Besuchern, den wir schon in den letzten Jahren hatten, halten können. Genaue Zahlen liegen uns aber erst Ende Dezember vor, weil im Epilog noch einige Veranstaltungen stattfinden. Prolog und Epilog gibt es, weil einige interessante Veranstaltungen nicht innerhalb der Festivalkernzeit organisiert werden können. Das kann an den Terminen der Künstler oder der Spielstätten liegen. Dann machen wir einen Kompromiss und verzichten nicht auf die Veranstaltung, sondern legen sie in den Prolog oder Epilog.“


Die 14. Tschechisch-Deutschen Kulturtage laufen vom 25. Oktober bis zum 11. November 2012. Insgesamt erwarten die Besucher rund 70 Veranstaltungen unter anderem in Dresden, Prag und Ústí nad Labem / Aussig.

Autor: Romy Ebert
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