Tschechisch - Deutsche Wirtschaftsbeziehungen

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Mit rund 530 Mitgliederunternehmen ist die Tschechisch-Deutsch Industrie- und Handelskammer in Prag seit 1993 die bedeutendste bilaterale Kammer in Tschechien. Ihren Mitgliedern bietet sie ein Forum zur gezielten Interessen-vertretung. So sind Aufgabenschwerpunkte vor allem Wirtschaftsinformationen, wie beispielsweise die Recherche von Abnehmern und Lieferanten, Zollvor-schriften, Bonitätsauskünfte oder die Organisation von Unternehmertreffen. Mit Andreas Schäfer, dem Leiter der Abteilung Volkswirtschaft und Publikationen der Tschechisch-Deutsch Industrie- und Handelskammer in Prag unterhielt sich Marion Riese über die tschechisch - deutschen Wirtschaftsbeziehungen. Andreas Schäfer erstellt hauptsächlich Analysen der hiesigen Wirtschaft und ist verantwortlich für die Publikationen der Kammer.

Während der letzten 10 Jahre haben deutsche Firmen über 6 Milliarden Dollar in Tschechien investiert. So ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder auch im vergangenen Jahr sehr intensiv gewesen, welches besonders die Außenhandelszahlen zeigen. Deutschland liegt bei den tschechischen Exporten mit ca. 40 Prozent an erster Stelle, aber auch ein Drittel der Importe bezieht die Tschechische Republik aus Deutschland, während sie wiederum zu den 15 wichtigsten Handelspartnern Deutschlands gehört.

Herr Schäfer machte Radio Prag dabei auf einen Aspekt aufmerksam: "Ja das Interessante ist, wenn man sich die Produkte anschaut, die exportiert und importiert werden: das sind in beide Richtungen sehr ähnliche Produktgruppen. Das sind sowohl bei den Ex- und Importen Maschinen, Ausrüstungsgegenstände, elektrotechnische Produkte, Eisenwaren. Das sind die 4 grössten Gruppen. KFZ natürlich mit Skoda sowohl bei Exporten als auch bei den Importen durch Vorprodukte."

Es existiert somit eine relativ ausgeglichene Warenstruktur. Aber auch bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt Deutschland mit einem Viertel wieder an erster Stelle.

In Sachen Standort hat Tschechien, laut einer jährlich durchgeführten Mit-gliederumfrage der Kammer, ebenfalls viel zu bieten, wie die relativ moderaten Lohnkosten, die geographische Nähe zu Deutschland, als auch die gute Infrastruktur. Schwierig dagegen seien laut Umfrage immer noch die öffentliche Verwaltung und das Rechtswesen, wo es vor allem in der Qualität der Gesetze und deren Umsetzung Probleme gäbe. Aus diesem Grund wurde das Euro-Czech Forum, ein Zusammenschluss der Industrie- und Handelskammern Deutsch-lands, Frankreichs, Großbritanniens, den Niederlanden und von Schweden, kurz ECF gegründet. Schäfer sieht die ECF als gute Möglichkeit der Politikberatung und die Stimmung der ausländischen Wirtschaft der hiesigen Politik zu vermitteln.

Aber auch Deutschland kann Tschechien einiges bieten in Sachen Know how, Kapitaltransfer und Managementwissen. Auf die abschließende Frage, wie sich der vor kurzem eingeführte Euro auf die tschechisch-deutschen Wirtschafts-beziehungen auswirkt, antwortete Herr Schäfer: "Die Auswirkungen der Euroeinführung sind für Tschechien nicht ganz so groß, wie für die Länder, die am Euro teilnehmen. Da aber die Tschechische Republik einen Großteil seines Außenhandels mit EU-Ländern und dort hauptsächlich mit Euroländern abwickelt, ergibt sich der Vorteil, dass es sich nicht mehr gegen mehrere Währungen absichern muss, sondern nur noch gegen Euro."

Autor: Marion Riese
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