Tschechisch-slowakisches Magazin

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Willkommen zu der heutigen Ausgabe von Begegnungen sagt Ihnen, liebe Freunde, Jitka Mladkova. Unsere Stammhörer wissen Bescheid: Am letzten Donnerstag im Monat geht es in unserer Sendereihe um eine tschechisch-slowakische Begegnung. Mit anderen Worten: ein gemeinsames Thema aus der Sicht zweier Sender - von Radio Prag und Radio Slowakia International.

Am Mittwoch, dem 12.Dezember fand in Prag die 19. Tagung der Akademischen Konferenz der tschechischen Akademie der Wissenschaften statt. Zusammengekommen sind 241 Mitglieder dieses obersten Organs der bedeutendsten wissenschaftlichen Institution des Landes, dem die Direktoren der einzelnen Abteilungen sowie gewählte Vertreter ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter, aber auch Vertreter von Hochschulen, des Unternehmer- bzw. Bankenbereichs, bedeutende in- und ausländische Wissenschaftler angehören. Die Tagung galt vor allem der bisherigen Realisierung des Konzeptes der Akademie der Wissenschaften am Beginn des 21.Jahhrunderts. So der offizielle Titel des grundlegenden Dokuments. Unter den namhaften Gästen war auch der EU-Botschafter in Tschechien, Ramiro Cibrian. Kein Wunder, lautete doch das Thema eines der Hauptvorträge und gleichzeitig wohl auch das zentrale Motto der Konferenz "Die Tschechische Akademie der Wissenschaften im Prozess der Annäherung der Tschechischen Republik an die Europäische Union."

Über die Annäherung an die EU war aber auch schon vor einem Monat in Prag die Rede, und zwar beim Jahrestreffen der obersten Vertreter der Akademien der Wissenschaften aus den vier Visegrad-Ländern - Polen, Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik. Diese wollen sich, wie die Präsidentin der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Helena Illnerova, in einem Gespräch mit Radio Prag sagte, gegenseitig unterstützen, um die Forschung im mitteleuropäischen Raum voranzutreiben, aber auch um ihre Positionen im Rahmen der EU zu festigen. Frau Illnerova meinte auch, dass man sich bei solchen Treffen gegenseitig inspirieren lasse. Nach Inspirationen suche man - so Illnerova wörtlich - vor allem bei der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, mit der man sich sehr nahe stünde. Auf die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen seit 1993, also nach der Trennung der Tschechoslowakei entwickelt hat, sagte sie:

"Ich kann sagen, dass unsere Zusammenarbeit mit der Slowakei immer absolut hervorragend war. Ich würde sagen, so kameradschaftliche Beziehungen, wie wir sie haben, sieht man in diesem Bereich nur selten, und das freut uns. Im Moment verfügen wir Tschechen zwar über weniger Finanzmittel als z.B. die Ungarn, aber wiederum über mehr als unsere slowakischen Kollegen. Ich wünsche ihnen sehr, dass die Gelder für die Forschung in der Slowakei aufgestockt werden. Die Slowaken können sich nur mit elementaren Aufgaben befassen und ihre Fachkräfte verlassen verständlicherweise den Forschungsbereich. Bei uns haben wir noch einen Vorteil: Wir verfügen über eine landesweit gut funktionierende Grant-Agentur. Darüber hinaus gibt es bei uns den von der Regierung eingesetzten Rat für Forschung und Entwicklung. Ich glaube, das ist eine gute Institution, in der Repräsentanten aller möglichen Forschungs- bzw. Entwicklungsbereiche und verschiedener Ministerien vertreten sind. Die Letzteren koordinieren relativ gut die Geldverteilung. In der Slowakei wird damit erst begonnen."

Natürlich gibt es auch Projekte, an denen tschechische und slowakische Wissenschaftler gemeinsam arbeiten. Hierzu nannte Helena Illnerova - stellvertretend für viele andere - ein konkretes Beispiel aus dem Labor, in dem sie im Physiologischen Institut der Akademie arbeitet:

"Voriges Jahr haben wir eine Abhandlung über ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut für experimentelle Endokrinologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in einer internationalen Fachzeitschrift publiziert, ohne es irgendwo zu melden. Dabei ist die Zusammenarbeit da. Wir wussten, dass die Slowaken über eine gute Methodik verfügen, und wir sind wiederum mit einer guten Idee gekommen. Bei ihnen haben wir entsprechende Messungen durchgeführt und die Resultate in "Brain search" publiziert. Selbstverständlich gemeinsamen. Von solchen Beispielen gibt es Hunderte. Kurz um , "Oben" sozusagen wird über die Zusammenarbeit verhandelt, wobei sie "unten" schon längst existiert."

Soweit der tschechische Teil unseres gemeinsamen Begegnugnsmagazins. Ergänzt wird er durch den Beitrag, den uns Lydia Korecka von der deutschsprachigen Redaktion des Senders Radio Slowakia International:

Die Beziehung zwischen der Slowakischen und der Tschechischen Akademie der Wissenschaften beruht auf langjähriger Zusammenarbeit in der noch gemeinsamen Republik. Seit der Trennung aber sind die Beziehungen noch intensiver geworden, meint Dr. Ivan Horvath, Leiter der Ausslandsabteilung der Slowakischen Akademie der Wissenschaften im Gespräch mit Radio Slovakia International:

Nach der Entstehung der SR im Jahre 1993 wurden die Beziehungen zwischen den beiden Akademien auf qualitativ neue Ebene gestellt. Die SAW musste mit der tschechischen einen neuen Vertrag über die Zusammenarbeit schließen, genauso wie mit allen anderen ausländischen Institutionen. Seitdem gehört die Tschechische Akademie der Wissenschaften zu den wichtigsten Partnern der SAW. Dr. Ivan Horvath erläutert: Trotz einheitlicher Ausgangsposition seien z. Z. die Arbeitsbedingungen in beiden Akademien unterschiedlich, meint Dr. Ivan Horvath. Er beneidet die Kollegen in Tschechien, und klagt über wenige Finanzmittel in seiner Institution: Trotzdem ist die Zusammenarbeit erfolgreich und so soll es auch bleiben. Dr. Ivan Horvath ist zufrieden.